Blass, unsicher, unvorbereitet und genervt. Marcel Rohner hinterliess bei seinem Auftritt vor der britischen Untersuchungskommission zum Libor-Skandal keinen guten Eindruck. «Herr Rohner wirkte erstaunlich apathisch - ja sogar niedergeschlagen. Insofern war sein Auftritt symbolisch für eine darniederliegende Branche und eine entzauberte Bankmanager-Kaste», sagt Bernhard Bauhofer. 

Der Unternehmensberater von Sparring Partners kann sich diese Darbietung nur damit erklären, dass dem ehemaligen UBS-Konzernchef «offensichtlich das Interesse und die Unterstützung der Armada von PR-Profis fehlte», welche ihm in früheren Zeiten zur Verfügung standen. 

Marcel Rohner und die Kommunikation

Der Zürcher Head Hunter Christoph Küffer kann die «bescheidene Vorstellung» indes nicht überraschen, sei doch die Kommunikationsfähigkeit von Marcel Rohner noch nie dessen hervorstechendste Charaktereigenschaft gewesen. «Aus Zeiten, als er noch Konzernchef war, kann ich mich daran erinnern, dass er bei heiklen Medienmitteilungen nicht immer seinem Amt entsprechend souverän kommuniziert hat», sagt Küffer. In den Augen des Head Hunters hat Marcel Rohner «bei öffentlichen Auftritten selten wirklich überzeugt».

Die mangelnde Kommunikationsfähigkeit ist in den Augen der beiden Beratungsexperten jedoch das geringste aller Probleme. Vielmehr stören sie sich an den von Marcel Rohner gemachten inhaltlichen Aussagen vor dem britischen Untersuchungsausschuss: «Es kann nicht sein, dass man im Nachhinein sagt, man habe davon nichts gewusst», sagt Küffer. Wenn ein Konzernchef nicht die Zeit finde, sich solch elementaren Angelegenheiten zu widmen, müsse er diese eben delegieren. 



Hintergrund der Debatte: Der Libor wird gemeinhin als wichtigster Referenzzinssatz der Welt betrachtet. An ihn sind denn auch unzählige Finanztransaktionen auf der Welt geknüpft.

Nun ergaben Ermittlungen der letzten Monate, dass Mitarbeiter verschiedener Finanzhäuser den Libor im Zeitraum von 2006 bis 2009 manipuliert hatten. Dafür belegten mehrere Aufsichtsbehörden unter anderem auch die UBS mit einer Busse in Höhe von 1,4 Milliarden Franken.

Unternehmensberater: Rohner war überfordert

Zudem lancierte Grossbritannien eine Untersuchung, um die Affäre aufzuarbeiten. Während diesen Sitzungen wollten die anwesenden Politiker von Marcel Rohner, UBS-Konzernchef der Jahre 2007 bis 2009, in Erfahrung bringen, weshalb ein Enthüllungsreport des «Wall Street Journals» im Frühjahr 2008 nicht seine Aufmerksamkeit erregte.

Im besagten Bericht erhoben die Autoren damals den Vorwurf, dass mehrere Banken - darunter auch die UBS - den Libor künstlich tief zu halten versuchten. Rohner gab darauf lediglich zu Protokoll, dass ihn das dünne Kapitalpolster des Instituts beschäftigte und dadurch andere mögliche Schwierigkeiten in Vergessenheit gerieten. «Wir kämpften ums Überleben. Ich war nicht alarmiert.»

In Anbetracht dieser Rechtfertigung kommt Unternehmensberater Bernhard Bauhofer zum Schluss, dass «Herr Rohner in der damaligen Situation überfordert war». 

Vom UBS-Konzernchef zum Mandatsträger

Für die berufliche Zukunft Rohners dürfte sowohl sein jetzt bekannt gewordenes Verhalten als UBS-Chef als auch sein aktuelles Auftreten in London wenig förderlich sein. «Bei Herrn Rohner besteht hier wohl kein Zweifel», sagt Unternehmensberater Bauhofer vielsagend. Dieser Ansicht ist auch Head Hunter Küffer. «Solches Verhalten kann der eigenen Reputation schaden. In einer solchen Position sollte man auch das persönliche Risk-Management im Griff haben». 

Bisher konnte sich Rohner über den Verlauf seiner Karriere nicht beklagen: Der ehemalige UBS-Konzernchef sitzt im Verwaltungsrat von Ulrich Giezendanners Transport AG, der Helvetischen Bank von Thomas Matter, der Genfer Investmentgesellschaft CBI und der Schwyzer Active Alpha.

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