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Arbeitswelt der Zukunft: Wie sich die Berufe ändern

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Neue Ausbildung: Künfitg muss es Menschen geben, die die Roboter erziehen und überwachen. Keystone

Ob Abfalldesigner oder Roboterberater - der Einzug digitaler Techniken verändert das Berufsleben. Zugleich fordert die Arbeitswelt von morgen Anpassungen in der Ausbildung - auch in der Schweiz.

Digitale Bestatter und Roboterberater - gemäss Trendforschern könnten dies Berufe sein der Zukunft. Auch Abfalldesigner gehört dazu, ebenso der Lebensend-Therapeut. Die tatsächlich in der Schweiz neu angebotenen Berufslehren hingegen tönen viel profaner. Minder zukunftsträchtig sind sie darum aber nicht.

Ein Nostaloge (Nostalgist) richtet Wohnumgebungen ein für ältere Menschen. Der Experte für Einfachheit (Simplicity Expert) hilft Unternehmen, die administrativen Prozesse zu vereinfachen. Ein persönlicher Brandmanager schleift an den Profilen von Herr und Frau Muster in Sozialen Netzwerken. Auch der Durchschnittsbürger ist im Netz eine Marke.

In der Studie der Stiftung Canadian Scholarship Trust Plan nennen die Forscher solche neuen Berufe als die Jobs von morgen, konkret ab 2030.

«Megatrends beeinflussen den Arbeitsmarkt von morgen»

«Die Megatrends beeinflussen den Arbeitsmarkt von morgen», sagt der Solothurner Trendforscher Joël Luc Cachelin. Megatrends sind substanzielle und langfristige Veränderungen, beispielsweise der demografische Wandel oder die technologischen Entwicklungen.

Es werde beispielsweise Menschen geben müssen, welche die Roboter erziehen und überwachen, sagt Cachelin. Durch die Integration von Maschinen in die Belegschaft entstehen neue Symbiosen und Arbeitsteilungen zwischen Mensch und Maschine, was neue Abläufe und neue Unternehmenskulturen hervorbringen wird.

Kompetenzen statt Fertigkeiten

Gemäss Cachelin fordert die Arbeitswelt von morgen darum auch Anpassungen in der Ausbildung. «Das duale Berufsbildungssystem wird Bestand haben», sagt er. «Doch die kontinuierliche Weiterbildung bekommt noch stärkeres Gewicht. Man wird sich vermehrt über ein Set von Kompetenzen definieren, nicht so sehr über einen erlernten Beruf», sagt er.

250 anerkannte Berufe gibt es in der Schweiz. Sie werden regelmässig aktualisiert. Der Beruf Netzwerkelektriker etwa wird seit einem Jahr in drei Spielarten (Strom, Öffentlicher Verkehr, Telekom) statt nur in einer Ausrichtung angeboten. Einige Berufe sind ganz neu - zwischen 2013 und 2015 - entstanden, etwa die Fachfrau/Fachmann öffentlicher Verkehr EFZ (Eidg. Fähigkeitszeugnis), die Systemgastronomiefachfrau EFZ oder der Entwässerungstechnologe EFZ.

Das tönt zwar nicht so dynamisch wie etwa den von den Trendforschern entworfene Abfalldesigner, ist aber nicht minder zukunftsträchtig. Entwässerungstechnologen reinigen, warten, untersuchen oder renovieren Kanäle, Leitungen und Rohre.

Neue Leute für alte Netze

«Wir haben in der Schweiz ein Kanalnetz im Wert von 80 Milliarden Franken. Es ist aber bald 60-jährig. Die Pflege und die Sanierung werden immer anspruchsvoller», sagt Roland Brühlmann, Geschäftsführer der ISS Kanal Services AG und Initiant dieses seit 2014 bestehenden Berufs.

«Wir dachten zuerst, wir als einzelne Firma könnten einen eidgenössisch anerkannten Lehrberuf erarbeiten und anbieten», sagt Roland Brühlmann.

Ganze Branche muss dahinter stehen

Doch das geht nicht. Eine ganze Branche muss hinter einer neuen Berufslehre stehen. «Die Arbeitsmarktfähigkeit muss bei einem neuen Lehrberuf in der Schweiz gewährleistet sein», sagt Toni Messner, Stellvertretender Abteilungsleiter und Leiter Ressort Berufliche Grundbildung im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI. «Auf der grünen Wiese kann man keine Berufe kreieren», stellt er klar.

Das ist einer der grossen Unterschiede zum Ausland: Dort bieten Schulen teilweise Berufsausbildungen an, ohne dass die Nachfrage der erforderlichen Kompetenzen mit der Wirtschaft abgeklärt wurde.

Schneckentempo

Im Falle der Entwässerungstechnologen ist sich die Branche einig geworden, dass sie ihre Herausforderungen und den Anspruch an qualitative Arbeit längerfristig nur über einen neuen Lehrberuf garantieren kann. Darum wurde ein Verband gegründet mit dem Ziel, in Zusammenarbeit mit den Behörden den neuen Beruf zu entwickeln.

«Wir glaubten am Anfang allerdings, wir könnten schneller sein als vorgegeben und wollten die Prozesse möglichst vorantreiben», erzählt Brühlmann. Doch letztlich dauerte die Entwicklung fast sechs Jahre.

Inzwischen absolvieren 25 Jugendliche die 3-jährige Ausbildung zum Entwässerungstechnologen EFZ und sechs die 2-jährige Ausbildung zum Entwässerungspraktiker (EBA). Sie besuchen die Gewerbeschulen in Zug oder Yverdon. Im Sommer 2016 absolvieren die ersten Abgänger (des EBA) ihre Schlussprüfungen.

Brühlmann ist optimistisch: «In unserem Dienstleistungssektor werden alle Abgänger gesuchte Berufsfachleute sein, welche somit bestimmt nach erfolgreichem Abschluss eine Anstellung finden werden.»

(sda/ccr)

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