In der Europäischen Union gibt es 17 Länder, die dem Euro angehören, sieben, die einen flexiblen Wechselkurs haben, und drei, deren Währungen an den Euro angebunden sind: Dänemark, Litauen und Lettland. Vor der Krise gab es einen Konsens unter Ökonomen: Entweder ist man im Euro richtig drinnen oder richtig draussen. Wer hingegen die Anbindung wählt, hat alle Nachteile des Euro, aber nicht die Vorteile. Der grösste Nachteil ­besteht darin, dass man die Geldpolitik eines anderen übernehmen muss, um die Währung zu stabilisieren. Und gleichzeitig verzichtet man auf die Annehmlichkeiten einer grossen Währung. Man muss zum Beispiel weiter in Fremdwährungen fakturieren und mit zwei Portemonnaies durch die Gegend reisen. Die Entscheidung der Dänen, dem Euro fernzubleiben und dem Wechselkursmechanismus beizutreten, galt daher lange als ökonomisch widersinnig.

Mit der Krise hat sich die Beurteilung der Vor- und Nachteile umgekehrt. Als Nichtmitglied des Euro­raums hat Dänemark den Vorteil, dass es sich nicht an den Rettungsprogrammen beteiligen muss. Gleichzeitig geniesst Dänemark ein hohes Mass an Währungsstabilität. Denn wie die Schweiz im Verlaufe des Jahres erfahren hat, ist es enorm schwer, als kleines Land vom zweitgrössten Währungsgebiet der Welt umzingelt zu sein. Die relative Stabilität im Wechselkurs zwischen Euro und Dollar hat ein Pendant in der Instabilität zu Drittwährungen. Aus diesem Grund schiessen die noch frei floatenden Währungen in die Höhe, wie der Schweizer Franken und der Yen. Die dänische Krone hingegen ist stabil.

Soll die Schweiz Dänemark folgen? Wäre die europäische Schuldenkrise bald vorüber, dann wäre die Antwort sicher nein. Nur leider gibt es keine Anzeichen dafür. Ohne Eurobonds ist eine nachhaltige Lösung der Eurokrise kaum denkbar. Die deutsche Bundeskanzlerin sperrt sich komplett dagegen – sicher auch mit Blick auf die Bundestagswahl 2013. Die Europä­ische Zentralbank wird die Bondmärkte von Italien und Spanien nicht ­dauerhaft stützen können. Selbst das jetzige Zinsniveau ist für Italien und Spanien viel zu hoch. Die Krise wird also noch einige Jahre dauern.

Der englische Ökonom John Maynard Keynes sagte einmal nach einer verlustreichen Spekulation: Die Märkte können länger irrational sein, als man selbst solvent bleiben kann. Und genau das ist das Problem der Schweiz. Die Irrationalität des Wechselkurses kann länger bestehen bleiben, als dass die Schweizer Wirtschaft das ertragen kann. Die Wirtschaftspolitik braucht auf kurzfristige Schwankungen nicht zu reagieren. Sie muss aber in Fällen reagieren, in denen Devisenmärkte langfristige Schäden ­erzeugen, was bei einem nachhaltigen Wechselkurs von 1.12 Franken pro Euro der Fall wäre.

Eine Anbindung des Schweizer Frankens an den Euro ist natürlich kein Allerheilmittel, denn es ist nicht immer einfach, einen festen Wechselkurs zu verteidigen. Die europäische Erfahrung ist, dass breite Fluktuations­bänder, von etwa 15 Prozent in beiden Richtungen eines Mittelwertes, ein guter Kompromiss sind. Technisch ist das kompliziert. Aber man wird am Ende kaum darum herumkommen.

Wolfgang Münchau betreibt in Brüssel den Internetdienst Eurointelligence.com und schreibt als Kolumnist für die «Financial Times».

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