Europäische Milliardäre sind reicher als amerikanische und asiatische Superreiche. Im Schnitt sitzen Europas Milliardäre auf einem Vermögen von 5,7 Milliarden Dollar. Die amerikanische Pendants bringen es durchschnittlich auf «nur» 4,5 Milliarden Dollar, während asiatische Superreiche im Schnitt 3,2 Milliarden Dollar auf der hohen Kante haben. Das geht aus dem neusten «Billionaire Report» der Grossbank UBS und des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PWC hervor.

«Wir leben in einer Welt, die viele Chancen bietet und in der grosse Vermögen verdient werden, ähnlich wie in der Gründerzeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, als das Unternehmertum in Europa und in den USA die erste grosse Innovationswelle der modernen Geschichte auslöste», sagt Josef Stadler von der UBS. Doch die Vermögensbildung sei ein zyklischer Prozess. «In den letzten Jahrzehnten befanden wir uns in einer Aufwärtsphase.»

Milliarden mit vor allem zwei Branchen

Viele der Vermögen in Europa und Asien, die in den letzten 20 Jahren verdient worden waren, haben ihren Ursprung in der Konsumgüterindustrie, nämlich 50 Prozent in Europa und 20 Prozent in Asien. Dagegen haben mit 30 Prozent die meisten Selfmade-Milliardäre in den USA ihr Vermögen in der Finanzbranche gemacht.

Die asiatischen Selfmade-Milliardäre unterscheiden sich insofern von denen im Rest der Welt, als dass sie ihre Vermögen erst in jüngster Zeit verdient haben. Asiatische Milliardäre sind mit einem Durchschnittsalter von 57 Jahren in der Regel um 10 Jahre jünger als Milliardäre in Europa und in den USA.

Ausserdem wuchs ein grosser Anteil von ihnen, nämlich 25 Prozent, in ärmlichen Verhältnissen auf. Dies trifft nur auf 8 Prozent der Milliardäre in den USA und 6 Prozent der Milliardäre in Europa zu. UBS und PWC schliessen daraus, dass sich die grossen Vermögen künftig in Asien bilden werden.

Fokus auf Vermögenserhalt

Supereichen stellen sich mit forschreitenden Alter vor allem eine Frage: Was passiert mit meinem Unternehmen und Vermögen? Vererbung und Vermögenserhalt spielen daher eine grosse Rolle. Über zwei Drittel der Milliardäre weltweit seien über 60 Jahre alt und haben mehrere Kinder, so die Studie.

«Die Bildung von Milliardenvermögen erfolgte in den letzten zwanzig Jahren vornehmlich an den Finanzmärkten, welche in kürzester Zeit jedoch ins Stocken geraten – oder schlimmer – einbrechen können», sagt Michael Spellacy von PWC USA. Daher sei eine strategische Planung von höchster Wichtigkeit für den Vermögenserhalt, sei es mithilfe von Family Offices, persönlichen Anlageplänen oder anderen Mitteln.

Familie als Hüter der Geschäfte

Die meisten Superreichen wollen ihr Imperium nicht in fremde Hände geben. Laut Studie belassen 60 Prozent der Selfmade-Millionäre in den USA und in Europa das Unternehmen in den Geschicken der eigenen Familie. 30 Prozent würden Teile des Unternehmens mittels Börsengang verkaufen, während 10 Prozent das Geschäft vollständig abstossen.

In Europa ist es mit 57 Prozent am wahrscheinlichsten, dass das Unternehmen nach dem Rückzug des Patriarchen im Familienbesitz verbleibt. In Asien liegt die Wahrscheinlichkeit bei 56 Prozent. Anders sieht es in den USA aus. Dort ist sei das Szenario mit mit 36 Prozent weit weniger wahrscheinlich.

Doch auch nach ihrer Zeit als Unternehmer können Superreiche die Jagd nach Rendite nicht sein lassen. Die Mehrheit betätigt sich nach Veräusserung des Unternehmens als Privatanleger und strebt nach spezifischen Risiko-Renditen-Zielen.

Spenden boomt

Unter den Superreichen in den USA bommen Spenden und philanthropische Engagements. So haben sich bereits über 100 Milliardäre der philanthropischen Bewegung «The Giving Pledge» angeschlossen, die Microsoft-Gründer Bill Gates vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat. Damit versprechen die Milliardäre, über 50 Prozent ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu verwenden. Die UBS und PWC davon aus, dass solche gemeinnützige Zuwendungen in den nächsten 20 Jahren stark zunehmen werden.

Der «Billionaire Report» analysierte insgesamt 1300 Milliardäre und basiert auf Daten aus den letzten 19 Jahren von 1995 bis 2014 und aus 14 Ländern, auf die 75 Prozent aller Milliardärsvermögen entfallen. Zudem haben UBS und PWC über 30 Milliardäre persönlich zum Thema befragt.

(mit Material der sda)

 
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