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Führungswechsel 
In Schweizer Chefetagen herrscht Kontinuität

Chefetagen: Die Schweiz verzeichnet laut einer Studie die wenigsten Führungswechsel.Keystone

Schweizer Konzernchefs haben eine breite Ausbildung, kommen häufig aus dem Ausland und werden relativ selten ersetzt - so das Fazit einer aktuellen Studie.

Veröffentlicht 14.04.2015

Jeder zehnte Chef von börsenkotierten Schweizer Grossunternehmen ist im vergangenen Jahr ersetzt worden - das ist wenig im internationalen Vergleich. Gemeinsam mit Deutschland und Österreich verzeichnete die Schweiz laut einer Studie die wenigsten Führungswechsel.

Im weltweiten Durchschnitt mussten 14,3 Prozent aller Chefs der grössten börsenkotierten Unternehmen ihren Chefsessel für einen Nachfolger räumen. Dies ergab die Studie «2014 Study of CEO, Governance, and Success» der Unternehmensberatung «PwC Strategy&».

Mehr Kontinuität gegenüber 2013

Auch im Vergleich zum Vorjahr herrschte in den Schweizer Chefetagen mehr Kontinuität. 2013 lag die Wechselquote noch bei 17 Prozent. Die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten offensichtlich den Trend zur langfristig geplanten und gut vorbereiteten Nachfolgeregelung verstärkt, bilanziert «Strategie&» in einer Mitteilung zu der am Dienstag veröffentlichten Studie.

Eine geringe Wechselquote gehe üblicherweise einher mit einer stabilen Wirtschaft, erklärt Andreas Lenzhofer, Partner bei «Strategy&» in Zürich. Die positive Entwicklung der Unternehmen in der Schweiz hätten sich auch in deren Aktienkursen gezeigt. «In der Folge sind die Chefs weniger unter Druck geraten.»

Geringe Talentbasis in der Schweiz

In den Schweizer Unternehmen fanden denn auch 83 Prozent der Chefwechsel wie geplant statt. Schweizer Grossunternehmen setzen zudem stärker als ausländische Unternehmen auf internationale Chefs mit breiter Erfahrung. 44 Prozent der wenigen 2014 neu eingesetzten Chefs stammen aus dem Ausland, weltweit sind es lediglich 15 Prozent.

Lenzhofer sieht zwei Gründe für die hohe Zahl internationaler Manager in der Schweiz: Einerseits seien hierzulande viele multinationale Unternehmen angesiedelt. Andererseits sei die Talentbasis in der Schweiz eher klein. «Deshalb wird breit rekrutiert», sagt Lenzhofer.

Schweizer Unternehmen sehen sich demnach sowohl in anderen Ländern als auch in anderen Branchen nach Führungskräften um. Als aktuelles Beispiel nennt Lenzhofer den neuen Konzernchef der Credit Suisse. Der aus der Elfenbeinküste stammende Tidjane Thiam führte bislang die britische Versicherungsgruppe Prudential.

Breite Ausbildung

40 Prozent aller neuen Schweizer Chefs haben Erfahrung in anderen Branchen gesammelt. Vermehrt werden die Chefs zudem ausserhalb des Unternehmens rekrutiert: Im vergangenen Jahr waren es 40 Prozent. Das sind weitaus mehr als im Vorjahr (24 Prozent) und im Ausland (22 Prozent).

Die Führungsspitze in der Wirtschaft steht aufgrund der verstärkten Vernetzung und Digitalisierung vor einer Umwälzung, erwartet «Strategy&». Künftige Chefs müssten daher eine breite Ausbildung und Digital-Kompetenzen mitbringen. Laut Lenzhofer ist es durchaus denkbar, dass sich Unternehmen künftig noch mehr im Ausland, beispielsweise im Silicon Valley, nach solchen Personen umsehen.

(awp/sda/ccr)

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