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Der stille Abgang des Rolf Dörig

Portrait of Rolf Doerig, Chairman of the Board of Directors of Swiss Life Group, taken at Swiss Life's headquarters in Zurich, Switzerland, on March 14, 2017. (KEYSTONE/Gaetan Bally)Rolf Doerig, Praesident des Verwaltungsrates der Swiss Life-Gruppe, portraitiert am 14. Maerz 2017 am Hauptsitz der Swiss Life in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Letzte Runde: Ein Jahr noch bleibt Rolf Dörig Adecco-Präsident, dann löst ihn Jean-Christophe Deslarzes ab. Die Aktionäre hatten wenig Freude.

Quelle: Keystone

Adecco-VR-Präsident Rolf Dörig tritt nächstes Jahr ab. Und schon stellt sich die Frage: Wie lange bleibt er noch bei der Swiss Life?

Dirk Schütz
Von Dirk Schütz
04.07.2019

Es ist ein Abgang der leisen Sorte. Bestens kaschiert auf Seite 8 einer 15-seitigen Pressemitteilung zum Jahresergebnis, vermeldete der Zeitarbeitskonzern Adecco Ende Februar den Rücktritt seines Langzeit-Präsidenten Rolf Dörig auf die Generalversammlung im nächsten Jahr. Auch sein Nachfolger wurde schon präsentiert: Der wenig bekannte Romand Jean-Christophe Deslarzes, Personalchef bei ABB und seit vier Jahren Verwaltungsrat bei Adecco.

In der Schweizer Mediendatenbank SMD findet sich kein Artikel zu dem Abtritt, und auch wer «Rücktritt Dörig» bei Google eingibt, wird nicht fündig. Eine Kommunikation nach Dörigs Gusto: Geht es um eher unangenehme Nachrichten, taucht der 62-Jährige gern ab – wie einst nach der legendär missglückten AWD-Übernahme durch die von ihm gesteuerte Swiss Life.

Salär betrug 1,5 Millionen Franken

Mit dem Rücktritt im nächsten Jahr verliert Dörig sein höchstdotiertes Mandat – das Jahressalär liegt bei 1,5 Millionen Franken und damit 300 000 Franken über seinem Präsidentensold bei der Swiss Life. Eigentlich hätte er noch nicht gehen müssen. Zwar gehört er dem Kontrollgremium seit zwölf Jahren an, elf davon als Präsident. Doch eine Amtszeitlimite hat er nie eingeführt.

Nachdem der grösste Einzelaktionär BlackRock jedoch schon 2018 gegen seine Wiederwahl gestimmt hatte und der Kurs im letzten Jahr um fast 40 Prozent eingebrochen war, stieg der Druck massiv. In diesem Jahr erzielte Dörig an der Generalversammlung mit 85,6 Prozent Zustimmung das schlechteste Resultat aller SMI-Präsidenten.

Kurs blieb unverändert

Die Bilanz seiner Amtszeit ist mässig. Der Kurs lag bei seiner Übernahme des Präsidiums 2008 genau da, wo er heute liegt: bei 60 Franken. Zuletzt litt sein Ansehen intern durch seine SVP-Parteinahme. Dass er als Präsident eines global tätigen Zeitarbeitskonzerns, der vom schnellen Verschieben der Arbeitskräfte lebt, offen gegen die Personenfreizügigkeit mit der EU kämpfte, sorgte für Kopfschütteln.

Dörig nutzte das Amt für ausgedehnte Reisen, gern auch mit seiner Frau. Doch strategisch hat sich seit dem Ausstieg der Jacobs-Familie, bis 2014 Ankeraktionär, wenig getan. Nicht einmal die CEO-Suche lag bei ihm: Den aktuellen Chef Alain Dehaze hatte noch Andreas Jacobs installiert. Wie viel Zeit er für das Adecco-Präsidium einsetzte, wollte der Ämtersammler – 16 Mandate von Adecco bis zum Eishockeyclub ZSC – nie offenlegen. Kritik kam auch aus dem Schweizerischen Ver- sicherungsverband (SVV), den er seit 2017 präsidiert. Namhafte Vorstandsmitglieder störten sich an Dörigs Ämterhäufung – und der Instrumentalisierung des Verbands für SVP-Interessen.

Auch bei Swiss Life langsam Schluss

Sein wichtigstes Mandat bleibt damit das Präsidium der Swiss Life. Doch auch dort erreicht er im nächsten Jahr die Zwölf-Jahres-Limite, bei der BlackRock, auch hier grösster Einzelaktionär, im Normalfall gegen eine Wiederwahl stimmt. Derartige Probleme hat Dörig bei seinem SVP-Freund Walter Frey nicht. Bei dem erfolgreichen Autoimporteur darf er so lange in dessen Emil Frey Holding bleiben, wie es der Patron gestattet.

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