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Tanz 
Die besten Partien: Darf ich bitten?

Brautschau der feinen Gesellschaft: Debütantinnen und Debütanten am Zürcher Opernball.

Geld bleibt gerne unter Geld. Die heiratsfähige Jungschar der 300 Reichsten wird bevorzugt in engstem Kreise einander zugeführt. Der Kuppel-Klassiker bleibt der legendäre Debütantinnenball.

Von Stefan Lüscher und Walter Pellinghausen
26.11.2013

Die alljährliche Prozession der schönsten Jung-Frauen im altehrwürdigen Buckingham-Palast schien Ihrer Majestät, Queen Elizabeth von Grossbritannien, schlicht unschicklich. ­Anders als alle ihre Vorgänger auf dem Thron mochte die frisch gekrönte ­Monarchin jene Zeremonie nicht mit ansehen, bei der die hochwohlgeborensten Töchter der Aristokratie seit dem Jahre 1780 aus dem ganzen Vereinigten Königreich im Jahreszyklus vor dem Regenten defilierten und so von ehrgeizigen ­Eltern als vielversprechende Partien des Commonwealth förmlich zu Markte getragen wurden. Per Federstrich beendete Elizabeth II. im Jahr 1958 den Zauber.

Die glamouröse Welt wurde dadurch aber nicht um solche Spektakel gebracht. Im Gegenteil: Sogenannte Debütantenbälle werden in schöner Regelmässigkeit an immer mehr Orten rund um den Globus zelebriert. So fand am 7. Dezember im Zürcher Kongresshaus der 45. Kaiserball statt; oder am 27. Februar 2014 das wohl berühmteste dieser Events, wenn exakt 144 Paare in der Wiener Staatsoper das «Jungdamen- und Jungherrenkomitee» bilden und den Wiener Opernball eröffnen. Und natürlich lassen sich auch Queen Elizabeths Untertanen blühende Fantasien von Traumfrauen oder Supermännern nicht verbieten. Unter dem Namen von Königin Charlotte, der ersten Namenspatronin solcher Brautschauen überhaupt, tanzten auch in diesem Spätherbst Dutzende von Teenagern im Saal der Royal Courts of Justice in London am Queen Charlotte’s Ball. Nur Profinörgler und Queen-Gemahl Prinz Philip (92) mochte sich säuerlichen Spott nicht verkneifen: «Bloody daft», ätzte der Vater von vier mehr oder minder geratenen Sprösslingen über den Abend. Ein Thronprätendent wie sein Enkel William Duke of Cambrigde (31), der die Tochter eines ganz gemeinen Flugzeug-Stewards freit? Das hätte es zu Philips Sturm-und-Drang-Zeiten wohl nicht gegeben.

Paris und Paris in Gstaad

Der Nabel der Debütantenwelt hat sich indes von der Themse an die Seine nach Paris verschoben. Die Haute Volée führt ihren Nachwuchs vor und ein beim Bal des Débutantes auf dem Tanzboden im Hôtel de Crillon. Ob Xenia und Anastasia Gorbatschowa, Enkelinnen des letzten ­sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, oder Petra und Tamara Ecclestone, Töchter von Formel-1-Autorennzampano Bernie Ecclestone – sie zeigten sich als Debütantinnen möglichen Freiern von Stand im mondänen «Crillon» an der Place de la Concorde. Auch die Fiat-Erbin Margherita Agnelli de Pahlen (58), Mutter von acht Kindern aus zwei Ehen, karrte ihre Töchter Maria (30), die 24-jährigen Zwillinge Anna und Sofia sowie Nesthäkchen Tatiana (22) jeweils vom Wohnsitz in der Waadt zu Modenschauen in Mailand oder auch nach Paris, um den Nachwuchs ins rechte Bild zu rücken.

Wie das rechte Bild erst in den Kasten kommt und dann in die bunte Welt der Schönen und Reichen, weiss kaum jemand besser als der Schweizer Verleger Jürg Marquard (68). Fürsorglich führte der Gründer der Marquard Media Group seine Stieftochter Bianca Gubser (24) bereits als Teenie in die weite Welt des Jetsets ein. Die Frauenzeitschrift «Annabelle», nicht im Einflussbereich des Seniors, sondern von Tamedia produziert, präsentierte Bianca Gubser als «Goldküsten-Model»; die italienische «Cosmopolitan» zeigte die damals 17-Jährige auf einer achtseitigen Modestrecke. Da war sie bereits zwei Jahre mit einem anderen Goldküsten-Bewohner verbandelt: mit Carl Hirschmann (33), Miterbe des Jet-Aviation-Milliardenvermögens.

It-Girl Paris Hilton

Doch die Beziehung zwischen dem Teenie-Model und dem Party-Hirsch ging in die Brüche. Der Ex-Besitzer des Zürcher Nachtclubs «Saint Germain» wandte sich anderen Frauen zu, war dabei wenig zimperlich. Nach diversen Klagen wurde ihm eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten aufgebrummt wegen sexueller Nötigung und sexueller Handlungen mit einem Kind. Bis zum definitiven Entscheid vor Bundesgericht wurde der Jetsetter von der Familie nach London geschickt, damit er fern seinen üblichen Jagdgefilden zur Besinnung kommen würde. Mutter Rita wäre wohl froh, wenn Carl endlich unter die Haube käme und damit seine Eskapaden ein Ende fänden. Doch der Junior macht keine Anstalten; er bleibt damit einer der begehrtesten Junggesellen unter den 300 Reichsten der Schweiz – auch wenn er voriges Jahr Vater geworden ist.

Eine Affäre wurde Carl Hirschmann auch mit dem It-Girl Paris Hilton (32) nachgesagt. Die Erbin der gleichnamigen Hotelkette wiederum war einst verlobt mit einem anderen Paris, nämlich Paris Latsis (30), Spross des milliardenschweren Reeders und Bankiers Spiro Latsis aus Genf. Gefunkt haben soll es zwischen Paris und Paris in einer Silvesternacht in Gstaad, wo die Familie Latsis ein luxuriöses Chalet ihr Eigen nennt. Die Verlobung dagegen wurde mediengerecht und berauschend in Hollywood gefeiert. «Wir sind füreinander bestimmt», gestand die weibliche Paris der Zeitschrift «US Weekly». Der Liebesschwur hielt gerade mal fünf Monate, dann brach Paris mit Paris, sprich: Hilton mit Latsis. Seither ist der Genfer wieder als attraktive Partie unterwegs, sorgt bei seinen zahlreichen Auftritten in Clubs für Getuschel und Aufregung unter weiblichen Gästen.

Fotoshooting mit «GQ»

Bei seinen nicht wenigen Auftritten schlagen nicht nur Mädchenherzen schneller: Wenn Charlie Siems Erscheinen auf den Konzertbühnen dieser Welt angesagt ist, sind die Eintrittskarten rasch ausverkauft. Locker füllt er eine Royal Albert Hall. Der gebürtige Brite gilt als Wunderkind, begann mit drei, je nach Quelle mit fünf Jahren Violine zu spielen und hat, will man Kritikern glauben, mit 27 noch nicht den Höchststand an Virtuosität erreicht. Er sieht blendend aus und verfügt, so bescheinigt ihm ­Modeschöpfer Giorgio Armani, über ein exzellentes Stilgefühl, zudem erbt er eines Tages ein Milliardenvermögen. Sein Vater, der Norweger Kristian Siem (64), ist vor kurzem im Waadtland angelandet. Von seinem Chalet aus steuert er die Firmengruppe Siem Industries mit Schwergewicht in der Öl- und Gaswirtschaft, der Schifffahrt und der Automobilbranche. Auch investiert er in der Schweiz kräftig in Hotels, Restaurants und Bergbahnen. Sohn Charlie lässt sich selten am neuen Wohnort der Familie blicken, dazu lassen ihm seine Tourneen und CD-Einspielungen zu wenig Zeit. Seit den Fotoshootings mit Magazinen wie «GQ»oder «Vogue» gilt der 27-Jährige auch unter der weniger klassikaffinen Weiblichkeit als Schwarm.

Mehr multinationale Multiplikatoren als jedes Schweizer Frauenmagazin garantieren Single-Auftritte in Gazetten wie «Vanity Fair». Fotografiert vom Shooting Star Bruce Weber ­posierten für eine Reportage zum Thema «Fortune’s Children» 38 unverheiratete (designierte) Erben. Unter diesen gut drei Dutzend Glückskindern fanden sich einige Schweizer wie Andrea Sabrier (28), Sohn des schwerreichen Genfer Financiers Bernard Sabrier. Der Jung-Designer trat vor Webers Kamera ­gemeinsam mit seinem Genfer Nachbarn, dem gleichaltrigen Julio Mario Santo Domingo III. Gefälliger gerieten Schnappschüsse von Alexander (Alex) Flick (27), Sohn des Wahlschweizers Friedrich Christian Flick (69), mit Cousine Elisabeth Prinzessin von Thurn und Taxis (31).

Karl der Grosse

Das ultimative Modemagazin «Vogue» zeigte den Freiern der Welt in sieben Sequenzen, wie die Milliardärstochter Eugenie Niarchos (27) lebt, mal «in zünftigen Lederhosen» oder als «pretty wild thing». Man warnt allerdings Habenichtse vorsorglich: «Sie geniesst das Baden in Luxus.» Recht scheu schaute Eugenie Niarchos allerdings aus der Wäsche, als der Nebenerwerbs-Fotograf und Modeschöpfer Karl Lagerfeld (80) gemeinsam mit ihr vor die Kamera trat. Der deutschstämmige Kreative dient sich gerne an als Zier für gute weibliche Partien. So dürfen beispielsweise die 17-jährigen Zwillinge Sarah und Victoria von Faber-Castell Karl den Gros­sen fotogen in die Zange nehmen.

Europas Hochadel lässt auch heute noch lieber unverändert von versierten Zeremonienmeistern Bälle arrangieren, wo sich doch bitte Gleich zu Gleich gesellen möge. Der Wahlschweizer (Bleistift-)Graf Anton Wolfgang von Faber-Castell (72) beispielsweise gehört mütterlicherseits zum helvetischen Uradel. Vater Roland Graf von Faber-Castell hatte – in zweiter Ehe – ­Katharina, geborene Sprecher von Bernegg, zum Traualtar ­geführt. Die Braut entstammte einer Bündner Sippe, die im «Genealogischen Handbuch des Adels» schon Mitte des 14. Jahrhunderts aufschien als «Häupter und Walser des Zehn­gerichtebundes im Freistaat der Drei Bünde».

Der heutige Clanchef Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell freite freilich schon bürgerlich. Ob die drei bildhübschen Jung-Gräfinnen Katharina (25) sowie Victoria und Sarah von Faber-Castell auf Adelsbällen Ausschau halten nach standesgemässen (Ehe-)Männern, ist nirgendwo vorgeschrieben. Halbbruder Charles Graf von Faber-Castell (33) hatte im Vorjahr mit der türkischen Unternehmerstochter Melissa Eliyesil als Ehefrau sichtbar im siebten Himmel des Geldadels auf eine überkommene Etikette verzichtet.

Die reichen Sprossen

Zum Geldadel gehören garantiert die Schweizer Geschwister Philipp (27), Frederik (25) und Roya Sachs (22), Enkel des legendären Brigitte-Bardot-Freiers Gunter Sachs (1932–2011). Ehe der bekennende Berner Oberländer 1969 seine grosse Liebe Mirja in dritter Ehe heiratete, hatte der begnadete Lebemann der Welt gezeigt, wie galant ein wahrer Mann um das Herz einer Frau buhlt. Sachs liess aus einem Helikopter einen Waggon roter Rosen regnen, auf das Anwesen der begehrten Schauspielerin BB am Mittelmeer – und eroberte so temporär der Diva Herz.

Ein Wandel scheint ohnehin vollzogen. Geldadel sticht ­zumeist den Uradel aus auf dem internationalen Heiratsmarkt. Das fällt vermutlich leicht, weil Geld nachweislich manches Schloss verarmter Adeliger weit für Adoptionen öffnet. Auf Anerkennung und Eintrag in die einschlägigen Adelshandbücher muss nur verzichten, wer sich an Sohnes statt beim Fürsten oder Grafen einkauft. Wenn aber der Schweizer Milliardärsspross Maximilian Rudolf von Finck (44) das Fotomodell Ana Paula (33) in den Hafen der Ehe geleitet, wird die Brasilianerin natürlich ins Adelshandbuch eingeführt. Wo sich die Wege des mittleren Sohnes von Grossgrundbesitzer August von Finck (83) und der früheren Gespielin des Rolling Stone Ronald (Ron) Wood (67) erstmals gekreuzt haben, wird diskret verschwiegen.

Von der Hoffnung auf Trab gehalten

Nicht wenige der besten Partien schützen vor, gar keine Zeit für eine feste Beziehung, geschweige denn für die Ehe zu haben. Nina Flohr (26) etwa, eine Jetsetterin im wahrsten Sinne des Wortes, ist den grössten Teil des Jahres auf Achse, düst mit Vater Thomas Flohr (53) um die Welt. Und dies vorwiegend in eigenen Flugzeugen, denn der Senior ist Besitzer der auf schnellste Expansion gestimmten ­Luxusairline VistaJet. Als Kreativdirektorin ist Nina verantwortlich für den optischen Auftritt und das Interieur der Flugzeuge wie auch für die Uniformen der Flugbegleiter. Und so sieht man sie fast nur mit einem Mann an ihrer Seite – ihrem Vater.

In festen Händen ist dagegen Guy Schwarzenbach (31). Für den Gang zum Traualtar mit seiner holden Liebsten hat es bislang aber noch nicht gereicht. Zwar hält der Sohn des «Dolder Grand»-Besitzers Urs Schwarzenbach (65), der mit Devisenhandel zu einem Milliardenvermögen gekommen sein soll, einen ganzen Strauss an Verwaltungsratsmandaten. Doch so richtig auslasten dürften ihn diese Posten kaum, sind darunter doch nur wenige bedeutendere Firmen zu finden. Auf Trab hält ihn vielmehr seine grosse Liebe – das Polo, Spiel der persischen und afghanischen Herrscher. Daneben findet vorderhand nur wenig anderes Platz. So bleibt für den weiblichen Polo-Fanclub in St. Moritz immer noch ein Quentchen Hoffnung.

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