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Vermögen 
Die jungen Reichsten: Noch keine 40 und schon Millionär

Man muss nicht alt und grau, Bankier oder Industrieller sein, um es zu einem Vermögen zu schaffen: «Bilanz» präsentiert die 100 (Erfolg-)Reichsten unter 40 aus Wirtschaft, Kultur, Sport und Show.

Von Stefan Lüscher
17.05.2016, Aktualisiert am 19.05.2016

Vor Jahresfrist berichtete «Bilanz» erstmals über die 100 Reichsten der Schweiz unter 40 Jahren. Das Echo war enorm. Kein Wunder, denn mit dieser ­Parade wurde aufgezeigt, dass man nicht alt und grau, ein Bankier oder Industrieller sein muss, um es bereits zu einem stattlichen ­Vermögen geschafft zu haben.

In diesem Jahr sind 18 Journalisten ausgeschwärmt, um die 100 (Erfolg-)Reichsten unter 40 zu finden. Entstanden ist ein spannendes Kaleidoskop quer durch heimisches Schaffen. Porträtiert werden Jungunternehmer, Tüftler, Visionäre, aber auch Sportler, Sängerinnen oder Schriftsteller.

Auf die Frage, wie man Erfolg misst, gibt es viele Antworten. «Bilanz» als Wirtschaftsmagazin hält sich an ökonomische, monetäre Grössen. Wie bei den 300 Reichsten der Schweiz wurde versucht, das Vermögen der jungen Reichen zu schätzen. Bei Sportlern, Kulturschaffenden oder Managern wird die Schätzung anhand der Einkommen abzüglich der Lebenshaltungskosten und Steuern gemacht.

Fiktive Verkehrswerte

Schon mehr Kopfzerbrechen verursachten die Schätzungen des Werts von Start-ups. Der Finanz­analyst orientiert sich an Umsatz und Ertrag. Nur geben die wenigsten Jungunternehmer solche Kennzahlen bekannt. Wir holten deshalb Rat bei Business Angels, Beratern und Investoren. Vor allem aber orientierten wir uns an Finanzierungsrunden; durch die Beteiligung, die der Investor für sein Kapital erhält, lassen sich Rückschlüsse auf den Firmenwert ziehen.

Dennoch bleiben die Verkehrswerte fiktiv. Wie viel ein Unternehmen tatsächlich wert ist, lässt sich erst feststellen, wenn der Firmengründer verkauft. Ausserdem nützt es einem Jungunternehmer nichts, wenn seine Firma auf drei Millionen Franken geschätzt wird, ein marktfähiges Produkt aber noch fehlt. Dann herrscht Ebbe in der Kasse, und es reicht gerade einmal für Hungerlöhne. Trotzdem geben die geschätzten Firmenwerte zumindest einen Anhaltspunkt.

Fokus nicht nur auf Schweizer

Start-ups werden überwiegend von mehreren Personen gegründet. Dennoch haben wir uns bei den Porträts jeweils auf eine Person konzentriert. Beim geschätzten Wert handelt es sich in der Regel um den gesamten Firmenwert, bei den wenigen Ausnahmen, bei denen der Anteil einer Person aufgeführt wird, machen wir im Text darauf aufmerksam.

Bei der Auswahl der 100 unter 40 wurde der Fokus nicht nur auf Schweizer gelegt. An den technischen Hochschulen EPFL Lausanne und ETH Zürich sind viele Ausländer eingeschrieben, die nach dem Studium im Land bleiben und ihre Ideen in eine neue Firma packen beziehungsweise Spin-offs von Universitäten übernehmen. Ausländische Firmen­gründer wie der Italiener Francesco Dell’Endice, der Inder Tej Tadi oder der Serbe Vladimir Cmiljanovic bringen nicht nur frischen Wind in die Start-up-­Gemeinschaft, sondern sorgen auch für neue Arbeitsplätze.

Einige Start-up-Unternehmer haben sich dagegen gesträubt, in der Liste aufzutauchen. Die meisten davon haben ihren Firmensitz im Kanton Zürich. Sie wollten das Steueramt nicht zusätzlich auf sich aufmerksam machen, gaben ­einige zu. Denn Zürich hat die Jung­unternehmen als Milchkühe entdeckt. Auch wenn die Steuerpraxis i­nzwischen etwas gemildert wurde, ­können Investoren und Firmengründer immer noch heftig zur Kasse gebeten werden. Was einige Gründer dazu bewegt, ins Ausland zu ziehen. Beispielsweise Christoph Gebald und Jan Wurzbacher, die sich mit Climeworks den Wegzug nach Berlin überlegen.

Viel Dynamik

Die Liste der 100 unter 40 weist eine hohe Dynamik auf. Im zweiten Jahr sind nicht weniger als 26 Namen herausgefallen. Die Hälfte davon wurde Opfer der ­Altersguillotine; sie sind 40 Jahre alt geworden. Andere Namen mussten aus verschiedensten Gründen aus der Aufstellung genommen werden. So sind viele Start-ups nicht erfolgreich und müssen noch in den Anfangsjahren aufgeben.

Andere wiederum verschwinden in einem späteren Stadium, obwohl sie ­vermeintlich erfolgreich gewesen sind. Beispielsweise die in den Medien ge­feierte Internet-Übernachtungsplattform HouseTrip; sie vermochte sich nach der Gründung 2009 innert kurzer Zeit zu etablieren und 60 Millionen Dollar an R­isikokapital ­anzulocken. Dennoch war das zu wenig, um gegen den Branchen­ersten Airbnb bestehen zu können. Jüngst wurde HouseTrip von TripAdvisor geschluckt, die Gründer Arnaud Bertrand und seine Frau Junjun Chen haben sich desillu­sioniert zurückgezogen und leben nun in Shanghai.

Rührige Erben

Dafür herrscht an neuen Namen kein Mangel – vor allem dank der Vielzahl an Start-ups. Rund die Hälfte der 100 Por­trätierten sind Jungfirmen. Mit 21 Per­sonen stark vertreten sind auch Sportler. An der Spitze steht, wenig überraschend, Tennis-Maestro Roger Federer. Daneben haben es weitere Tenniscracks in die Liste geschafft, darunter Belinda Bencic, mit 19 Jahren die Jüngste unter den 100 Erfolgreichsten. Nur gerade sechs Namen sind dagegen in der Kategorie Kultur ­aufgeführt.

Unter den 100 Personen sind auch 18 künftige Erben zu finden. Ihnen wurde jeweils der zu erwartende Erbanteil als (fiktives) Vermögen zugerechnet. Erfolgreiches Erben? Ein Paradox. Nur haben wir uns auf Erben beschränkt, die mehr wollen, als mit dem goldenen Löffel im Mund geboren zu sein. Sie haben ihre ­eigene Firma gegründet oder leiten das Unternehmen des Vaters.

Alle Portraits zu den 100 Reichsten unter 40 - wie der Neurowissenschaftler Tej Tadi seine MindMaze auf einen Wert von mehr als einer Milliarde Franken hochgeschraubt hat, auf welche Weise Luc ­Gervais und Jörg Ziegler die Blutanalyse ­revolutionieren oder weshalb Antoine Beyeler mit SenseFly abhebt - lesen Sie in der neuen «Bilanz», ab Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

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