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So schaffen es Frauen in Führungspositionen

Schweizer Chefetagen werden von Männern dominiert. Eine Expertin erklärt, wie Frauen ihre Karriere befeuern können und sich besser in der Lohnverhandlung schlagen.

Von Caroline Freigang
08.03.2016

In den Schweizer Chefetagen sitzen weit weniger Frauen als bei der ausländischen Konkurrenz. Dabei würde sich ein höherer Frauenanteil lohnen: Eine Studie von EY anlässlich des Weltfrauentags zeigt, dass Unternehmen mit ausgewogenen Geschlechterverhältnissen bessere Leistungen erzielen.

Unternehmen mit mehr als 30 Prozent Frauen in der Geschäftsleitung würden einen um bis zu 6 Prozentpunkte höheren Reingewinn erzielen können, heisst es in der Studie. Eine Expertin erklärt, warum die Schweiz sich mit der Gleichberechtigung schwer tut und gibt fünf Tipps, wie Frauen sich besser in der Lohnverhandlung schlagen (siehe Bildstrecke).

Warum sind die Schweizer Chefetagen trotzdem noch von Männern dominiert?
Claudia Sidler-Brand*: Die Schweiz hinkt bei gesellschaftlichenVeränderungsprozessen im Vergleich zur EU immer ein paar Jahre hinterher, denken Sie an die Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz. Viele Unternehmen haben für Führungsfunktionen Kompetenzen definiert, die es braucht um erfolgreich zu sein. Obwohl schon lange bekannt ist, dass Führungsgremien, die aus Männern und Frauen bestehen, tendenziell erfolgreicher sind, ist diese Erkenntnis in den Anforderungsprofilen für Führungskräfte oft nicht abgebildet.

Womit können Frauen punkten?
Tendenziell verfügen Frauen in Führungsfunktionen beispielsweise über mehr Empathie und Toleranz. Diese Kompetenzen müssten sich auch den genannten Anforderungsprofilen und somit auch bei der Selektion für Führungskräfte wiederspiegeln und würde zu mehr Frauen in Führungsfunktionen führen. Viele Unternehmen in der Schweiz setzten diese Erkenntnis bisher nicht systematisch in den internen Prozessen um.

Gibt es noch weitere Faktoren?
Für Frauen und Männer ist es nach wie vor schwierig, die berufliche Karriere und Familie unter einen Hut zu kriegen. Eine Lösung wäre, Frauen – und  Männern - die Möglichkeit zu bieten, ihre Karriere erst später zu starten. Vor allem wenn die Kinder aus der Kleinkindphase heraus sind, macht es Sinn, die Eltern nochmal zu unterstützen, eine Führungsposition in Angriff zu nehmen. Dazu gehört auch, dass sich Teilzeit-Modelle bis in die höchsten Hierarchien durchsetzen müssen. Bis dato wird Teilzeitarbeit nach wie vor mit einem Karriereknick gleichgesetzt. Es gibt aber auch positive Beispiele. Es gibt Beratungsunternehmen, die inzwischen Teilzeitpartnerinnen haben. Das war noch vor 10 Jahren undenkbar.

Wie können Frauen aufholen?
Sich auf eine Führungsposition vorzubereiten ist wie auf einen Marathon zu trainieren: Man muss sich überlegen, welche Führungskompetenzen im Unternehmen verlangt werden und welche  Kompetenzen man selber mitbringt und dann an den Schwachstellen arbeiten, sich weiterbilden. Dann muss man Visibilität für seinen Erfolg schaffen. Frauen machen das zu wenig: Man darf nicht darauf warten, bis der Chef entdeckt, wie talentiert man ist und einen befördert. Man muss es in die Hand nehmen, sich positionieren und kommunizieren, dass man eine Führungsrolle übernehmen möchte und was man dazu mitbringt.

Was könnte man auf Gesetzesebene tun?
Es gibt genügend Gesetze und Regulatorien – diese müssen nur umgesetzt werden.

Die Beratungsagentur Accenture spricht in einem Bericht von «Digital Fluency» als wichtiges Kriterium, um die Karriere von Frauen zu befeuern: Wie wichtig sind diese digitalen Fähigkeiten?
Diese Kompetenzen sind für Frauen und Männer gleichermassen wichtig, da sehe ich keinen Unterschied. Digitale Fähigkeiten können Frauen Flexibilität bieten von zuhause zu arbeiten – aber dasselbe gilt im Prinzip auch für Männer.

*Dr. Claudia Sidler-Brand ist Bereichsleiterin Dienstleistungsprojekte und Dozentin am Zentrum für Human Capital Management an der ZHAW School of Management and Law

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