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Ranking 
Frankreich: Mit Soft Power an die Weltspitze

Mit Emmanuel Macron gewinnt Frankreich an Soft Power. Auch die Schweiz kann sich inmitten der Weltmächte behaupten. Die USA verlieren hingegen an Ansehen. Der Grund heisst Donald Trump.

Von Gabriel Knupfer
24.07.2017

Die Wahl von Emmanuel Macron beschert Frankreich eine triumphale Rückkehr auf die Weltbühne. Das zeigt auch das neue Soft-Power-Ranking der University of Southern California und der PR-Firma Portland Communications: Frankreich belegt dort den ersten Platz. Die USA hingegen fallen unter Donald Trump vom ersten auf den dritten Rang zurück. Die Schweiz steht inmitten der Weltmächte auf Platz sieben.

Soft Power steht für politische Macht aufgrund «weicher» Faktoren wie Kultur, Bildung, Regierungsführung, internationaler Vernetzung und Digitalisierung. Sie ist naturgemäss viel schlechter messbar als reine militärische Stärke, die sich in Verteidigungsausgaben oder Zahl der Atombomben ausdrücken lässt. Dennoch gibt das jährliche Ranking «The Soft Power 30» Anhaltspunkte über das Ansehen verschiedener Länder in der Welt.

Nordamerika im Niedergang

Für das Ranking wurden objektive Daten wie politische Entscheide, Tourismuszahlen oder sportliche Erfolge und subjektive Daten in Form einer Umfrage mit 10'500 Teilnehmern in 25 Ländern beigezogen. Der generelle Trend: Während sich Europa bezüglich Soft Power erholt, ist Nordamerika im Niedergang und Asien im Aufstieg. Der Index illustriere die Bedrohung der globalen Vormachtstellung der USA unter dem «launenhaften» Präsidenten Trump, so Studienleiter Jonathan McClory.

Trumps «America First»-Doktrin habe den Ruf des Landes schwer beschädigt und die Verbindung zum Rest der Welt belastet. Auf der anderen Seite holt die wirtschaftliche Grossmacht China auch bei der Soft Power auf. Der 25. Platz mag auf den ersten Blick schwach erscheinen. Im ersten Soft-Power-Index von 2015 stand das Reich der Mitte aber noch auf Rang 30.

Die Schweiz hält vorne mit

Nach den Rängen vier (2015) und fünf (2016) überholte Frankreich in diesem Jahr Grossbritannien, die USA und Deutschland. Der rasante Aufstieg Frankreichs an die Spitze der Rangliste hat viel mit dem neuen Schwung zu tun, den Macron in die Aussen- und Innenpolitik des Landes gebracht hat. Die geplanten Reformen des jungen Präsidenten würden ein dynamischeres Frankreich schaffen, welches eine zentrale Rolle in der EU und der ganzen Welt einnehmen könnte, sagen die Experten. Eine besondere Stärke Frankreichs sei das riesige diplomatische Netzwerk.

Die Schweiz hat sich in diesem Jahr vom achten auf den siebten Rang verbessert. Sie schneidet besonders in der Regierungsführung und bei der wirtschaftlichen Stärke gut ab, wo sie jeweils den zweiten Platz belegt. Ohne Mitglied der EU zu sein, profitiert die Schweiz dennoch auch von der grösseren Stabilität Europas, nachdem das Superwahljahr 2017 bisher ganz im Sinne eines geeinten und starken Kontinents ausgegangen ist.

Subjektiv und komplex

Die Studienverfasser sind sich der Problematik der Messbarkeit bewusst. Soft Power basiere auf den drei Grundsäulen Kultur, politische Werte und Diplomatie, so Joseph Nye der Erfinder des Konzepts der Soft Power. Die Subjektivität der gewerteten Begriffe erschwert die internationale Vergleichbarkeit – und die Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten sind nicht nur hochkomplex, sondern vor allem auch sehr schnellen Änderungen unterworfen.

Dennoch sieht Nye, der an der Studie nicht beteiligt war, im Ranking eine gute Annäherung an seine Idee. Es ermögliche das bisher klarste Bild der Verteilung globaler Soft Power.

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