Der scheidende Novartis-Präsident Daniel Vasella erhält nach seinem Abgang sechs Jahre lang je maximal 12 Millionen Franken Entschädigung, gesamthaft also bis zu 72 Millionen Franken. Das sagte er in einem Interview mit der «Tagesschau».

«Das ist eine hypothetische Zahl», so Vasella. Er erhalte die volle Summe dann, wenn er sich an vorher fixierte Bedingungen halte – unter anderem an ein Konkurrenzverbot und die Weitergabe seines Know-hows an das Unternehmen Novartis.

Vasella will das Geld nach eigenen Angaben nicht behalten, sondern spenden. Er habe vor, eine Schenkung zu machen, sagte er im Interview. «Der Nettobetrag aus dieser Vereinbarung» werde «vollständig für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung» gestellt, doppelte Vasella am Freitagabend ausserdem in einer Novartis-Mitteilung nach.

Zuvor hatte der Finanzblog «Inside Paradeplatz» berichtet, vor rund drei Jahren seien bei der St. Galler Privatbank Wegelin von Novartis 75 Millionen Franken hinterlegt worden. Dieses Geld sei für Vasellas Stillhalten nach seinem Ausscheiden beim Basler Pharmariesen gedacht.

Die Abgangsentschädigung dürfte die Diskussionen kurz vor der Abstimmung zur Abzocker-Initiative nun weiter anheizen. «Es brodelt in der Bevölkerung», stellte Bundesrätin Simonetta Sommaruga in der Sendung «Arena» des Schweizer Fernsehens fest. Was man gehört habe, mache sie «sprachlos».

Für Claudio Kuster, Mitinitiant und Sekretär der eidgenössischen Volksiniative «gegen die Abzockerei», ist der Betrag «Dekadenz pur». «Nur der Initiativtext verbietet genau solche Entschädigungen im Zusammenhang mit dem Austritt explizit», sagte Kuster. Wir sind höchst schockiert.

Jahresgehalt von zuletzt 13,1 Millionen Franken

Die von «Inside Paradeplatz» genannten 75 Millionen Franken basierten laut dem Bericht auf fünf Jahrestranchen zu je 15 Millionen Franken – die fünf Jahre seien als Frist festgelegt worden, während der Vasella nach seinem Abschied nicht für die Konkurrenz tätig sein dürfe. Das Geheimkonto sei vom Zürcher Staranwalt und Vasella-Vertrauten Peter Nobel eingefädelt worden, heisst es weiter.

Die Frist würde demnach am kommenden Freitag, dem 22. Februar beginnen – dann wird Vasella an der Generalversammlung in der Basler St. Jakobshalle den Stuhl als Verwaltungsratspräsident räumen. 

Vasella zählte jahrelang zu den bestverdienenden Manager des Landes. Im vergangenen Geschäftsjahr etwa erhielt er ein Gehalt von 13,1 Millionen Franken. Das sind zwar rund 400'000 Franken weniger als 2011, aber immer noch mehr als der Grossteil des Novartis-Gremiums erhielt.Die anderen elf Mitglieder des Novartis-Verwaltungsrats haben im letzten Jahr Vergütungen zwischen 350'000 und 853'000 Franken erhalten.

Eine Ära geht zu Ende

Novartis hatte Vasellas Rücktritt am 23. Januar bekannt gegeben, zusammen mit den Jahresergebnissen. Zwar war bereits damals von dem Konkurrenzverbot die Rede. Details zur Vereinbarung gab es allerdings keine. Nachfolger soll Jörg Reinhardt werden. Der 56 Jahre alte Deutsche ist derzeit Chef der Pharmasparte von Bayer und war zuvor lange Zeit bei Novartis tätig gewesen.

Mit dem Abgang von Vasella geht bei Novartis eine Ära zu Ende: Vasella wurde 1996 bei der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy der erste Konzernchef von Novartis. 1999 übernahm er zusätzlich das Präsidium des Verwaltungsrats und übte damit eine Doppelrolle aus, die oft kritisiert wurde.

2010 überliess Vasella den Chefsessel am Konzernsitz Joe Jimenez und konzentrierte sich auf das Verwaltungsratspräsidium.

(tno/chb/vst/tke/sda)

Sehen Sie hier die politischen Reaktionen auf die Abgangsentschädigung:

 
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