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2015: Die meisten Top-Manager aus dem Ausland

Nestlé: Seit 1923 keinen Schweizer CEO mehr (Bild: Keystone)

Immer weniger Schweizer in den Chefetagen: Bis 2015 werden Ausländer laut einer Studie die Mehrheit der Geschäftsleitungsmitglieder in Schweizer Grosskonzernen stellen. Der Anteil der Deutschen ging 2010 jedoch zurück.

Veröffentlicht 23.05.2011

Schon heute stammen 45 Prozent der Top-Manager in den grössten Schweizer Unternehmen aus dem Ausland. Bis 2015 werden die meisten Mitglieder der Geschäftsleitung in Schweizer Grosskonzernen Ausländer sein, glaubt Topkräftevermittler Guido Schilling. Der Arbeitsmarkt für Spitzenmanager biete gar keine andere Wahl.

"Die Internationalisierung ist auf konstant hohem Niveau stabil", sagte Schilling bei der Präsentation seines jährlich erscheinenden Berichts über die Situation in den Schweizer Chefetagen. 2006, als der erste "Schilling-Report" erschien, betrug der Anteil ausländischer Top-Manager 36 Prozent.

Dass der Trend sich fortsetzt, zeigen die Neubesetzungen: Bei den 2010 neu berufenen Geschäftsleitungsmitgliedern beträgt der Anteil der Ausländer 48 Prozent. Als Grundlage dienten dem "Schilling-Report" die Daten von wichtigen 116 Unternehmen, darunter alle Grosskonzerne des Swiss Market Index (SMI).

Auch bei den Verwaltungsräten, traditionell noch eher als die Geschäftsleitungen eine Bastion erfahrener Schweizer Konzernlenker, sind die Ausländer auf dem Vormarsch. Zwar stellen diese nach wie vor nur 35 Prozent der Verwaltungsräte in 89 betrachteten Unternehmen, doch bei den Neubesetzungen machen sie wie schon im Vorjahr einen Anteil von 41 Prozent aus.

"Pool an Schweizer Führungskräften ist ausgefischt"

"Beim Schilling-Report 2015 werden wir wohl mehr ausländische Konzernchefs zählen als schweizerische", sagte der Verfasser der Studie. Bei international ausgerichteten Unternehmen suche man schlicht die Besten, und das weltweit. "Nestlé zum Beispiel hatte seit 1923 keinen Schweizer CEO mehr", so Schilling.

Der Nahrungsmittelgigant mit wenig Wertschöpfungsanteil in der Schweiz suche seine Top-Kader in denselben Gefilden wie ebenfalls komplett international ausgerichtete Konkurrenten namens Kraft Foods oder Unilever. Aber auch kleinere Schweizer Unternehmen müssten immer mehr jenseits der Grenzen suchen.

"Der Pool an Schweizer Führungskräften ist ausgefischt", lautet Schillings Fazit. Allerdings gelte dies nur, wenn man die Verfügbarkeit männlicher Bewerber anschaue. Aus Schillings Sicht sind Frauen mit einem Anteil von fünf Prozent in den Geschäftsleitungen und zehn Prozent in den Verwaltungsräten immer noch frappant untervertreten.

Frauen untervertreten, Deutsche auf dem Rückzug

Prominente Frauen in der Unternehmensführung wie ABB-Schweiz-Chefin Jasmin Staiblin oder auf Präsidentensesseln wie im Falle Nayla Hayeks, die seit dem Tod ihres Vaters Nicolas Hayek den Verwaltungsrat von Swatch führt, sind immer noch selten. Dabei seien Frauen in Führungspositionen besonders gut ausgebildet, sagte Schilling.

Dass er bei den Neubesetzungen in den Geschäftsleitungen 2010 immerhin 13 Prozent Frauen gezählt hat, ist für Schilling ein positives Zeichen. Dennoch: "Frauen werden noch lange untervertreten sein", so seine These.

Weil Deutschlands Wirtschaft mit beeindruckenden Wachstumsraten aufwartet, suchen sich die dortigen Manager wieder vermehrt Führungsjobs im eigenen Land. 2009 hatten noch 42 Prozent der Konzernchefs in der Schweiz einen deutschen Pass, 2010 waren es nur noch 39 Prozent.

Obwohl sie immer noch die grösste Gruppe bei den ausländischen Führungskräften stellen, ging der Anteil der Deutschen in Geschäftsleitungen von 32 auf 30 Prozent zurück. Bei den neu berufenen Mitgliedern der Konzernführungen fiel der Anteil der Deutschen gar von 41 auf 30 Prozent, wie Schilling ermittelte.

(tno/laf/sda)

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