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Machtnetz 
Ethos-Präsident Rudolf Rechsteiner: Der Linke

Rudolf Rechsteiner
Der neue Präsident der Ethos-Stiftung: Rudolf Rechsteiner.Quelle: Kenneth Nars

Mit Rudolf Rechsteiner als neuem Ethos-Präsidenten schaut und haut künftig ein SPler den Wirtschafts­kapitänen auf die Finger.

Von Iris Kuhn-Spogat
12.07.2018

Rudolf Rechsteiner, Basler, SP-Urgestein, WWF-, VCS- und Pro-Velo-Mitglied, Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung und Präsident von Swissaid, ist der neue Präsident der Ethos-Stiftung. «Ich selber wäre nicht auf diesen Job gekommen», sagt er.

Rekrutiert hat ihn Cornelia Tänzler, Managing Partner der Head­hunting-Firma Boyden Schweiz. Mindestens fachlich ist Rechsteiner für den Job vortrefflich qualifiziert. Er weiss alles über Pensionskassen (PKs) – mehr als 200 sind Ethos-Mitglied – und alles in Sachen erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit, einem der Schwerpunkte von Ethos. Und: Rechsteiner hat Kapazität, weil er sich Ende 2017 aus dem Grossrat von Basel-Stadt verabschiedet hat.

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IWB liegt ihm am Herzen

Nicht ganz freiwillig: Neue Gesetze des Basler Energieversorgers IWB, bei dem Rechsteiner seit 2009 im VR sitzt, verbieten seit kurzem, dass jemand gleichzeitig im Kantonsparlament und im IWB-VR mitredet.

Dass Rechsteiner dem Verwaltungsratssitz Vorrang gegeben hat, erklärt das 59-jährige Animal politique damit, dass sich das Unternehmen in einer kritischen Phase befinde: «Ich will den Kurs halten». IWB liegt ihm so am Herzen, weil er einer der Initianten für die Verselbständigung des basel-städtischen Energiedienstleisters und dessen Ausrichtung auf erneuerbare Energien war.

Die Ethos-Connection

Dominique Biedermann war 1997 Mitgründer der Genfer Stiftung Ethos und wurde zu deren Inbegriff. Er wäre es noch heute, hätte er sich an das gehalten, was er über all die Jahre höchst hartnäckig von Wirtschaftskapitänen wie Nestlé-Chef Peter Brabeck gefordert hat: Verteilung von Macht und Einfluss auf ­mehrere Köpfe.

Dominique Biedermann
Langjähriger Ethos-Präsident: Dominique Biedermann.
Quelle: Keystone

Ausgerechnet er stolperte über sein Doppelmandat als Präsident der Ethos-Stiftung und von Ethos Services. Die Stiftung bestimmt die Leitplanken für nachhaltiges Anlegen, Ethos Services setzt diese für die Mitglieder – 229 Pensionskassen und andere steuerbefreite Institutionen – dann um.

Nun sind die Rollen wieder auf zwei Köpfe verteilt. Rechsteiner wird eng mit Beth Krasna, Coop-Verwaltungsrätin und neugewählte Präsidentin des Verwaltungsrats von Ethos Services, zusammenspannen, ebenso mit Ethos-Direktor Vincent Kaufmann und Yola Biedermann.

Vincent Kaufmann
Ethos-Direktor Vincent Kaufmann.
Quelle: Keystone

Die Ehefrau von Dominique ­Bidermann sitzt als Head of Corporate Governance & Responsible Investment in einer Schlüsselposition bei Ethos­.

Die Ehepaar-Machtballung war 2017 Teil des Eklats: Françoise Bruderer Thom, Chefin der PK Post, trat deswegen aus dem Stiftungsrat aus, stellte allerdings in Aussicht, ins Gremium zurückzukehren, sollte Biedermann abtreten. An der Generalversammlung vom 14. Juni 2018 war sie anwesend.

Françoise Bruderer Thom
Françoise Bruderer Thom stellte in Aussicht wieder ins Gremium zurückzukehren.
Quelle: Béatrice Devènes

Die Opponenten

Das Thema Energie begleitet Rechsteiner, seit er als Jugendlicher an der Besetzung des AKW-Geländes in Kaiseraugst teilgenommen hat. ­Anders als viele AKW-Gegner vertritt er sein Credo «Erneuerbare Energien statt Kernkraft und fossile Brennstoffe» nicht mit Ideologie, sondern mit Fakten und gilt diesbezüglich als leib­haftiges Google.

Das macht ihn zum gefragten Klartexter entsprechender Lager: Auftrags der Grünen Partei Zürich etwa verfasste er 2015 eine Studie mit dem Titel «Axpo – finanzielles Grossrisiko für den Kanton Zürich». 2016 publizierte er «Das Ende der Kernenergie in der Schweiz. Kernkraft-­Betreiber unterwegs zum Konkurs», ­ zu dem Kaspar Müller, einstiger Ethos-Präsident, das Vorwort verfasst hat. ­

Zählt zu den Opponenten: Axpo-CEO Andrew Walo.

Die Liste von Rechsteiners Opponenten liest sich wenig verwunderlich wie das Who’s who der Atomkraftbetreiber ­ und -lobby­isten, allen voran Axpo-CEO Andrew Walo und ENSI-Direktor Hans Wanner, «zwei Hardliner» (Rechsteiner), Ex-Alpiq-Chef und Atomturbo Hans Schweickardt sowie Nationalrat Christian Wasserfallen, «oberster Atomlobbyist der FDP».

Hans Wanner
ENSI-Direktor Hans Wanner.
Quelle: Keystone

Aber Rechsteiner sieht auch Silberstreifen ­am Horizont, etwa in der Person der BKW-Chefin Suzanne Thoma, die 2019 das AKW Mühleberg vom Netz nimmt. Grosse Stücke hält er auf ­Alpiq-Präsident Jens Alder, von 2010 bis 2015 Präsident des Basler Energieversorgers IWB.

Christian Wasserfallen
«Oberster Atomlobbyist der FDP»: Christian Wasserfallen.
Quelle: Keystone

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