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Untersuchung 
OECD empfiehlt Erhöhung des Rentenalters

Arbeiterin: In der Schweiz gibt es noch Verbesserungspotential.  Keystone

In einer Studie wird die Arbeitsmarktsituation in der Schweiz genau untersucht. Obwohl überdurchschnittlich viel ältere Personen im Arbeitsmarkt eingebunden sind gibt es Handlungsbedarf.

Veröffentlicht 23.10.2014

In der Schweiz sind überdurchschnittlich viele ältere Personen erwerbstätig, wie ein Vergleich mit anderen OECD-Ländern zeigt. Trotzdem gibt es noch Handlungsbedarf, sagten OECD-Vertreter am Donnerstag vor den Medien in Bern. Dies gelte insbesondere bei den Frauen und bei niedrig qualifizierten älteren Arbeitnehmern.

Der am Donnerstag veröffentlichte Bericht zeigt: Die Schweiz belegt im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz. 70 Prozent der 55- bis 64-Jährigen sind berufstätig. Der Durchschnitt aller Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt bei gerade einmal 54 Prozent.

Ältere Arbeitskräfte in der Schweiz

Verantwortlich für die guten Werte sind vor allem Hochschulabsolventen und Männer. Sie sind besonders häufig erwerbstätig (85 respektive 80 Prozent). Deutlich schlechter sind die Zahlen bei Frauen (62 Prozent), besonders, wenn sie ein niedriges Bildungsniveau haben (49 Prozent).

Ältere Arbeitskräfte in der Schweiz können sich ihrer Stelle relativ sicher sein. Doch verlieren sie ihren Job, ist die Stellensuche besonders schwierig. Fast 60 Prozent der arbeitslosen älteren Personen bleibt auch ein Jahr nach dem Stellenverlust ohne Anstellung. Vor zehn Jahren waren es erst 40 Prozent gewesen, der aktuelle Schnitt aller 34-OECD-Länder liegt bei 47 Prozent.

Verbesserungspotenzial

«Die Schweiz ist auf dem richtigen Weg, aber es gibt noch Verbesserungspotenzial», sagte Studienleiter Mark Keese. Die OECD empfiehlt der Schweiz eine Gesamtstrategie und konkrete Massnahmen in drei Bereichen. Erstens soll längeres Arbeiten attraktiver werden, etwa in dem Anreize zur Frühpensionierung abgebaut werden. Längerfristig müsse auch in Betracht gezogen werden, das Rentenalter wie in den meisten OECD-Ländern an die Lebenserwartung zu koppeln.

Zweitens müsse die «Beschäftigungsfähigkeit» von älteren Arbeitskräften verbessert werden, insbesondere von Frauen und Niedrigqualifizierten. Dafür soll unter anderem in die Aus- und Weiterbildung dieser Personen investiert werden.

Keine altersbedingten Lohnerhöhungen

Den grössten Nachholbedarf ortet die OECD aber beim dritten Bereich: Hindernisse bei der Rekrutierung älterer Arbeitnehmenden. Im Gegensatz zu anderen OECD-Ländern sei in der Schweiz nicht verboten und weit verbreitet, ältere Personen bei der Einstellung zu diskriminieren.

Eine weitere vorgeschlagene Massnahme in diesem Bereich betrifft die Lohnberechnung. Die OECD rät davon ab, Lohnerhöhungen automatisch ans Alter zu binden. Vielmehr sollen Produktivität und Erfahrung stärker gewichtet werden.

Zuwanderungsinitiative erhöht Druck

Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit dem Befund. Die Studie zeige, dass die Schweiz schon vieles richtig mache und auf einem guten Weg sei, sagte Zürcher. Er verwies auf die Fachkräfteinitiative und das Reformprojekt Altersvorsorge 2020, die von der OECD ausdrücklich gewürdigt werden.

Die Schweiz werde aber nicht darum herum kommen, noch mehr für die Arbeitsmarktintegration älterer Arbeitskräfte zu tun, so Zürcher. Denn erstens werde die Bevölkerung immer älter. Und zweitens habe die Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative den Druck erhöht. «Vor allem wenn Kontingente eingeführt werden, müssen wir das Potenzial im Inland besser ausschöpfen», sagte Zürcher.

Kritik an Anti-Diskriminierungsgesetz

Mit allen Vorschlägen ist er aber nicht einverstanden. Ein Gesetz gegen Altersdiskriminierung lehne er ab. In anderen Ländern sei es Unternehmen zum Beispiel verboten, in einem Stelleninserat nach Personal in einer bestimmten Altersgruppe zu suchen. Dies sei nicht in allen Fällen sinnvoll. Besser sei es, die Unternehmen verstärkt für die Problematik der Altersdiskriminierung zu sensibilisieren.

Ebenfalls kritisch äussert sich Zürcher zur Massnahme, der Lohn solle sich mehr an der Produktivität als am Dienstalter orientieren. Die Lohnfrage sei Sache der Sozialpartner, nicht des Bundes.

Beim Bund will man die OECD-Vorschläge nun «eingehend evaluieren». Bereits geplant ist eine nationale Konferenz zum Thema «Arbeitsmarktintegration von älteren Arbeitnehmenden». Diese soll gemäss Zürcher nächstes Jahr stattfinden und dazu dienen, Unternehmen und die Öffentlichkeit für die Thematik zu sensibilisieren.

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