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Mehr Frauen in Topetagen - Zahl trotzdem klein

Top: Beatrice Weder di Mauro ist für den UBS-Verwaltugsrat nominiert. (Bild: Keystone)

In Europas Grosskonzernen bekleiden mehr Frauen Topjobs als zuletzt. Trotzdem ist ihre Zahl einer Studie zufolge noch gering. Das Hauptproblem liegt demnach im mittleren Management. Beim Lohn sind US-Frauen stärker benachteiligt als Schweizerinnen.

Veröffentlicht 06.03.2012

Die Anzahl der Frauen in den Teppichetagen europäischer Grosskonzerne ist in den letzten Jahren zwar deutlich gestiegen, aber immer noch klein. Markant erhöht hat sich der Anteil vor allem in den Verwaltungsräten europäischer Grosskonzerne, wie aus einer Studie hervorgeht.

Spitzenreiter sei Frankreich mit einem Anstieg um 12 Prozentpunkte seit dem Jahre 2007, schreibt die Unternehmensberatungsfirma McKinsey im Report «Women Matter». Damit seien dort ein Fünftel aller Mitglieder in Verwaltungsräten Frauen. Am anderen Ende der Skala befinde sich Italien mit einem Anteil von 5 Prozent.

Anders hingegen sieht es in der Geschäftsleitung aus. Hier stieg der Anteil grösstenteils zwischen 2 und 4 Prozentpunkten. Am stärksten zugelegt haben Unternehmen in Grossbritannien mit 8 Prozentpunkten auf 11 Prozent. Schlusslicht ist Deutschland mit einem Frauenanteil von 3 Prozent in den Grosskonzernen.

Hauptproblem mittleres Management

Ein Hauptproblem ortet die Studie beim mittleren Management. Das Engagement des Topmanagements wird auf den unteren Hierarchiestufen der Organisation nicht fortgeführt, erklärte Sandrine Devillard, Co-Autorin der Studie. Die Firmen würden zweifelsohne sehr viel unternehmen. «Viele äussern aber ihre Frustration darüber, dass ihren Anstrengungen oft die nötige Zugkraft fehlt.»

Befragt wurden insgesamt 235 Unternehmen in Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Tschechien, Belgien und Luxemburg. Am Vortag hatte EU-Justizkommissarin Viviane Reding eine Verpflichtung zu einer EU-weiten Frauenquote aufs Tapet gebracht. Sie wolle im Sommer konkrete Vorschläge vorlegen. «Ich bin kein Fan von Quoten. Aber ich mag die Ergebnisse, die Quoten bringen», hatte sie in einem Zeitungsinterview gesagt.

Lohnunterschiede in der Schweiz und den USA

Eine andere Studie zeigt: Frauen verdienen in der Schweiz wie auch in den USA immer noch markant weniger als Männer. Während der Unterschied in der Schweiz 18,4 Prozent beträgt, ist der Durchschnittslohn einer Amerikanerin 23 Prozent tiefer.

Die Differenz erkläre sich in der Schweiz vor allem damit, dass die Frauen in schlecht bezahlten Jobs und in Teilzeitanstellungen übervertreten sind, heisst es in der Studie der US-Botschaft. Erreichen Frauen die Führungsetage, bleibt eine Lohndifferenz gegenüber ihren männlichen Kollegen bestehen.

Zertifizierung gegen ungleichen Lohn

Das Problem ist in den USA noch stärker vorhanden als in der Schweiz. Die grössten Ausmasse dieser Ungleichheit zeigen sich laut der Studie in der Finanzbranche: Als Einsteigerlohn erhalten Frauen jährlich 4600 Dollar weniger als Männer.

Ein Weg aus dieser Ungleichheit sieht die Studie in einer Zertifizierung der Unternehmen. Aussenstehende Experten sollten die Lohnpolitik der Firma untersuchen. Zahlt die Firma gleiche Löhne für Mann und Frau, erhält sie ein entsprechendes Label.

(tno/aho/sda/awp)

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