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Listenverbindung 
Diese Parteien sind beim Bündnispartner sehr flexibel

GLP: Keine Partei konnte derart viel Gewinn aus Listenverbindungen schlagen.   Keystone

Ob freiwillig oder widerwillig: Für die Verteidigung der Mandate setzen Parteien auf Listenverbindungen. Welche Partei sich diesbezüglich am flexibelsten zeigt.

Veröffentlicht 07.09.2015

Geht es um Listenverbindungen für die Wahlen im Herbst, sind die Grünliberalen die flexibelste Partei. Sie haben sowohl bürgerliche als auch linke Bündnispartner. Die SVP ist in den meisten Kantonen mit Kleinparteien im Boot.

Listenverbindungen verhalfen den Grünliberalen 2011 zu nicht weniger als fünf ihrer zwölf Nationalratssitze, wie der Politologe Werner Seitz errechnet hat. Keine andere Partei konnte derart viel Gewinn schlagen aus Listenverbindungen. Für die Verteidigung der Mandate im Herbst setzt die GLP auf ganz unterschiedliche Bündnisse.

Rot-Grün-Grünliberal

In Graubünden hat sich die GLP widerwillig mit der SP zusammengetan. Viel lieber hätte sie sich der bürgerlichen Verbindung von FDP, CVP und BDP anschliessen wollen, die ihr 2011 in Graubünden ein Mandat eingebracht hatte. Ihr Ziel wäre es gewesen, der SP zu Gunsten der bürgerlichen Verbindung den Sitz abzunehmen.

In Luzern gibt es ein Rot-Grün-Grünliberales Bündnis. Zu verhindern, dass der GLP-Sitz an die SVP zurückfällt, kommt auch in Luzern vor inhaltlichen Differenzen. Das Mandat der GLP gilt seit den kantonalen Wahlen als gefährdet, weil der Wähleranteil der Partei gesunken ist.

Dieselbe Verbindung gibt es auch in Schwyz. Zwar hatte die GLP der CVP, der FDP, der SP und den Grünen ein Bündnis angetragen. Zu Stande kam dann aber nur die Verbindung von GLP, SP und Grünen. Die FDP begründete ihre Absage damit, dass sie auf Inhalte und nicht auf Mathematik setzen wolle. Die CVP verzichtete aus ähnlichen Gründen.

Fünf Parteien im Thurgau vereint

Im Aargau dagegen hat sich die GLP dem Mitte-Block angeschlossen, dem auch noch BDP, EVP, die Sozial Liberale Bewegung und die Vereinigung Ecopop angehören. Ecopop und die Piraten sind auch in die Zürcher Mitte-Verbindung von CVP, EVP, BDP und GLP eingebunden.

Mitte-Verbindungen - ohne Piraten oder Ecopop - gibt es unter anderen in Bern, Basel-Stadt, Solothurn und der Waadt. Im Kanton Zug wiederum schliesst sich die GLP der FDP und der CVP an.

Gleich fünf Parteien

Im Kanton Thurgau haben sich gleich fünf Parteien vereint: FDP, CVP, EVP, BDP und GLP. 2011 hatte die GLP der Thurgauer FDP ein Mandat weggeschnappt, dank der Verbindung mit EVP, EDU und BDP. Sie erhielt den Sitz mit 5,2 Prozent Wähleranteil. Die FDP war auf 11,2 Prozent gekommen.

Im Baselbiet ist die Verbindung von GLP, CVP, EVP und BDP von 2011 nicht mehr zustande gekommen. Die GLP hat sich nun mit den Grünen-Unabhängigen verbunden, die CVP mit der BDP und die EVP bleibt alleine. 2011 sicherte sich die CVP laut Seitz dank der Allianz im Baselbiet den Sitz von Elisabeth Schneider-Schneiter.

In St. Gallen schliesslich muss die GLP das 2011 gewonnene Mandat von Margrit Kessler in Zusammenarbeit mit den Piraten alleine verteidigen. Die Partnerinnen von 2011 - CVP, BDP und EVP - erneuerten ihren Bund heuer ohne die GLP.

SVP in vielen Kantonen alleine

Per Saldo einen Verlust von acht Sitzen hatte die SVP 2011 wegen Listenverbindungen hinzunehmen, wie Seitz errechnet hat. Im Herbst tritt die SVP vielerorts nur in Allianzen mit Kleinparteien an. In Bern zum Beispiel tut sie sich mit dem Alpenparlament zusammen.

In der Waadt, wo SVP und FDP 2007 und 2011 ihre Listen verbunden hatten, treten die beiden Parteien nun getrennt an. Die FDP kündigte die Partnerschaft auf und machte dafür thematische Gründe geltend.

In Graubünden war die SVP im bürgerlichen Bündnis von FDP, CVP und BDP nicht willkommen. Sie ist nun eine Verbindung mit den Patriotisch Liberalen Demokraten eingegangen. In Zürich, St.Gallen, Thurgau und Freiburg ist die EDU Partnerin der SVP, in Luzern die Aktiven Senioren.

SVP macht Ausnahmen

Im Tessin hat sich die SVP mit der Lega zusammengetan - die Lega-Vertreter arbeiten auch in der SVP-Fraktion in Bern mit. In Genf ist das Mouvement Citoyens Genevois Partner der SVP.

Doch es gibt Ausnahmen: Im Kanton Aargau tritt die SVP zusammen mit FDP und CVP an, und auch die EDU hat sich diesem Bündnis angeschlossen. Auch in Schaffhausen und im Baselbiet haben die FDP und die SVP ihre Listen verbunden. 2011 hatten sich FDP und SVP lediglich in der Waadt zusammengetan.

Linke Bündnisse häufig

In Freiburg gehen die bürgerlichen Parteien getrennt in die Wahlen. Weder mit der CVP noch mit der SVP wollten sich die Freisinnigen zusammentun - ihre Bündnispartnerin ist nun die BDP. Die CVP wiederum zählt lediglich auf die Grünliberalen.

In Luzern haben sich die historischen Konkurrentinnen FDP und die CVP die Hände gereicht und die BDP und die EVP in den Bund aufgenommen. Auch in Genf haben sich FDP und CVP zusammengetan.

Geteilte Mitte im Tessin

Geteilt ist die Mitte auch im Tessin: Die CVP spannt mit der GLP zusammen, die FDP tritt alleine an. Auch in Zürich wagt die FDP den Alleingang. In St. Gallen hat sie sich mit den Umweltfreisinnigen verbunden, die 2011 ohne eigene Liste angetreten waren.

SP und Grüne sind in den meisten Kantonen Partnerinnen, in denen die Frist für die Meldung von Listenverbindungen schon abgelaufen ist. Im Tessin jedoch gehen SP und Grüne getrennte Wege. Laut Seitz brachten Listenverbindungen der SP 2011 zwei Sitze im Nationalrat ein, während für die Grünen per Saldo eine Null resultierte.

(sda/ccr)

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