Urs E. Schwarzenbach (54) schätzt Diskretion über alles. Obwohl er in letzter Zeit als neuer Besitzer von Wahrzeichen der Schweizer Luxushotellerie («Suvretta House», St. Moritz, «Dolder», Zürich) ins Rampenlicht gerückt ist, sind nur zwei Dinge über ihn mit Sicherheit bekannt: Er hat sehr viel Geld, und er gibt es mit beiden Händen aus. Der Sohn eines mittelständischen Druckereibesitzers in Küsnacht ZH lebt in Grossbritannien und in der Schweiz – und taucht in beiden Ländern in den Reichsten-Listen auf.

Schwarzenbach sammelte als Juniorhändler bei der SBG erste Erfahrungen im Devisenhandel und machte sich Ende Siebzigerjahre selbstständig. Seine in Zürich domizilierte Firma Intex Exchange ist noch immer das Herz seiner Geschäfte. Das Rätsel um die für Branchenkenner schwer nachvollziehbaren Milliardengewinne aus dem Devisenhandel könnte nur Schwarzenbach selber lösen, aber Interviews gibt er aus Prinzip keine.

Wesentlich weniger dezent ist Schwarzenbach beim Geldausgeben. Zum Beispiel betreibt er ein Polo-Team («Black Bears»), für das er nach eigenen Angaben einen «siebenstelligen Dollarbetrag» im Jahr ausgibt. Er pilotiert seinen eigenen Sikorsky-Helikopter und sammelt Immobilien und Ländereien – ob in St. Moritz, Schottland oder in Australien, der Heimat seiner Frau Francesca, eines ehemaligen Models, mit der er zwei erwachsene Kinder hat. Seinen Einstieg ins Hotelgewerbe sieht Schwarzenbach «primär als Hobby», so ein Vertrauter. «Er ist zufrieden, wenn seine Häuser im operativen Geschäft kein Geld verlieren.»

Der Jass-Klub
Auf einem Botschaftsempfang entdeckte ein Grüppchen Exilschweizer eine unerwartete Gemeinsamkeit: die Freude am helvetischen Nationalspiel. Daraus ging eine Londoner Jass-Runde hervor, die an Prominenz ihresgleichen sucht. An der Seite von Urs Schwarzenbach spielen Bruno Spinner, Schweizer Botschafter in London, Anton Mosimann, Starkoch an der Themse, und Werner Peyer, bis vor kurzem Direktor Private Banking bei der Coutts Bank und demnächst bei der UBS in Zürich.

Die London-Connection
In St. Moritz, seiner Wahlheimat, sieht Urs Schwarzenbach die Ausgangsbasis für die schönen Seiten des Lebens, unter anderem den Polo-Sport. Damit verbunden sind erstklassige gesellschaftliche Kontakte, etwa zu Prince Charles. Enger befreundet ist der Devisenhändler gar mit dem jüngsten Sohn der Queen, Prince Edward, und dessen Frau Sophie. Die beiden waren seine Gäste in St. Moritz, und als Edwards Filmproduktionsfirma der Bankrott drohte, griff ihm Schwarzenbach unter die Arme. Sein langjähriger Freund, der englische Stararchitekt Norman Foster, baut im Auftrag des Schweizers ein Apartmenthaus in St. Moritz und projektiert den Umbau des «Hotels Dolder in Zürich. Engadin-Fan Foster schwebt regelmässig in Schwarzenbachs Jet in Samedan ein. Interessant ist auch die Beziehung zu Christopher Hanbury, mit dem Immobiliensammler Schwarzenbach einen luxuriösen Jagdsitz in Schottland erworben hat. Der Offizier a.D. verwaltet die britischen Besitztümer des Sultans von Brunei. Zu diesem Potentaten soll Schwarzenbach enge Beziehungen pflegen, ebenso zu dessen mittlerweile in Ungnade gefallenem Bruder Jefri, der Ende Neunzigerjahre Milliarden in den Sand gesetzt hat. Auch Gianni Agnelli aus dem Fiat-Clan soll zu Schwarzenbachs Grosskunden zählen.

Die Sportskameraden
Nirgendwo sonst vermischen sich Schwarzenbachs Londoner und Schweizer Kreise derart wie im exklusiv-exzentrischen Cresta Club. Eine enge Beziehung verbindet ihn zum Beispiel mit dem Präsidenten des St. Moritz Tobogganing Club, Viscount Bledisloe, einem renommierten Londoner Anwalt und Mitglied des britischen Oberhauses. Aus dem Cresta-Zirkel stammt neben Gunter Sachs auch Clifton Wrottesley, ein junger Mann aus bester, aber nicht mehr ganz so vermögender Familie und seit neustem Schwarzenbachs Schwiegersohn. In Salt Lake City schlitterte der Skeleton fahrende Lord als Vertreter Irlands nur knapp an der Bronzemedaille vorbei. In St. Moritz gilt Schwarzenbach als tragendes Mitglied der kosmopolitischen Society und ist regelmässiger Gast an den einschlägigen Prominenten-Feten. Umgekehrt pflegt er auch Freundschaften zu Einheimischen, etwa zum Bauunternehmer Marco Pitsch. Wirtschaftsanwalt Thomas Rinderknecht ist langjähriger Polo-Freund. Gemeinsame Spielerfahrung verbindet Schwarzenbach auch mit den Zürchern Adriano Agosti (Immobilien) und Piero Dillier (Wirtschaftsanwalt).

Die Getreuen
In der Schweiz umgibt sich Schwarzenbach mit einer Truppe von Mitarbeitern und Geschäftspartnern, denen er sich zum Teil seit seiner Jugend in Küsnacht verbunden fühlt. Alte Freunde sind die Brüder Christian und Martin Candrian. Mit Letzterem, dem Pächter der Zürcher Bahnhofrestaurationsbetriebe, ist Urs Schwarzenbach in den vergangenen Jahren gross ins Hotelbusiness eingestiegen. Zu den engsten Vertrauten gehört auch der Anwalt und Krimiautor Ulrich Kohli alias James Douglas. Er sitzt im Verwaltungsrat von Schwarzenbachs Schweizer Firmen und tritt auch schon mal als dessen Sprecher auf. Schwarzenbachs Mann in St. Moritz ist der Architekt Heinz Reber. Neuerdings für den Devisenhändler tätig ist auch der Engadiner Jurist Diego Schwarzenbach; die beiden sind nicht verwandt. Getreue Verbündete sind auch die Architekten Werner Oberholzer und Daniel Brüschweiler, die für Schwarzenbach unter anderem seine Küsnachter Villa umgebaut haben. Zum Freundeskreis zählt schliesslich auch der Galerist Bruno Bischofsberger.

Die Widersacher
Gegner schuf sich Schwarzenbach bisher vor allem durch seine Leidenschaft fürs Bauen. Die Nachbarn an seinem Wohnort im lauschigen Thames Valley bei London setzten sich erbittert gegen den Ausbau des Heli-Landeplatzes auf Schwarzenbachs Anwesen zur Wehr. Wortführer der Heli-Gegner, die ihren Kampf schliesslich vor Gericht verloren, war Raymond Baxter, eine englische TV-Legende. In St. Moritz zieht Schwarzenbach zurzeit mit seiner «Chesa Futura» Unmut auf sich. Der einheimische Architekt Werner Wichser etwa nannte den Ufo-förmigen Bau öffentlich «katastrophal». Für Stirnrunzeln sorgt auch die Tatsache, dass Schwarzenbach für das Projekt in Rekordzeit eine Baubewilligung erhalten hat.
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