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Sheryl Sandberg: Wie man das Beste aus Option B macht

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Sheryl Sandberg: Hat über ihre Trauer ein Buch geschrieben. Keystone

Mit «Option B» verarbeitet Facebook-COO Sheryl Sandberg den Tod ihres Mannes und zeigt, wie man Schicksalsschläge überwinden kann. Wie mit ihrem ersten Buch will sie damit eine ganze Bewegung starten.

Von Karen Merkel
2017-05-24

«Ich schlafe ein». Alltagsworte, ein banaler Satz. Mit ihm eröffnet Sheryl Sandberg ihr neues Buch, «Option B». Es sind die letzten Worte, die Sandberg zu ihrem Ehemann Dave Goldberg je sagte. Am 1. Mai 2015 brach er im Fitnessraum zusammen und starb, im Alter von 47 Jahren.

Mit «Option B» verarbeitet Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, den Tod ihres Mannes. Option A wäre für Sandberg gewesen, gemeinsam mit Dave alt zu werden. Sie schildert auf gut 180 Seiten ihren Schmerz, ihre Verzweiflung, die Angst um ihre zwei Kinder – und wie sie schrittweise ihren Weg aus der Trauer zurück ins Leben findet.

Facebook-Post nach dem Tod ihres Mannes

Es ist diese Offenheit, der Mut zur persönlichen Geschichte, mit der Sandberg ihre Leser berührt und inspiriert. Und mit der sie zugleich die Mission ihres Arbeitgebers Facebook lebt: das Private teilen. Die Grundlage für das Buch, das Sandberg gemeinsam mit dem Psychologen Adam Grant schrieb, war ein Facebook-Post 30 Tage nach dem Tod ihres Mannes, mit dem sie ihre Trauer öffentlich machte. Er wurde 402'000 Mal geteilt und erhielt mehr als 74'000 Kommentare.

Es ist das zweite Mal, dass Sandbergs persönliche Biografie zur Grundlage einer Bewegung avanciert. Ihr erstes Werk, «Lean in», etablierte die mächtige Managerin als Ikone der Frauenbewegung. Sandberg sprach darin über ihre eigenen Unsicherheiten, untermauerte ihre Thesen mit Zahlen zur Ungleichheit und ermutigte Frauen zu mehr Selbstbewusstsein.

«Setzt euch an den Tisch. Dann ist alles möglich»

Ihre Botschaft lautete einfach: «Liebe Frauen, seid ehrgeizig. Bleibt höflich, aber hängt euch rein. Setzt euch an den Tisch. Dann ist alles möglich.» Rund 32'000 Lean-In-Zirkel wurden in Folge des Buchs gegründet, auch mehrere in der Schweiz. Gemeinsam versuchen die Frauen, dem Vorbild Sheryls nachzueifern.

In «Option B» setzt sie auf die bewährte Mischung aus persönlichen Erfahrungsberichten und wissenschaftlichem Fundament. Ihr gelingt es, authentisch und sogar humorvoll über eine der schwersten Erfahrungen zu schreiben, die ein Mensch wohl machen kann: den plötzlichen und vorzeitigen Tod des Partners und Vaters ihrer beiden Kinder. Und darüber, wie sie innerlich wieder Lebensmut gefunden, Resilienz entwickelt hat.

Auch Firmen brauchen Resilienz

Sie wäre nicht Sheryl Sandberg, wenn sie mit dem Buch nicht gleichzeitig auch ein Internetportal gestartet hätte, auf der ihre Leser berichten können, wie sie eigene schmerzhafte Erfahrungen überwunden haben und – Sie ahnen es – Resilienz-Gruppen gründen können.

Sandberg bezieht den Begriff der Resilienz, der inneren Widerstandskraft, auch auf Teams und ganze Unternehmen – und thematisiert damit einen Trend, der seit einigen Jahren aus der Psychotherapie in Coaching und Management schwappt. Sandberg schreibt: «Wie jeder Mensch Resilienz braucht, brauchen es Organisationen ebenfalls.»

Es gibt einen Unterschied im Tonfall von «Option B» zu «Lean In». Auch wenn Sandberg im ersten Werk Unsicherheiten eingesteht, ist es doch durchdrungen von dem Glauben an die individuelle Gestaltungsmacht, dass mit Geschick und Mut alle Hürden zu überwinden sind. Dafür ist Sandberg häufiger kritisiert worden.


Kraft und Mut schöpfen

In einem Punkt räumte sie bald nach dem Tod ihres Mannes ihre Fehleinschätzung ein, die sie im Buch unterstreicht: «Als ich ‚Lean In’ schrieb, merkten einige Menschen an, dass ich den Schwierigkeiten von Müttern ohne keinen Partner nicht genug Aufmerksamkeit widmete. Sie hatten Recht.»

In «Option B» gesteht Sandberg ein, dass Schicksalsschläge überwältigend und Hürden beklemmend hoch sein können – und schildert, welche Möglichkeiten sie gefunden hat, um selbst in den schwierigsten Phasen wieder Kraft und Mut zu schöpfen. Sie steht weiterhin für die persönliche Wahl. Im ersten Facebook-Post schreibt sie von der überwältigenden Trauer, aber: «Wo immer ich kann, möchte ich mich für das Leben und seine Bedeutung entscheiden.»

In Bezug auf den Arbeitsplatz benennt sie noch deutlicher als zuvor die Verantwortung von Vorgesetzten und Unternehmenseignern, Mitarbeiter bei persönlichen Verlusten und in Krisen zu unterstützen. «Ich glaube seit langem, dass es für Mitarbeiter wichtig ist,  dass sie sich auf der Arbeit verstanden und unterstützt fühlen. Ich weiss jetzt, dass dies nach einem Schicksalsschlag sogar noch wichtiger ist. Traurigerweise ist geschieht das viel seltener, als es sein sollte.»

Facebook gewährt 20 Tage Trauerurlaub

Facebook hat die bezahlte Abwesenheit für Mitarbeiter im Falle eines Trauerfalls auf 20 Tage aufgestockt. Sandberg fordert andere Firmen auf, damit gleichzuziehen. In der Schweiz etwa gewährt der Gesetzgeber im Todesfall einen bis drei Tage Sonderurlaub für nahe Familienangehörige.

Sandberg fordert auch, Mitarbeiter im Krankheitsfall zu unterstützen.  Sie nennt das Beispiel einer Managerin, die im Moment der Beförderung Krebs diagnostiziert bekam – und nach Beratung die leitende Funktion dennoch antrat. Einsatz aus dem Team machte es möglich, dass die Mitarbeiterin Chemo-Therapie und neuen Job unter den Hut bekam.

Ein Plädoyer für Offenheit

«Option B» ist Trauerarbeit und zugleich ist ein Plädoyer dafür, die Eventualitäten des Lebens nicht zu verschweigen und aus dem Arbeitsleben isolieren zu wollen. Sondern einen offenen Umgang damit zu finden, der Mitarbeitern hilft und damit auch das Unternehmen insgesamt stützt.

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