Natürlich wissen die Nachbarn im schwedischen Älmhult, wer da ausserhalb des Dorfes die frisch renovierte, an einem Seelein gelegene Bauernkate bewohnt. Doch sie schweigen – und schützen ihren ­weltberühmten Mitbewohner: Ingvar Kamprad (87), der Gründer der Möbelhauskette Ikea, kehrte vor wenigen ­Wochen aus dem Waadtland zurück zu seinen Wurzeln.

Die beiden letzten Buchstaben des Kürzels Ikea stehen für diese Heimat. Neben den Initialen IK für Ingvar Kamprad stehen das E für den grosselter­lichen Bauernhof Elmtaryd und das A für sein Heimatdorf Agunnaryd, 20 Kilometer nordwestlich von Älmhult. «Nach 37 ­Jahren», schrieb der alte Schwede in seiner etwas krakeligen Handschrift, dafür fast fehlerfreiem Deutsch kurz nach seinem Umzug an BILANZ, sei er «zurück gerade dort, wo ich einmal meine Firma gestartet habe, als ich 17 Jahre war».

Abschied vom Genfersee

Fast vier Jahrzehnte lang war die Gemeinde Epalinges VD Wohnort des ­Patriarchen, seiner vor zwei Jahren verstorbenen Gattin Margaretha sowie der drei Söhne Peter (49), Jonas (47) und ­Mathias (44). Der Senior selbst wurde am Lac Léman allerdings nie wirklich ­heimisch und lernte die Landessprache Französisch nur rudimentär. An mangelndem Sprachtalent liegt das nicht: Kamprad spricht neben der Muttersprache Schwedisch exzellent Deutsch und auch Englisch.

Der sechsfache Grossvater freut sich auf seine Heimat. «Im Sommer wohnen auch die Familien meiner Söhne hier und meine sechs Enkelkinder», erzählt er. Aber auch von der Arbeit will der Altmeister nicht lassen: «Ich wohne 20 Kilometer vom Centrum für Ikea Schweden», so der Patron. Und: «Ich habe immer noch viele interne Aufgaben.» Der Heimkehrer freut sich «auf ein paar hundert gute Ikea-Kollegen und viele gute Freunde».

Noch vor Roy Black

Die fast schon legendäre, auch in ­seinem alten neuen Heim sichtbar gelebte Einfachheit eines der reichsten Männer der Welt steht in scharfem Kontrast zu manch anderem ausländischem Domizil der Reichsten aus der Schweiz. Beispielsweise zum Schloss Sekirn, das die Milliardärswitwe Heidi Horten am Wörthersee unterhält, der «schönsten Badewanne Österreichs», wie in unserem Nachbarland gefrotzelt wird.

Anfang der fünfziger Jahre kaufte der deutsche ­Warenhauskönig und Multimilliardär Helmut Horten (1909–1987) das vom Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz errichtete Schloss und baute die Anlage um. Horten war schon dort, bevor der deutsche Schlagersänger Roy Black (1943–1991), bürgerlich Gerhard Höllerich, in der Fernsehserie «Ein Schloss am Wörthersee» seine ­Weisen trällerte und damit das Gewässer zum neuen Anziehungspunkt der Haute Volée machte.

Jahre später wurde im Horten-Schloss das Innere nochmals umgestaltet, als die neue Ehefrau einzog. Helmut Horten hatte die um 32 Jahre jüngere Heidi als Tänzerin in einer Bar kennen gelernt, je nach Quelle in Wien oder in Klagenfurt am Wörthersee. Seit dem Tod ihres Gatten jettet Heidi Horten zwischen dem Wörthersee, Wien, dem Tessin und den Bahamas hin und her oder verbringt, um sich von ihrer Reiserei etwas erholen zu können, einige Tage auf ihrer 150-Millionen-Franken-Yacht «Carinthia VII».

Ungeachtet ihres stressigen Lebens findet die 72-Jährige offensichtlich ge­nügend Zeit, um sich mit ihrer Nach­barin anzulegen, der Industriellenwitwe Ingrid Flick. Als diese von ihrem ­riesigen Besitz am Wörthersee aus eine ­Strasse bauen wollte, erwuchs dem Projekt heftiger Widerstand. Bekannteste Opponentin ist Heidi Horten – obwohl die geplante ­Strasse ihr Grundstück gar nicht berührt.

Der adlige Zürcher

Seit seinem Ausscheiden als Aussenminister der Tschechischen Republik übt sich Karl zu Schwarzenberg (75) als Schlossherr. In dieser Rolle widmet er sich der Renovation des an der Moldau gelegenen Schlosses Orlik. Im 13. Jahrhundert als Trutzburg errichtet, später zum Schloss umgebaut, wurde die Anlage 1945 verstaatlicht. Knapp fünf Jahrzehnte danach erhielt das fränkisch-böhmische Adelsgeschlecht der Fürsten zu Schwarzenberg seinen Besitz wieder zurück, wenn auch nicht vollständig. Heute zählt Schloss Orlik zu den touristischen Attraktionen in Böhmen. Karl zu Schwarzenberg, dank einem schon über vier Jahrhunderte alten Bürgerrechtsprivileg auch Bürger von Zürich, hat sich daneben um zahlreiche weitere Familiengüter zu kümmern, so das böhmische Schloss Drˇevícˇ , Schloss Schwarzenberg in Mittelfranken, Schloss Obermurau in der ­Steiermark oder das Palais Schwarzenberg in Wien.

Beinahe so viele Häuser und Schlösser wie Schwarzenberg nennt Devisenhändler und «Dolder»-Hotelbesitzer Urs Schwarzenbach (65) sein Eigen. Neben diversen Hotels und Privathäusern in der Schweiz hält er im Ausland zahlreiche Besitztümer, beispielsweise ein Jagdschloss viktorianischen Zuschnitts in Schottland, einen Hotelkomplex in Marrakesch oder eine riesige Farm in Australien. In seiner britischen Wahlheimat hat sich der Nebenamtshotelier einen ganzen Strauss an repräsentablen Liegenschaften samt herrschaftlichem Umschwung zugelegt.

Freund Prinz Charles

Wenn Schwarzenbach ein Objekt ins Auge springt, will er es um (fast) jeden Preis haben. Als 2006 das als «Country House» bezeichnete georgianische Schlösschen Culham Court für 25 Millionen Pfund angeboten wurde, legte der Schweizer zehn Millionen drauf, um allfällige Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen. Inzwischen lebt der zweifache Vater mit seiner Frau Francesca Schwarzenbach-Mulhall, einer ehemaligen Miss Australien, den grössten Teil des Jahres im 80 Millionen Franken teuren Anwesen in Henley-on-Thames in der Grafschaft Oxfordshire.

Der Devisenhändler hält in seiner Wahlheimat noch diverse andere Häuser. Und nicht nur das. 2007 sorgte der Schweizer mit direkten Kontakten ins Königshaus – ihn und Prinz Charles hat der Gentleman-Sport Polo zu Freunden gemacht – weltweit für Schlagzeilen, als er, unweit seines Wohnsitzes, für mehr als 80 Millionen Franken das Dorf Hambleden kaufte: 44 Häuser, Pub, Dorf­laden, Post, Garage, Jagdrevier, 650 Hek­taren Wiesen und Wälder – ohne Kirche.

Beverly Hills an der Loire

Mit Schlössern oder Landsitzen auf dem alten Kontinent nichts am Hut hat Petra Ecclestone. Die jüngere Tochter von Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone (83), die sich auch als Model und Modedesignerin versucht, mag es dennoch protzig. Vor zwei Jahren soll sie die angeblich teuerste Villa der Vereinigten Staaten erstanden haben. 150 Millionen Dollar blätterte die gerade mal 24-Jährige für die luxuriöse, im Stil eines französischen Schlosses erbaute Villa in Beverly Hills hin. Dafür erhielt die junge Mutter 11 Schlafzimmer, 16 Bäder sowie zahlreiche Nebenräume, die einem das Leben etwas erleichtern: ein klimatisiertes Zimmer für Silberbesteck, ein Raum zur Weinverkostung oder ein Gemach für die Verpackung von Geschenken. Bowlingbahn, Fitnessstudio, Kino, Bibliothek, Tennisplatz und mehrere Swimmingpools sind in der Gegend Standard. Das neue Anwesen ist zwar der grösste, aber lange nicht einzige Immobilienbesitz von Petra Ecclestone.

Wenige Kilometer entfernt von Beverly Hills, am Strand von Malibu, soll sich Juri Shefler (46) Anfang dieses Jahres einen Wohnsitz gekauft haben. 75 Millionen Dollar kostete das riesige Grundstück mit Meeranstoss, 8 Schlaf- und 14 Badezimmern. Laut «Wall Street Journal» war der Besitz für 125 Millionen aus­geschrieben, doch ein russischer Milliardär soll 75 Millionen geboten haben – in Cash, weshalb der Verkäufer zum happigen Preisnachlass bereit war.

Ob wirklich der gebürtige Russe Shefler, der seit Jahren in Genf lebt, hinter der Handänderung steht, wissen nicht einmal die sonst bestens informierten lokalen Immobilienmakler mit Bestimmheit.

Renommiertester Weinführer

Gut zwei Dutzend der 300 Reichsten der Schweiz sind unter die Weinmacher gegangen. Einige davon leben ihre späte Berufung höchst ambitiös aus. Wie Silvio Denz, der sich mit feinen Düften ein Vermögen von gegen 300 Millionen Franken geschaffen hat. Heute gehört seine Aufmerksamkeit hauptsächlich seinen in Spanien und Frankreich gelegenen Weingütern, insbesondere dem Château Faugères, das sich sechs Kilometer östlich von Saint-Emilion im Bordelais befindet. Mit dessen Kauf hat sich Denz «einen Kindheitstraum erfüllt». Zwar lebt der Schweizer vor allem in London, tankt aber in Faugères regelmässig Kraft auf. Seine Leidenschaft für Wein lässt sich der 57-Jährige einiges kosten. So ist der Weinkeller ein Werk des Tessiner Star­architekten Mario Botta.

Angefressene Weinmacher sind auch Claudio Tipa und seine Schwester Maria Iris Tipa Bertarelli, Mutter von Ernesto Bertarelli, der Serono für gut zehn Milliarden Franken an die deutsche Merck versilbert hat. Das Geschwisterpaar ­betreibt in Italien drei Weingüter. Das bekannteste ist das in der nördlichen Maremma gelegene Castello di Colle Massari. Das Weingut sieht eher wie eine auf Verteidigung ausgerichtete Burg aus, produziert aber hervorragende Weine. Jüngst wurde Colle Massari vom renommiertesten Weinführer des Landes, dem «Gambero Rosso», zum «Weingut des Jahres 2014» gekürt.

Eine Insel zur Abwechslung

Anfang der sechziger Jahre fuhr der Schweizer Autohändler Walter Haefner (1910–2012) im Osten ­Irlands auf einem heruntergekommenen, mehrere Dutzend Hektaren grossen Hof vor – und erwarb das Gelände. Der ­damals schon über 50-jährige Hobby­reiter baute das Gestüt Moyglare Stud auf. Rasch schuf er sich einen klangvollen Namen als Züchter von Vollblutpferden und erfolgreicher Rennstallbesitzer. Seine Pferde haben zahlreiche klassische Rennen in England, Irland und Frankreich, aber auch in Nordamerika und Hongkong gewonnen. Nach seinem Tod übernahm seine Tochter Eva-Maria Bucher-­Haefner (56) die Leitung des 182 Hektaren Fläche umfassenden und auf rund 100 Pferde ausgelegten Gestüts.

Wer bereits eine stattliche Anzahl Häuser sein Eigen nennt, kann sich zur Abwechslung eine Insel kaufen. So wie Curt Engelhorn (87). Vor einem Vierteljahrhundert richtete er für den von seiner Familie kontrollierten Pharmakonzern Boehringer Mannheim auf den Bermudas ein neues Holdingdach ein und nannte es Corange. Vom Steuerparadies aus sollte die Firma künftig global operieren. Um jeweils nicht in Hotels absteigen zu müssen, kaufte der Patriarch das gerade mal 0,9 Hektaren umfassende Inselchen Five Star mit Haupt- und Gästehaus. 1997 verkaufte die Familie Engelhorn Corange ans Basler Unternehmen Roche. Die Insel wurde seither kaum noch genutzt. Vor Jahresfrist überschrieb der Senior Five Star an seine Tochter, die promovierte Medizinerin Carolin Engelhorn – quasi als Hochzeitsgeschenk.

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