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Migration 
Das sind die Folgen der Personenfreizügigkeit

Zuwanderung: Aus EU- und EFTA-Staaten sind knapp ein Viertel weniger gekommen. Keystone

Aus EU- und EFTA-Staaten kommen immer weniger Zuwanderer in die Schweiz. Dennoch bleibt die Zuwanderung hoch. Allerdings beginnt sie weniger zu den Bedürfnissen des Schweizer Arbeitsmarktes zu passen.

Von Karen Merkel
05.07.2016

Zu Beginn des Jahres deuteten erste Zahlen darauf hin, jetzt verfestigt sich der Trend: Die Zuwanderung aus EU- und EFTA-Staaten ist in den ersten fünf Monaten des Jahres netto um 23 Prozent zurückgegangen. Besonders in den Wechselkurs exponierten Branchen war ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Dagegen verzeichnete das Gesundheits- und Sozialwesen weiterhin einen leichten Zuwachs.

Das zeigt ein Bericht zu den Auswirkungen des Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU, den das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag veröffentlicht hat. Nach wie vor, so hält der Bericht fest, bleibt die Zuwanderung auf hohem Niveau. Ob die aktuelle Kehrtwende dauerhaft ist, kann noch nicht festgestellt werden. Die Folgen der Personenfreizügigkeit werden weiterhin positiv beurteilt. Bedenklich allerdings aus Schweizer Sicht: Die Zuwanderung beginnt, weniger den Bedürfnissen des Schweizer Arbeitsmarktes zu entsprechen.

Netto noch 5600 Deutsche eingewandert

Die Zuwanderung hatte sich dabei bereits im Jahr 2015 mit der Frankenstärke leicht abgeschwächt. So wanderten unter dem Strich im letzten Jahr 71'000 Ausländerinnen und Ausländer in die Schweiz ein. 2014 waren es noch 73'000. 

Es verfestigten sich die Entwicklungen der vergangenen Jahre: Die Zuwanderung von Deutschen hat seit 2008 stark nachgelassen, während die Abwanderung in der Tendenz konstant ist. Das Wanderungssaldo ist damit 2015 auf 5600 Personen zusammengeschmolzen.

Anteil Osteuropäer steigt

Die starke Zuwanderung aus Deutschland war zuächst abgelöst worden von einer stärkeren Immigration aus Südeuropa. Mittlerweile geht auch diese stark zurück, 2015 kamen vor allem weniger Spanier und Portugiesen. Das setzt sich auch 2016 fort. Die Zuwanderung aus Italien hat im Vorjahr dagegen weniger stark nachgelassen. Aus Frankreich kamen sogar 9 Prozent mehr Einwanderer. 

Überblick Zuwanderung aktuell:

Hier finden Sie die Grafik in voller Grösse.

In absoluten Zahlen flacht damit die Einwanderung aus Nord-, West- und Südeuropa dennoch ab. Die Zuwanderung aus Osteuropa ist dagegen konstant geblieben. Damit steigt insgesamt der Anteil der Osteuropäer an den Einwanderern in die Schweiz.  

Das hat Einfluss auf die Qualifikationsstruktur der zugewanderten Arbeitskräfte. Diese ist aus Schweizer Sicht besonders interessant mit Sicht auf den Arbeitsmarkt. Kritisch zu beurteilen wäre eine hohe Zuwanderung in Branchen mit schlechten Beschäftigungsaussichten oder ein höherer Anteil Niedrigqualifizierter. Dafür gibt es laut dem Bericht erste Anzeichen.

Nach wie vor sind die Einwanderer in die Schweiz ausnehmend gut qualifiziert:  57 Prozent von ihnen haben einen Fach- oder Hochschulabschluss. Seit 2012 geht dieser Anteil allerdings ein Stück weit zurück. Das erklärt das Seco damit, dass Zuwanderer aus Süd- und Osteuropa heute im Durchschnitt zwar besser qualifiziert sind als ihre Vorgänger aus dieser Region.  Der Anteil Hochqualifizierter ist bei ihnen aber nach wie vor deutlich geringer als bei Zuwanderern aus Nord- und Westeuropa. Die Verlagerung der Zuwanderung gen Osten verschlechtert die Lage also tendenziell. 

Entwicklung Zuwanderung nach Ländern: 

Hier finden Sie die Grafik in voller Grösse.

(Mit Material von sda)

Sehen Sie im Video-Interview, welche Auswirkungen auf die Schweiz der Leiter Direktion für Arbeit, Boris Zürcher, bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative erwartet sowie welchen Trend er am Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten sieht.

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