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IWF-Chef-Entscheid: Lagarde oder Carstens?

Die Konkurrenten beim Händeschütteln: Agustín Carstens und Christine Lagarde (Bild: Keystone)

Der IWF entscheidet ab heute, wer Nachfolger von Dominique Strauss-Kahn wird. Im Rennen um den Chefposten liegt der Mexikaner Agustín Carstens hinter Christine Lagarde. Und die Französin hat einen neuen Unterstützer aus Asien.

Veröffentlicht 28.06.2011

Das Exekutivkomitee des Internationalen Währungsfonds (IWF) tritt am Dienstag zusammen, um die Nachfolge des im Mai zurückgetreten IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn zu regeln. Das 24-köpfige Gremium, das die Mitgliedsländer der Institution vertritt, will bis Donnerstag entscheiden, ob Christine Lagarde oder Agustín Carstens das Amt des geschäftsführenden Direktors übernimmt.

Vergangene Woche hatten sowohl die französische Finanzministerin als auch der Chef der mexikanischen Zentralbank vor dem Komitee und in Einzelgesprächen mit den Mitgliedern ihre Pläne für die Zukunft des IWF dargelegt.

Lagarde gilt als Favoritin für den Posten, der seit der Gründung stets von einem Europäer gehalten wurde. Ihr Gegenkandidat Carstens hatte in einem Interview die Besetzung durch einen Europäer als «bedauernswerte Tradition» bezeichnet, die den Währungsfonds «als Geisel» halte.

Auch eine Reihe von Schwellenländern haben dieses ungeschriebene Gesetz in den vergangenen Wochen kritisiert. Die BRICS-Länder - die aufstrebenden Wirtschaftsmächte Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - hatten im Mai erklärt, dies unterwandere die Legitimität des Fonds.

China offenbar für Lagarde

Carstens bräuchte für einen Erfolg im Rennen um den IWF-Chefsessel vor allem die Unterstützung der USA, die die meisten Stimmanteile im IWF halten und sich bisher noch nicht offiziell für einen der beiden Kandidaten ausgesprochen. US-Finanzminister Timothy Geithner hatte vergangene Woche gesagt, sowohl Carstens als auch Lagarde seien «glaubwürdige Kandidaten».

Mittlerweile soll aber auch China hinter Lagarde stehen, berichtete das «Wall Street Journal» am Montag. Nach den Worten des Chefs der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, habe die Französin «wohl die volle Unterstützung» Pekings.

China ist nach der jüngsten IWF-Stimmrechtsreform sechstmächtigstes Land innerhalb des Weltwährungsfonds, nach den USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.

Der bisherige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn war im Mai wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe gegen ein New Yorker Zimmermädchen festgenommen worden und hatte schliesslich sein Amt zurückgelegt. Seitdem führte sein Stellvertreter John Lipsky die Geschäfte des Währungsfonds.

(tno/cms/awp/sda)

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