Im Winter ist hier alles voll von Material», sagt Monika Mösli, während sie durch die gähnend leeren Lagerhallen der Komos AG in St. Gallen Winkeln schreitet. Von Ostern bis Oktober sind fast alle Zelte irgendwo draussen aufgestellt. Das Business läuft auf Hochtouren; während dieser Monate macht die Firma fast 90 Prozent des Umsatzes. Allenfalls noch im Dezember werden gelegentlich beheizte Zelte für Weihnachtsessen aufgestellt. Und einmal habe sie im Winter für eine Dessous-Modeschau ein Zelt geliefert, sagt die 34-jährige Monika Mösli, bei Aussentemperaturen von minus 14 Grad. Ansonsten sei es ruhig im Winter. «Wir nutzen die Zeit für Reinigung und Wartung der Zelte», sagt Mösli.

Die saisonalen Schwankungen verlangen eine gute Koordination und leistungsbereites Personal. «Einen Nine-to-five-Job können wir nicht anbieten», sagt Monika Mösli. Neben 5 festen und 7 freien Mitarbeitern hat sie ein Netzwerk von 21 temporären Helfern im Alter zwischen zwanzig und sechzig Jahren aufgebaut. Gerade mit älteren Helfern macht sie oftmals positive Erfahrungen. Sinnvoll ist es, dass sie immer dieselben Helfer einbeziehen kann. Da die Auslastung während der Saison sehr hoch ist, muss auch die Effizienz gesteigert werden. Eingespielte Teams sind diesbezüglich das A und O.

Der Zufall will es, dass ihre fünf festen Mitarbeitenden auch privat Veranstaltungen organisieren – einer ist Bauchef einer grossen Springsportveranstaltung, die Sekretärin ist Präsidentin vom Frauenturnverein. «Sie können sich daher in die Auftraggeber einfühlen», meint Monika Mösli. Sie bezeichnet ihre Mitarbeiter als ihr eigentliches Kapital. Gerade wegen des extremen Saisonbetriebes kann sie sich keine hohe Personalfluktuation leisten. Kommt hinzu, dass die Anforderungen durchaus speziell sind.

Festzeltmonteur ist kein eigentlicher Beruf. Einer der Komos-Mitarbeiter ist gelernter Landwirt, ein anderer Fahrzeugbauer, ein weiterer ehemaliger Profireiter. Handwerkliches Geschick ist absolut notwendig. Fast alle können einen Lastwagen fahren, inklusive Mösli. «Führungsqualitäten müssen sie alle haben», sagt Monika Mösli. Schliesslich bringen einige der Kunden, vor allem Vereine, oftmals eigene Helfer mit, die möglicherweise noch nie ein Zelt aufgestellt haben. Ein Montageleiter muss daher auch mal mit bis zu 30 Feuerwehrleuten, Musikanten, Turnern oder Fussballern ein Zelt auf- und abbauen. Am wichtigsten sei ihr aber, dass jemand überhaupt ins Team passe, sagt Mösli. Die Kollegialität sei sehr wichtig, schliesslich müsse man während der Hochsaison intensiv zusammenarbeiten.

Eigentlich habe sie nie das Ziel verfolgt, einmal selbstständige Unternehmerin zu werden, erzählt Monika Mösli. «Ich wollte Flight-Attendant werden oder Springreiterin.» Nun gut, meint sie, das mit dem Springreiten sei vermutlich eher ein Traum als ein Ziel gewesen. Nachdem sie eine Ausbildung bei der PTT, die Handelsschule und Sprachaufenthalte im Ausland gemacht hatte, war sie in der Administration einer Klinik tätig. Mitte der neunziger Jahre begann sie dann, im Büro des väterlichen Betriebs zu arbeiten. Der Vater hatte übrigens ursprünglich einen Holzbaubetrieb. Inspiriert von den Reitplätzen, auf denen seine Tochter ihre Freizeit verbrachte, kam er auf die Idee, Festzelte zu vermieten. Im Jahr 1983 gründete er seine Firma. Und 2001 hat er sich dann überraschend zurückgezogen. Als Mösli im folgenden Jahr Besitzerin und Geschäftsleiterin wurde, sei dies ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. «Hätte ich zuvor gewusst, was auf mich zukam, hätte ich mir das zumindest zweimal überlegt. Der Übergang war alles andere als einfach.»

Ihr Vater arbeitete mit gänzlich anderen Strukturen. Als dann die Tochter das Zepter übernahm, führte dies zu Unruhe. Es gab Konflikte im Team. Monika Mösli musste das Tagesgeschäft erledigen und parallel dazu neue Strukturen aufbauen. Sie stellte einen Betriebsleiter ein, der die Montageleitungen koordiniert. Die dadurch frei gewordenen Ressourcen nutzt sie, um die Beratung zu intensivieren und mit Netzwerkpartnern gebündelte Dienstleistungen anzubieten. Wurden einst nur Zelte vermietet, so sind nun auch Tische, Stühle, Bars, Barhocker, Tischtücher, Fussböden, Zeltinnenverkleidungen mit Dekostoffen, WC-Wagen, Heizungen und Teppiche im Angebot. «Wir organisieren auch Caterings und Musik», meint Mösli, «und bieten Gesamtlösungen an.»

Die Realisierung solcher Gesamtlösungen kann sehr schnell komplex werden. Am meisten Aufklärungsarbeit sei nicht bei Geschäftsanlässen, sondern bei privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten notwendig, sagt Monika Mösli. Manchen ist nicht bewusst, was für einen Aufwand so ein Anlass verursacht. Dabei kann es sich durchaus um Details handeln: Wenn beispielsweise Frauen mit hohen Absätzen kommen, dann muss ein entsprechender Boden gelegt werden.

Das Wissen um die technischen Details hat sie sich in den Jahren angeeignet, als sie noch im Büro des Vaters tätig war. Das war alles ein Learning by doing. Nachdem sie dann die Geschäftsleitung übernommen hatte, bildete sie sich in den Bereichen Buchhaltung, Administration sowie Personalführung entsprechend weiter. Wenn es um sehr spezifische Fragen geht, holt sie sich Rat bei externen Beratern – gelegentlich auch beim Vater.

Im Ganzen hat die Komos 10 000 Quadratmeter Zeltfläche, aus denen sich modular zahlreiche Zelte aufbauen lassen. Insgesamt können damit 15 000 Sitzplätze gleichzeitig überdacht werden. Die Firma ist damit im mittleren Marktsegment positioniert. «Im Vergleich zu den ganz Grossen sind wir ziemlich flexibel», meint Monika Mösli. Und im Gegensatz zu den kleinen Anbietern kann die Komos auch grössere Anlässe realisieren, Anlässe wie etwa den CSI Davidoff in Neuendorf, bei dem die Komos zum achten Mal den gesamten Aufbau der Zelte und Tribünen organisiert. Im letzten Jahr ist unter anderem das Zelt in Ascona dazugekommen, in dem die Bundesräte während des Filmfestivals Locarno essen. «Ich sehe so in Welten hinein, die mir sonst verschlossen bleiben würden», sagt Monika Mösli.

Die Kundenakquisition läuft in erster Linie über Mund-zu-Mund-Werbung. Manche Kunden sind sehr treu, was bei der jährlichen Wiederholung von Anlässen für beide Seiten vorteilhaft ist. Da Monika Mösli ihre Freizeit mit Pferdesport verbringt, ist die Reiterwelt sehr präsent unter den Kunden. So liess sich ein Genfer Freizeitreiter auf seinem Sandplatz im Garten über den Winter ein Zelt von 25˘60 Metern aufbauen, weil er trotz dem schlechten Wetter nicht auf seinen Lieblingssport verzichten wollte.

Sehr ordentlich und fast ein bisschen pingelig sei sie zuweilen, sagt Monika Mösli. Aber gerade in ihrem Business sei dies notwendig. Planung, Organisation und Disposition verlangten absolute Genauigkeit. Schliesslich müssen auch grosse Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Ein Zelt muss unter anderem so aufgestellt werden, dass es nicht beim ersten Windstoss wie ein fliegender Teppich abhebt. Beim Aufbau laut herumzubrüllen, sei nicht ihre Art, sagt Monika Mösli. «Ich bin ruhig und versuche, den Überblick zu bewahren.»

Sie führe das Unternehmen situationsbezogen, sagt sie, «mit gesundem Menschenverstand». Sie sei eigentlich keine typische Managerin und könne deshalb auch nicht viel über ihre Führungsphilosophie erzählen, meint sie. Sie agiere einfach immer im Sinne der Sache. Wichtig sei ihr vor allem, nicht ins Grübeln zu geraten. Es sei wie im Reitsport, «gelegentlich muss man auch einfach einmal losspringen».

Komos

Gegründet: 1983

Umsatz: wird nicht bekannt gegeben

Anzahl Mitarbeitende: 5 fest angestellte und 7 freie Mitarbeiter für die Saison, dazu ein flexibles Netzwerk temporär einsetzbarer Helfer

Geschäftsleitung: Monika Mösli

Finanzierung: Aktiengesellschaft (100 Prozent in Besitz von Monika Mösli)

Geschäftsidee: Vermietung von Festzelten und mobilem Zubehör (Bestuhlung, Fussböden, Teppiche, Bühne).

Firmenphilosophie: Wir gehen auf die Bedürfnisse unserer Kunden ein und bringen unsere vielschichtige Erfahrung zum Einsatz. Wir wissen, was eine Veranstaltung ausmacht, auch deshalb, weil unsere fünf Festangestellten selbst Events organisieren.

Führungsgrundsätze: situationsbezogen, mit gesundem Menschenverstand.

Junior Chamber

BILANZ präsentiert in jeder Ausgabe ein Beispiel von jungem Unternehmertum – in Zusammenarbeit mit der Junior Chamber Switzerland (JCS). Die Chamber ist das grösste Netzwerk von jungen Führungskräften und Unternehmern in der Schweiz. Weitere Infos und Angaben zu JCS-Veranstaltungen auf www.juniorchamber.ch.

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