Als Suzanne Thoma Anfang 2013 an die Spitze der BKW gesetzt wurde, war ihr Auftrag klar: den drittgrössten Stromkonzern der Schweiz auf die Energiewende einzuschwören. Der Ausstieg aus dem Atomstrom und die verstärkte Ausrichtung auf Energiedienstleistungen sind längst beschlossene Sache.

Doch die Neuorientierung hat sich nur teilweise in den Köpfen der bisherigen Manager festgesetzt. So griff die Mutter zweier ­erwachsener Töchter zum Zweihänder und räumte in den Führungsetagen auf. Die Konzernleitung wurde praktisch völlig ausgetauscht, was unter den mehr als 3000 Mitarbeitern zu ­Unruhe führte. «Unruhe kann auch positiv und kreativ sein», sagt Thoma. «Schliesslich sind es auch unruhige Zeiten für die Strombranche.»

Beim Umbau macht sie nicht einmal halt vor dem Team Konzernentwicklung. Die 52-Jährige hat jüngst den Leiter und seine fünf Mitarbeiter entlassen. Erst vor einem Jahr hatte sie ihn selbst an Bord geholt.

Thoma gilt als Schnelldenkerin und Analytikerin, die auch harte Entscheide nicht scheut. Solche Eigenschaften sind beim Konzern gefragt, denn die Transformation wird Jahre dauern und hohe Summen verschlingen. Derweil lässt sich mit der Produktion von Elektrizität auf absehbare Zeit kein Geld mehr verdienen. Ein Spagat, der besonderes Geschick erfordert.

Die Mitstreiter

Der BKW-Verwaltungsrat steht hinter Suzanne Thomas Kurs, allen voran VR-Präsident und BDP-Nationalrat Urs Gasche, aber auch die bernische Energiedirektorin Barbara Egger. In der fast komplett ausgewechselten Geschäftsleitung sitzen Thoma-Vertraute wie ­Monica Dell’Anna, die den Geschäftsbereich Markt leitet, und der frühere Alpiq-Mann Renato Sturani, zuständig für erneuerbare Energien und Effizienz. Ebenfalls von Alpiq kommt die neue Generalsekretärin Antje Kanngiesser.

Lob erhält Thoma von den SP-National­räten Eric Nussbaumer und Roger Nordmann, zwei Strippenziehern der Energiewende im Parlament. Immerhin will die BKW als erste Stromproduzentin einem AKW den Stecker ziehen. «Sie ist mutig und hat den Befreiungsschlag gewagt», sagt Nordmann. «Aber sie hat Glück, dass sie mit Gasche einen vorwärtsgewandten Präsidenten hat.»

Applaus erhält Thoma auch von Swisscleantech-Präsident Nick Beglinger. Das Verhältnis zu Energieministerin Doris Leuthard beschreiben Beobachter als respektvoll und professionell. Bei der Energiewende ziehen die beiden Frauen am selben Strick. Thoma hat sich gegen Frauenquoten ausgesprochen, macht sich aber dennoch stark für mehr Frauen in Führungsgremien. Sie ist auch Mitglied im Netzwerk von GetDiversity von Barbara Rigassi. Thoma sitzt zudem im von Daniel Hirschi präsidierten Schaffner-Verwaltungsrat sowie im Verwaltungsrat der Beckers Group.

Die Gegner

Ihre härtesten Widersacher sind die gut organisierten AKW-Gegner, allen ­voran der vom Anwalt Rainer Weibel vertretene Verein Mühleberg-Verfahren. Mitglied sind unter anderem die von Regula Rytz präsidierten Grünen. 2012 hat sich gar die Stadtberner Regierung unter der Leitung von Alexander Tschäppät entschieden, dem Verein beizutreten, der dem AKW auf juristischem Weg den Stecker ziehen wollte.

Radikaler war das Komitee rund um Franziska Herren, das per Initiative forderte: «Mühleberg vom Netz». Und zwar sofort. «Der Abstimmungskampf hat mich viele Stunden gekostet», sagt Thoma. Aber letztlich hat sie ihn gewonnen. Die Berner sagten im Mai mit 64 Prozent Nein. Innerhalb des BKW-Konzerns war Geschäftsleitungsmitglied Samuel Leupold ihr Gegenspieler im Rennen um den Chefposten. Auch hier siegte Thoma, und Leupold verliess die Firma.

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