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300 Reichste 
Wo Milliarden sich erheben

Goldbarren: Das Vermögen der Reichsten wächst und wächst.Quelle: Ulrich Baumgarten/Getty Images

Die Börse machts möglich: Die 300 Reichsten der Schweiz sind ein grosses Stück reicher geworden. Ihre Vermögen sind auf 674 Milliarden Franken angewachsen. Wer 2017 dazu gehört.

Stefan Lüscher
Von Stefan Lüscher
23.11.2017

Seit 2010 steigen die Vermögen der 300 Reichsten der Schweiz ungebremst. An diesen Umstand hat man sich mittlerweile gewöhnt. Ungewohnt ist dagegen das Ausmass der diesjährigen Vermehrung: Am Stichtag für die Berechnungen Mitte November lagen die Vermögen der 300 Reichsten gesamthaft auf dem Rekordbetrag von 673'650 Millionen Franken. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Wachstum von nicht weniger als 9,8 Prozent, absolut sind es 60'175 Millionen. Nur 2007 ist heimischer Reichtum noch stärker aufgeblüht, absolut wie auch prozentual. Doch dann kam die Finanzkrise, die auch vor den Tresoren der Superreichen nicht haltmachte.

Alles längst vergessen. Die Reichsten der Schweiz – dazu zählen Personen mit dem roten Pass oder Ausländer, die sich in der Schweiz niedergelassen haben – jedenfalls waren noch nie so reich wie heute. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Vermögen der 300 Reichsten beträgt sage und schreibe 2246 Millionen Franken. Als BILANZ im Jahr 1989 erstmals dem heimischen Reichtum auf der Spur war, belief sich das Durchschnittsvermögen noch auf 660 Millionen Franken. Eine gewaltige Geldvermehrung, die global im Trend liegt.

In den Wirtschaftszweigen läuft es wieder

Unter den 300 Reichsten sind 138 Milliardäre. Das US-Magazin «Forbes» zählte im laufenden Jahr weltweit 2043 Milliardäre. Demnach lebt jeder 15. Milliardär in der Schweiz.

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Das Jahr 2017 war denn auch dazu angetan, noch mehr Reichtum anzuhäufen. Denn die Wirtschaftszweige, in denen die Bestbetuchten gerne ihr Geld verdienen, laufen gut bis sehr gut: Das Uhren- und Schmuckgeschäft zieht nach schwierigen Jahren wieder an; die Lust der Konsumenten an Luxusgütern wie Parfums, Haute Couture oder teuren Weinen ist frisch erwacht; die Immobilienpreise vor allem in Grossstädten steigen weiter; der globale Kunstmarkt – nicht wenige unter den 300 Reichsten haben aufsehenerregende Sammlungen zusammengetragen oder sind selbst im Kunsthandel aktiv – kennt sowieso kaum Durststrecken; und im Bankgeschäft läuft es besser als auch schon.

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Quelle: Bilanz

Milliardenzustupf für die Blochers

Die saftigsten Gewinne allerdings wurden an der Börse geerntet. Unter den zehn Reichsten mit den höchsten Vermögenszuwächsen verdanken acht ihren Milliardensegen den Aktienmärkten. Am augenfälligsten die Familie Blocher, die dank einer Zunahme um gleich 4 auf 11 bis 12 Milliarden erstmals in die Liste der zehn Reichsten in der Schweiz eingezogen ist. Der reichliche Vermögensschub ist primär auf die von den drei Schwestern Magdalena Martullo-Blocher (48), Rahel Blocher (41) und Miriam Baumann-Blocher (42) gehaltene Mehrheitsbeteiligung an Ems zurückzuführen; deren Aktien haben innert Jahresfrist um ein Drittel zugelegt. Dazu kommen die saftigen Kursgewinne der von ihrem Bruder Markus Blocher (46) dominierten Dottikon ES.

An Vermögen im Milliardenbereich zugelegt haben auch Klaus-Michael Kühne (80) dank seiner Beteiligung am Speditions- und Logistikgiganten Kühne + Nagel, Ivan Glasenberg (60) mit seinem Aktienpaket vom Rohstoffkonzern Glencore, Heineken-Grossaktionärin Charlene de Carvalho-Heineken (63) oder die Familien Schindler und Bonnard mit ihrer Mehrheit am Aufzugs- und Fahrtreppenkonzern Schindler.

300 Reichste: Das sind 2017 die grössten Gewinner

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Platz 10 – Thomas Flohr: Thomas Flohr hat mit seiner VistaJet den Markt für Privatfliegerei gehörig durcheinandergewirbelt. Ausschliesslich grossräumige Geschäftsflugzeuge – 72 Langstreckenmaschinen – bevölkern seine Flotte. Dieses Jahr kam frisches Cash in die Firma: 200 Millionen Dollar steckte die New Yorker Beteiligungsfirma Rhône Capital in VistaJet und erwarb damit 7,5 Prozent – wodurch Flohrs Airline, an der er gut 92 Prozent hält, mit 2,6 Milliarden Dollar bewertet ist, deutlich höher als bislang geschätzt. Vermögen: 2 bis 2,5 Milliarden Franken (+ 1,5 Milliarden)
Quelle: Andrew Toth / Getty Images

Unangefochtene Nummer eins

Der enorme Vermögenszuwachs bei den Top Ten ist ebenfalls Resultat der wie geschmiert laufenden Börsen. Die zehn Reichsten der Schweiz (siehe Bildergalerie oben) haben in einem Jahr 18 Milliarden Franken hinzugewonnen, zusammen besitzen sie 201 Milliarden.

Rund ein Fünftel dieser gewaltigen Summe beansprucht die Familie Kamprad für sich, die seit Jahren an der Spitze der 300 Reichsten steht. Patron Ingvar Kamprad (91), jahrzehntelang wohnhaft im Waadtland, geniesst inzwischen seinen Lebensabend in Schweden. Doch seine drei Söhne sind waschechte Schweizer. Das brüderliche Trio vermöbelt weiterhin die Welt mit Ikea. Ihr Vermögenszuwachs ist denn auch nicht eine Folge steigender Aktienkurse, sondern auf die Ertragskraft ihres Familienunternehmens zurückzuführen.

Fast 30 Milliarden dank Bier und Fast Food

Auf Rang zwei steht mit geschätzten 28 bis 29 Milliarden Franken Jorge Lemann (78). Der Brasilien-Schweizer mit Wohnsitz am oberen Zürichsee schaffte es in nur einer Generation mit Bier und Fast Food zu einem der 30 weltgrössten Vermögen. Auf Platz drei zu finden sind die Familien Hoffmann und Oeri, die Nachkommen der Gründerfamilie von Roche. Ihr Aktienpaket, mit dem sie den Basler Pharmakonzern bezüglich Stimmen kontrollieren, hat ihr Vermögen um eine Milliarde auf 24 bis 25 Milliarden erhöht.

Neu unter den Top Ten wie auch überhaupt unter den 300 Reichsten figuriert die Familie Safra. Patriarch Joseph Safra (79), der wohl reichste Bankier der Welt, lebt in Crans-Montana VS sowie in Brasilien. Zu Safras Imperium gehört auch die Basler Bank J. Safra Sarasin. Ebenfalls in der Schweiz wohnt sein ältester Sohn Jacob.

Um 6 Milliarden Franken ärmer

Vermögen eingebüsst haben in diesem Jahr gerade einmal 17 Vertreter aus der Liste (siehe Bildergalerie unten). Auf den ersten Blick sieht der Verlust von 6 Milliarden Franken bei Hansjörg Wyss heftig aus. Doch die Einbussen des 82-Jährigen, mit der Orthopädiefirma Synthes reich geworden, sind gewollt. Wyss hat über die letzten Jahre reichlich gespendet. Und über seine Zusage an die von Bill Gates (62) und Warren Buffett (87) gegründete Initiative «The Giving Pledge» setzt er die Hälfte seines Vermögens für das Gemeinwohl ein.

Einer der wenigen Verlierer an der Börse ist Patrick Drahi (54): Die Aktien der von ihm beherrschten Telekommunikationsgruppe Altice gewannen zwar zwischen Dezember 2016 und Sommer 2017 gegen 50 Prozent an Wert, was ihm einen Vermögenszuwachs von über drei Milliarden eintrug. Doch danach verloren die Titel kontinuierlich, und im November stürzten sie ab. Im Jahresvergleich resultiert ein Verlust von über einer Milliarde Franken.

Eine Einbusse in derselben Grössenordnung registrierten Helga (77) und Erich Kellerhals (78) auf ihrer Beteiligung an der Elektrohandelskette MediaMarktSaturn.
 

300 Reichste: Das sind 2017 die grössten Verlierer

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Platz 10 – Katharina Liebherr: Schon Grossvater Hans Liebherr (1915–1993) musste bei seinem Umzug nach Bulle FR knapp 200 Millionen D-Mark als sogenannte Wegzugsteuer hinterlassen. Auch der 2010 verstorbene Sohn Markus Liebherr erging es da nicht anders - weshalb deutsche Finanzbeamte dessen Tochter Katharina Liebherr bedrängten. Die Schwyzerin verkaufte im Sommer 80 Prozent des Fussballclubs FC Southampton für geschätzte 210 Millionen Pfund und beglich die Schuld. Vermögen: 350 bis 400 Millionen Franken (- 100 Millionen)
Quelle: Mark Leech / Getty Images

Blaues Blut aus Frankreich

Wie jedes Jahr präsentiert BILANZ neue Namen. Diesmal sind es neun neue Reichste, die mindestens ein Vermögen von 100 Millionen Franken besitzen. Denn so viel ist nötig, um in der 300er-Liste aufgeführt zu werden. Die Neuen bringen es zusammen auf 23,3 Milliarden. Mehr als vier Fünftel davon steuert die Familie Safra bei.

Ein weiterer Milliardär ist Andrea Bonomi (52). Der Mailänder, der als Spross einer reichen Familie die Private-Equity-Firma Investindustrial gründete und damit auf ein Vermögen von 1 bis 1,5 Milliarden kommt, lebt im Tessin sowie in London.

Für aristokratischen Glanz unter den 300 Reichsten sorgt Prinz Robert de Luxembourg; der 49-jährige Blaublüter mit Wohnsitz an der Waadtländer Riviera nennt hochklassige Bordeaux-Weingüter sein Eigen, etwa das renommierte Château Haut-Brion.

Zurück in die Heimat

Im Gegenzug mussten neun Namen aus der Liste gestrichen werden. Einige sind aus der Schweiz weggezogen. So Michael Schmidt (74), der in seine Heimat Deutschland zurückgekehrt ist. Schon zuvor hatte er sich zudem selbst ärmer gemacht: Seine Aktien am Handelskraken Metro schenkte der promovierte Jurist der gemeinnützigen Stiftung Meridian in Essen.

Seine Koffer gepackt hat auch der Milliardär Alan Howard (54). Während sieben Jahren leitete er seinen Hedge Fund Brevan Howard Master Fund von Genf aus, nun macht er dies wieder in London. Ebenfalls seine Zelte in der Schweiz abgebrochen hat Vasily Anisimov (66). Der gebürtige Kasache ist nach Moskau gezogen. Er wurde zuletzt auf ein Vermögen von 2,5 bis 3 Milliarden Franken geschätzt.

Apropos Vermögensschätzung: Das Journalisten-Team von BILANZ hat sich über bald einmal drei Jahrzehnte der Reichsten-Berichterstattung ein hochklassiges Know-how bei der Einschätzung von Vermögen angeeignet. Dennoch versucht jedes Jahr manch einer der unter die Lupe genommenen Reichsten, auf die Berechnungen Einfluss zu nehmen. Meistens wird eine deutlich tiefere Bewertung gefordert, denn auch Steuervögte lesen die goldene Ausgabe gerne.

Reichste unter der Lupe

Andere wiederum wollen partout höher eingestuft werden. «Die unterschätzen mich chronisch», beklagte sich Walter Fust (76) im Oktober in der «SonntagsZeitung» über BILANZ. Nur halten wir uns an einen Grundsatz, der eiserne Gültigkeit hat: im Zweifelsfall lieber zu tief als zu hoch. Und wenn jemand behauptet, er werde zu tief bewertet, wird er erst recht penibel durchleuchtet.

Doch sehen Sie selbst. 32 Journalisten und Autoren, zudem Layouter, Produzenten, Korrektoren, Fotografen und Bildredaktoren haben in zusammengezählt eineinhalb Mannjahren an der 29. Ausgabe der goldenen BILANZ gearbeitet. Online finden Sie dazu einen ersten Überblick - etwa über die reichsten Manager, die Reichsten der Kantone und Regionen oder die vermögendsten Deutschen in der Schweiz. Damit wollen wir Ihnen Lesevergnügen bereiten. Mindestens so wichtig ist unser Anliegen, etwas mehr Transparenz in die Schweizer Wirtschaft zu bringen.

Das sind 2017 die Reichsten der Kantone

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Kanton Appenzell Ausserrhoden - Dölf Früh: Aus gesundheitlichen Gründen trat Dölf Früh im Frühling als Präsident des FC St. Gallen zurück. Bis Ende Jahr will Früh mit dem Verkauf seiner Aktien auch finanziell den Schlussstrich gezogen haben. Reich geworden ist der 65-Jährige mit Immobilien und dem Verkauf der Media Swiss Group. Vermögen: 250 bis 300 Millionen Franken
Quelle: Keystone