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Kurzinterview 
«Da bin ich zu weit gegangen»

«Da bin ich zu weit gegangen»
Ueli Steck: Vergangenen Sonntag ist er tödlich verunglückt.   Keystone

Der Tod von Ueli Steck erschüttert die Schweiz. Der «Bilanz» gab der Extrembergsteiger kürzlich noch ein Interview. Steck sprach über sein grösstes Abenteuer und die härteste Lebensschule.

Ihr grösstes Abenteuer? Mein ganzes Leben. Ich muss das Gefühl haben, mich stetig weiterzuentwickeln. Das 
ist ein grosses Abenteuer.

Ihr Ausgleich? Meine Frau. Sie holt mich immer wieder zurück auf den ­Boden der Realität, sodass ich das Bergsteigen relativieren kann. Seien wir ehrlich: Das Bergsteigen bringt die Menschheit nicht wirklich weiter.

Etwas, das Sie sich nie getraut ­haben? Eine Familie zu gründen, 
traue ich mir nicht zu.

Der schwierigste Berg? Das gibt es nicht. Jeder Berg, jede Route hat ihre eigenen Schwierigkeiten.

Die schönste Strecke für Skitouren? Ich bin definitiv kein Skifahrer. Das Einzige, wofür ich mich motivieren kann, ist, mit Leichtski zu trainieren. Kürzlich waren wir am Wetter-, Mittel-und Rosenhorn – das war schon ganz schön, aber da muss man auch nicht wirklich gut Ski fahren können.

Ihr grösster Fehler? In der Annapurna-Südwand habe ich mich fast umgebracht. Da bin ich zu weit gegangen und habe nur mit viel Glück überlebt. Aber es nützt nichts. Ich nehme nur mit, was mich weiterbringt. Den Rest probiere ich zu vergessen.

Ihre härteste Lebensschule? Ich habe immer geglaubt, dass Menschen grundsätzlich positiv und gutmütig seien. Das ist leider nicht so. Es gibt sehr viel Neid und Missgunst, das musste ich vielfach erleben. Ich war immer viel zu gutgläubig im Leben.

Welchen Titel sollte ein Porträt 
über Sie tragen? Leidenschaft.

Eine Person, die überschätzt wird? Aktuell liegt sehr viel Aufmerksamkeit auf Donald Trump. Sein Handlungsspielraum ist nicht unbeschränkt.

Bei welcher Gelegenheit lügen Sie? Wenn ich wieder mal zu spät dran bin. Dann bringe ich schon mal als Ausrede, dass ich im Stau gestanden sei.

Welches Talent besässen Sie gerne? Etwas selbstbewusster zu sein. Nicht so selbstkritisch zu sein und nicht ­immer die Fehler bei mir selber zu ­suchen und auf mich zu nehmen.

Ihr erster Wagen? Ein alter Subaru ­Justy, grün.

Eine Sünde? Ich mag viel zu gern ­Süsses. Mit Schokolade kann ich nicht umgehen.

* Ueli Steck (40) bezwang in 62 Tagen alle 82 Viertausender der Alpen und die Eiger-Nordwand in 2 h 22 min 50 s. Aktuell plante er, als Erster vom Mount Everest zum Lhotse zu queren. Am vergangenen Sonntag ist er bei diesem Versuch tödlich verunglückt.

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