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300 Reichste 
Diese Exildeutschen horten ihre Milliarden in der Schweiz

Unter den 300 Reichsten der Schweiz tummeln sich zahlreiche Zuzügler: Jeder sechste hat deutsche Wurzeln. Diese Exil-Deutschen machen die Schweiz reich.

Corinna Clara Röttker
Von Corinna Clara Röttker
22.11.2017

Mit seinen 80 Jahren könnte sich HSV-Edelmäzen Klaus-Michael Kühne eigentlich zurücklehnen, die Füsse hoch legen und den Alpen-Blick von seinem Anwesen im Schweizerischen Schindellegi hoch über dem Zürichsee geniessen. Arbeiten müsste der Milliardär längst nicht mehr, der in diesem Jahr noch ein Stückchen reicher geworden ist. 11 bis 12 Milliarden Franken ist er mittlerweile schwer – und damit der reichste Deutsche in der Schweiz.

Genügend Kapital wäre also da, um dem HSV auch weiterhin unter die Arme zu greifen. Doch Kühne mag nicht mehr: Nachdem der gebürtige Hamburger rund 60 Millionen Euro investiert hat, will er sich nun zunächst zurückhalten, wie er kürzlich durchblicken liess.

Der Elftreichste der Schweiz

Stattdessen widmet sich der Unternehmer seiner Stiftung, geht seinen vielfältigen Sponsoring-Aktivitäten nach und engagiert sich etwa im Hotelbusiness.

Zu verdanken hat er den finanziellen Spielraum seiner 53,3-Prozent-Beteiligung am Logistik und Speditionsriesen Kühne + Nagel, dessen Führung er längst in andere Hände gelegt hat. Dank dem massiven Anstieg des Aktienkurses ist der Wert seines Anteils von 8 auf über 11 Milliarden Franken gestiegen. Von den 300 Reichsten, die in der Alpenrepublik leben, ist Kühne inzwischen der Elftreichste.

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HSV-Edelmäzen Klaus-Michael Kühne.
Quelle: Keystone

Überhaupt: Auf der jährlich erscheinenden Rangliste der 300 reichsten Schweizer tummeln sich viele deutsche Zuzügler, denen das helvetische (Steuer-)Klima behagt. Jeder sechste hat deutsche Wurzeln: Die insgesamt 50 Exildeutschen kommen zusammen auf ein Vermögen von 98,9 Milliarden Franken, die Hälfte von ihnen sind Milliardäre. Allein die drei Vermögendsten unter ihnen besitzen zusammen 31,5 Milliarden Franken.

Familie Jacobs um 2 Milliarden reicher

Neben Speditionsmilliardär Kühne zählt dazu die Familie Jacobs – die Nachkommen des einstigen deutschen Kaffeekönigs Klaus J. Jacobs. Ihr Vermögen: 10 bis 11 Milliarden Franken – 2 Milliarden mehr als noch vor einem Jahr. Doch um Kaffee dreht es sich im Hause Jacobs schon längst nicht mehr. Krone statt Krönung lautet mittlerweile die Devise. Denn: Die Unternehmer bauen im Rekordtempo ein ganz Europa umspannendes Zahnarzt-Reich auf. Ihre Kliniken befinden sich in der Schweiz, England, Schweden, Norwegen, Dänemark. Allein seit Jahresbeginn tätigte die Jacobs Holding unter den Co-Präsidenten Philippe und Nicolas Jacobs drei Transaktionen.

Dass das Familienvermögen 2017 stark stieg, lag aber nicht am Dentalprojekt, sondern an den Aktien von Barry Callebaut; Die Jacobs kontrollieren den Schokoladenkonzern zu 64 Prozent.

Andreas Jacobs mit Frau Natalie.
Quelle: Brauer Photos

Familie Liebherr ist am drittreichsten

Kaum minder betucht ist mit 9 bis 10 Milliarden Franken die Familie Liebherr – dieses Jahr auf Platz drei der Superreichen mit deutschen Wurzeln. Von Bulle aus, im französischsprachigen Teil der Schweiz, steuern die Geschwister Isolde (68) und Willi (70) mit ihren teilhabenden Nachkommen diskret den weltweit führenden Baumaschinenhersteller und seine 130 Töchter.

Doch auch an einem Milliardenkonzern wie Liebherr geht die industrielle Revolution nicht spurlos vorbei: Der Konzernumsatz schrumpfte 2016 gar minimal auf 9 Milliarden Euro. Wichtiger aber: Wie üblich hob der Clan die Gewinnrücklagen an, erstmals auf über 7 Milliarden Euro.

Neueinsteiger Klaus Hommels

Neu auf der Liste ist Klaus Hommels (50) – der wohl erfolgreichste Investor Europas, der Schweiz sowieso. Der gebürtige Mönchengladbacher und Wahlzürcher hatte bei der Digitalisierung früh den richtigen Riecher, steckte sein Geld in Skype, Xing, Facebook, Airbnb oder Spotify, als andere damit noch nichts anzufangen wussten. Heute summiert sich sein Vermögen auf  immerhin 350 bis 400 Millionen Franken.

Dabei hatte alles im Kleinen begonnen:  Im Schüleralter bekam er von seiner Grossmutter 20'000 D-Mark als Spielgeld. Hommels investierte es in Aktien des Sportwarenherstellers Puma. Mit Erfolg: Die Papiere verfünffachten sich kurze Zeit nach dem Börsengang – der Investor Hommels war geboren.

Neu in der Liste: Investor Klaus Hommels.
Quelle: Lukas Lienhard

Die meisten Deutschen sind fraglos wegen der generell tieferen Steuersätze in die Schweiz gezogen. Vor allem die Erbschaftssteuer hat manchen Grossunternehmer zum Auswandern bewogen – so auch Theo Müller (77) im Jahr 2003. Das Vermögen von Europas erfolgreichsten Milchmann summiert sich heute auf 5 bis 6 Milliarden Franken – unter den reichsten Deutschen mit Wahlwohnsitz Schweiz macht das Platz 4.

Mehr als 27'000 Beschäftigte will der neunfache Vater mit Steuerzentrale am Zürichsee inzwischen zählen. Seine Produkte, etwa Molkeberühmtheiten wie Müller-Milch oder der Joghurt mit der Ecke, sind in zahlreichen Ländern Europas bekannt.

Theo Müller und seine Frau Ines.
Quelle: Brauer Photos

Auf Milchbaron Müller folgt auf der deutschen Reichenliste die Familie August von Finck – einer der bedeutendsten Industrieinvestoren der Schweiz. Zusammen mit seinen Söhnen August François, Maximilian Rudolf und Luitpold Ferdinand ist der Baron zu grossen Teilen an Schweizer Firmen wie der Mövenpick-Gruppe, dem Prüfkonzern SGS oder der Industrieikone Von Roll beteiligt. Das Vermögen der Familie beträgt 4,5 bis 5 Milliarden Franken.

Genauso viel besitzen auch die Erben des deutschen Friseurs und Wella-Gründers Franz Ströher. Durch den Verkauf von Wella kam der weit verzweigte Familien-Clan zu enormen Reichtum, heute sammeln sie Kunst und beteiligen sich an verschiedensten Unternehmen.

Schweizer Hotelperlen im Besitz der Kipps

Jüngst verstorben ist Massa-Macher und Grossgrundbesitzer Karl-Heinz Kipp. Seine Erben mit Wahlheimat Arosa sitzen nun auf einem Vermögen in Höhe von 4 bis 4,5 Milliarden Franken. Zu dem Imperium zählen einige der glitzerndsten Schweizer Hotelperlen wie das «Tschuggen Grand Hotel» in Arosa, das «Eden Roc» in Ascona oder das «Carlton» in St. Moritz. Und auch so manche Handelsimmobilie aus dem früheren Massa-Imperium steht noch unverändert im Besitz der Kipps und spült jahrein, jahraus Pachteinnahmen in die Kasse.

Karl-Heinz Kipp mit Gattin Hannelore.
Quelle: Keystone

Auf Platz 8 der Reichen mit deutschen Wurzeln thront Capri-Sonne-Erfinder Hans-Peter Wild (76). Sein Fruchtsaftgetränk wird jährlich mehr als sechsmilliardenfach in über 110 Ländern rund um den Globus mit Plastikröhrchen geschlürft; 3,5 bis 4 Milliarden Franken ist der am Zugersee ansässige Milliardär inzwischen schwer.

Dicht dahinter folgen die Wahlwaadtländerin Traudl Engelhorn (90), Witwe des deutschen Boehringer-Mannheim-Pharmamilliardärs Peter Engelhorn, sowie Otto Happel (69), seines Zeichen einst Mehrheitseigentümer der Gesellschaft für Entstaubungsanlagen GEA. Ihr Vermögen: jeweils 3 bis 3,5 Milliarden Franken.

Das sind 2017 die zehn Reichsten der Schweiz

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Platz 10 – Familie Blocher: Die Familie Blocher ist erstmals unter den Top Ten zu finden. Die um gleich vier Milliarden Franken höhere Einschätzung ist teilweise darauf zurückzuführen, dass Clanchef Christoph Blocher (77) gegenüber BILANZ erstmals Einzelheiten der Erbübertragung offenlegte. Doch primär ist der frische Reichtum auf den Kunststoff- und Chemiekonzern Ems zurückzuführen: Die Aktien gewannen innert 52 Wochen ein Drittel an Wert. Blochers älteste Tochter Magdalena Martullo-Blocher (48) versteht es, die Bündner Firma auf ertragsstarkem Expansionskurs zu halten. Vermögen: 11 bis 12 Milliarden Franken
Quelle: Keystone