Hand aufs Herz: Haben Sie heute schon gejammert? Und was hat es Ihnen gebracht? Genau: nichts. Zumindest nichts Positives. Das Jammern über Dinge, die nicht zu ändern sind, kostet Geld und schadet der Gesundheit.

In unserem Land gibt es 4,2 Millionen Vollzeitstellen. Bei jährlich 1310 geleisteten Arbeitsstunden ergibt das 5,5 Milliarden Stunden. Wenn jede Person pro Stunde eine Minute jammert, wird insgesamt 92 Millionen Stunden gejammert. Bei einem Durchschnittslohn von 37.50 Franken (Quelle: Bundesamt für Statistik) ergibt das einen jährlichen finanziellen Kollateralschaden von fast 3,5 Milliarden Franken. Hoppla! Und dabei ist eine Minute eher optimistisch kalkuliert.

Jammern macht krank!

Den Arbeitnehmenden kann die negative wirtschaftliche Auswirkung kurzfristig egal sein – es ist ja nicht ihr Geld. Doch beim Thema Gesundheit können sie den Kopf nicht aus der Jammerfalle ziehen: Wer ständig lamentiert, fokussiert sich auf das Negative, schwächt das Immunsystem und öffnet damit Bakterien und Viren die Pforten.

Jammern macht krank. Und zudem macht es langfristig einsam – wer ist denn schon gern mit Menschen zusammen, die über alles und jeden nörgeln und permanent Beweise dafür suchen, dass es das Schicksal nie gut mit ihnen meint?

Fullstop!

Führungskräfte sind gefordert

Wer aufhört zu jammern, lebt und arbeitet produktiver, entspannter und genussvoller – ergo besser. Herausforderungen kann man schliesslich auch als Antrieb erleben. Für alle, die das nicht wollen oder können, heisst der Lösungsansatz «freiwillige Veränderung». Niemand zwingt uns, einen bestimmten Job zu tun oder zu irgendjemandem besonders freundlich zu sein. Es ist alles nur eine Frage der Konsequenzen. Jammerer scheuen diese notabene und würgen sich lieber in der Opferrolle durchs Leben. Wer meint, nicht mehr in das aktuelle Umfeld zu passen, soll sich ein neues suchen. Basta.

Wer nämlich oft jammert, vergiftet nicht nur sich selber, sondern auch das Umfeld. Jammerer verbreiten keine frohen Klänge und Harmonien. Sie wirken wie schwarze Löcher. Führungskräfte sind gefordert, diesem Trauerzug Einhalt zu gebieten – sei es durch Anpassung der Rahmenbedingungen oder durch härteres Durchgreifen. Falls Sie das interessiert, werfen Sie einen Blick in «Flow im Beruf» von Mihaly Csikszentmihalyi und «Radikal führen» von Reinhard Sprenger – dort ist nachzulesen, wie es funktioniert.

Wir müssen gar nichts...

Es ist erstaunlich, wie wichtig wir uns nehmen. Als würde es die Welt verändern, wenn es irgendjemanden von uns nicht mehr gäbe. Und es ist kaum zu glauben, wie viele Menschen sich selber freiwillig als Opfer sehen: «Ich muss an ein Meeting», «Ich muss dieses Investment erfolgreich platzieren», «Ich muss ins Fitness», «Ich muss mein Kind von der Kita abholen», «Ich muss noch schnell in die Migros»... Ich muss, ich muss, ich muss! So ein Quatsch, wir müssen gar nichts, ausser... genau: Steuern zahlen und sterben.

Das sagt man so landläufig bei uns, doch nicht einmal das stimmt generell. Nehmen wir die Steuern: Niemand zwingt uns, einen Teil unseres Einkommens abzuliefern. Höchstens unser Gewissen und das Pflichtgefühl, und das ist gut so. Doch wir müssen nicht bezahlen, wenn wir mit den Konsequenzen leben können.

Ändern Sie in Ihrem Wortschatz müssen durch wollen. Das funktioniert erstaunlich oft, selbst bei alltäglichen Handlungen. Aufhören zu müssen, bedeutet, sich der eigenen Freiheiten bewusst zu werden und dabei angenehm berührt zu realisieren, wie der Jammer-Blues langsam, aber sicher verstummt und erfolgreicheren Akkorden Platz macht.

*Dani Nieth ist Managementtrainer, Dozent (ETH, MAZ und weitere) sowie als Vortragsredner und Buchautor tätig.

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