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Vor dem Stellenwechsel zum Coach

Jobwechsel: Viele Angestellte suchen professionellen Rat von Experten.Keystone

Laufbahnberatung, Coaching und Training: Nicht nur Topmanager lassen sich von Profis auf ihrem Karriereweg beraten. Auch gewöhnliche Angestellte suchen Rat von Experten, wenn es um den Jobwechsel geht

Veröffentlicht 13.03.2015

Studieren und Karriere machen - Für eine heute 31-jährige Produktemanagerin aus Nussbaumen AG, die ihren Namen lieber nicht in der Presse sehen will, gab es an diesem Lebenskonzept früher kaum Zweifel. Nach ihrem Studienabschluss in Betriebswirtschaft arbeitete sie zuerst in London als Produktemanagerin.

Als sie in die Schweiz zurückkehrte, hatte sie alles, um eine erfolgversprechende Laufbahn einzuschlagen: eine solide Ausbildung, Berufserfahrung, Auslandaufenthalt. Sie war noch keine 30 und die Wirtschaft zeigte sich äusserst interessiert an zielstrebigen Frauen. Sie entschied sich darum wieder für eine Stelle im Marketing. Und brach nach 10 Monaten im Büro zusammen, ohnmächtig vor Unglück.

«Es stimmte einfach nicht, ich habe mir von Anfang an etwas vorgemacht. Es war, als hätte ich die ganze Zeit ein Kleid getragen, das nicht passt», sagt sie heute. Zu wenig ernsthaft habe sie sich gefragt, was sie überhaupt wolle im Leben, wohin die Reise gehen soll, im Grossen und Ganzen.

Zurück auf Startfeld 1

Also zurück auf Startfeld 1. Sie kündigte und jobbte zunächst in einem Restaurant als Gästebetreuerin. Sie richtete den Fokus nun auf ihre zentralen Anliegen, die vorerst nichts waren als Fragen: Wer bin ich, was sind meine Werte, was kann ich, was will ich?

Nach Antworten suchte sie mit professioneller Hilfe. Im Personalfachfachjargon nennen sich solche Beratungen auch Newplacement oder Outplacement, wobei sich die Angebote aber meist an ganze Firmen richten, die für ihre Mitarbeitenden im Krisenfall neue Möglichkeiten suchen.

Meist kommen die Aufträge also von Firmen. Vermehrt nutzen aber auch Privatpersonen die Dienstleistungen der Spezialisten. Bei den Beratern werden sie Selbstzahler genannt.

Zehn Unternehmen sind Mitglied im Schweizerischen Verband für auf Outplacement spezialisierte Unternehmen ACF. «Etwa die Hälfte der Branche europaweit stellt bei den Selbstzahlern eine Zunahme fest», sagt Mark Richter, Vorstandsmitglied des ACF. Auch beim Beratungsunternehmen OTP, das er führt, sei dies der Fall.

«10 Prozent der Kunden sind inzwischen Private. Ihr Umsatzanteil hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt», sagt auch Walter Burkhalter, Teilhaber und Geschäftsstellenleiter Bern der Grass & Partner AG. Grass & Partner ist einer der Spezialisten für Outplacements in der ganzen Schweiz.

Haargenaue Selektion

Die Motive der Selbstzahler sind vielfältig, und doch immer ähnlich: Menschen sind entweder in Aufbruchstimmung zu noch unbekannten Ufern. Oder sie kennen ihre Ziele, kommen aber trotzdem nicht voran.

«In Bewerbungsprozesses wird haargenau selektioniert. Es hilft, wenn man seine Werte und seine Motivation kennt und formulieren kann», sagt Burkhalter. Bei den Coachs wird darum oftmals der «Ernstfall» geübt.

«Am wichtigsten für Stellensuchende ist das Selbstmarketing», erklärt auch Richter. «Es ist wichtig, welche Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen man auf dem Arbeitsmarkt anbietet. Grundlage dafür ist die Standortbestimmung. Diese Phase zu überspringen bringt nichts. Das diskutieren wir mit den Selbstzahlern oft˙, sagt er.

Drei Phasen

Die Berater bei Grass & Partner führen die Personen durch drei Phasen: Am Anfang steht auch hier die persönliche Standortbestimmung, dann erfolgt das Fokussieren auf konkrete Möglichkeiten. Bei der Realisation wird je nach Programm auch die Betreuung während der ersten 100 Tage am neuen Arbeitsplatz angeboten.

Eine reine Standortbestimmung, also die Phase eins, beinhaltet gemäss Grass & Partner etwa sechs bis acht Treffen. Die Erfolgsquote, während einer Begleitung eine neue Tätigkeit zu finden, liege bei 90 Prozent, sagt Burkhalter.

«Die Personen sind sehr motiviert», begründet er. Sie kommen aus eigenem Antrieb und bezahlen die Dienstleistungen selbst. Entsprechend engagiert sind sie bei der Sache.

Auch die Produktmanagerin aus dem Kanton Aargau legte sich für sich selbst ins Zeug. Sie hat ganz nebenbei ihr Interesse an Kunst und Psychologie entdeckt. Zurzeit widmet sie diesen neuen Hobbys viel Zeit und arbeitet für einen Kleinstbetrieb als Webdesignerin. «Ich bin noch nicht angekommen, aber zufrieden auf der Suche», sagt sie.

(sda/ccr)

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