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PKZ-Chef auf Vormarsch

Olivier Burger: Den 59-jährigen hat der Expansionshunger gepackt. (Bild: Anni Katrin Elmer)

PKZ, Paul Kehl, Burger, Blue Dog: Olivier Burger ist der Modezar der Schweiz. Nun vereinfacht er sein Imperium – und ist damit bereit für neues Wachstum.

Von Iris Kuhn-Spogat
26.11.2013

Während die Zürcher Bahnhofstrasse im Glanz von «Lucy» edel glitzert, lanciert Olivier Burger bei Feldpausch mit neongelben Preisschildern eine Schnäppchenjagd. Das Geschäft an der Bahnhofstrasse 88 wird geschlossen und umgebaut. Es soll im Frühling schöner, moderner, ergänzt um ein Restaurant, wieder eröffnet werden.

Der Umbau ist mehr als ein reines Facelifting: Der Name Feldpausch wird aus der Schweizer Modeszene verschwinden. Und – wie alle anderen Feldpausch-Filialen auch – in PKZ Women umbenannt. Für Burger ist das ein weiterer Schritt in der Vereinfachung der Struktur seines weit verzweigten Modeimperiums mit 50 PKZ-, Paul-Kehl- und Burger-Geschäften. Verabschieden wird er sich auch von Blue Dog: Bis auf den einen Laden im Zürcher Shopville wird das hippe Blue-Dog-Sortiment in seine anderen Geschäfte integriert.

Hinter allem steckt der Expansionshunger des 59-Jährigen. Als Herrenbekleider ist er bereits die Nummer eins im Land, mit Damenmode ist er auf dem Vormarsch, und mit Thelook.com hat er den grössten Schweizer Onlineshop – und ist sehr erfolgreich. Umsatz 2013: plus 35 Prozent. Im Sinn der Vereinfachung benennt er aber auch dieses Geschäft um. Ab nächstem Jahr heisst es nur noch Pkz.ch.

Die Verbündeten

Seinen Aufstieg zum Zürcher Modekönig hat Olivier Burger vor allem der Zusammenarbeit mit starken Partnern zu verdanken, allen voran Claus-Dietrich Lahrs, CEO von Hugo Boss, Alexander Gedat, Chef von Marc O’Polo, sowieMarc-Cain-Lenker Helmut Schlotterer. Sie sind für ihn mehr als nur Lieferanten und Geschäftspartner – und Burger ist für sie mehr als ein gewöhnlicher Händler: Dank Brands wie diesen ist Burger das biedere Papa-kann-zahlen-Image von PKZ losgeworden, er konnte den Umsatz von 50 auf 200 Millionen hochschrauben und das Filialnetz mit heute 50 Läden fast verdreifachen. Dank den Erfolgen, die Burger mit den Marken in der Schweiz gelandet hat, hat er die Labels insbesondere auch bei Händlern im ­Ausland begehrenswert gemacht. Sehr gut ist Burgers Verhältnis auch mit Gildo Zegna, dem Capo des italienischen Edelschneiders Ermenegildo Zegna.

Geht es um Strategiefragen, hält Burger die Zügel fest in der Hand: Er bestimmt, wohin er seinen Konzern steuert. Sein Unternehmen hält er entsprechend schlank, sein Verwaltungsratsgremium ist nur ein Trio mit ihm als Präsidenten sowie Claude Lambert und ­Bruno Bencivenga als Mitgliedern. Den Navyboot-Gründer Bencivenga kennt Burger seit mehr als 20 Jahren. 2011 holte er ihn zu sich in den Verwaltungsrat, zusammen mit Lambert, Anwalt bei Homburger und wie Burger Mitglied der Zürcher Zunft zur Schiffleuten.

Die Widersacher

Mit je einem grossen Feldpausch-, PKZ- und Burger-Laden ist Olivier ­Burger unbestrittener Platzhirsch an der Zürcher Bahnhofstrasse. Aber er ist nicht der einzige. Zu den stärksten Konkurrenten im Kampf um Kundschaft gehören Stefan Portmann und Thomas Herbert, die die Modehauskette Schild geschickt auf modern getrimmt und vor kurzem an Globus verkauft haben. Das Warenhaus erzielt dank dieser Akquise nun einen Umsatz von einer Milliarde Franken und überflügelt alle, auch Konkurrent ­Pierre Brunschwig, CEO der Brunschwig Holding, der das Luxus-­Modehaus Grieder gehört. Last but not least steht Burger auch im Wettstreit mit Isy Gablinger und dessen Nach­kommen. Die Gablingers besitzen das Modehaus Modissa. Ihr Flaggschiff an der Bahnhofstrasse 74 ist nur einen Steinwurf vom Feldpausch-Bau entfernt, wird ebenfalls neu gestaltet – und ergänzt um ein Restaurant im Laden.

Die Schweiz-Connection

Olivier Burger lüftet regelmässig den Kopf aus. Im Winter gern mit Marco Illy, Leiter Investment Banking Schweiz der Credit Suisse. Mit ihm unternimmt er Skitouren. Seinen Freund Hans Syz, Präsident von Maerki Baumann, trifft Burger, stolzer Besitzer von Sagace, einem siebenjährigen Hengst, regelmässig hoch zu Pferd. Den «Verdingbub»-Produzenten Peter Reichenbach, ­einen Schulfreund, trifft er gerne für eine Partie Skat. Verbringt Burger das Wochenende mit der ­Familie im Ferienhaus in der Westschweiz, sammelt er seine Gedanken beim ­Fliegenfischen.

Die Karriere

Rechnen hat Olivier Burger in St. Gallen gelernt, wo er erst mit 1000 Franken im Monat kutschieren musste und dann, nachdem er durch Zwischenprüfungen gefallen war, mit 800 Franken. Den Detailhandel kennt er von der Pike auf: Sein Vater Walter Burger führte PKZ in der dritten Generation. Als frischgebackener lic. oec. stand der Junior beim deutschen Modehändler Peek & Cloppenburg (P&C), dessen Inhaber James Cloppenburg jr. mit Burgers Vater befreundet war, erst einmal als Verkäufer im Laden, ­bevor er zum Abteilungsleiter aufstieg und als solcher nach Kanada geschickt wurde. Kaum war er zwei Jahre später ­zurück am Hauptsitz in Deutschland, bat ihn sein Vater zu PKZ. Seit 1995 CEO und Mehrheitsbesitzer, gehört ihm das Unternehmen mit 700 Mitarbeitern heute ganz. Mit dem P&C-­Patron Harro Uwe Cloppenburg sowie mit dessen Söhnen Hendrik, John und Patrick Cloppenburg ist er bis heute ­beruflich und freundschaftlich eng verbunden.

Die Familie

Seit zehn Jahren ist Olivier Burger zum zweiten Mal verheiratet. Seine Frau Hilda Burger-Calderón ist Präsidentin des Komitees des Swiss Red Cross, das an der diesjährigen Gala im «Dolder Grand» über 700 000 Franken für einen guten Zweck gesammelt hat. Aus erster Ehe hat Burger zwei Söhne, 24 und 22 Jahre alt. Beide Junioren marschieren in Vaters Fussstapfen: Der eine studiert derzeit in Boston Entrepreneurship, der ältere verdient sich bei der Zürcher The Wooster Company die Sporen ab. Wooster verkauft Damenmode online, zudem offline in einer Boutique an der Zürcher Gold­küste sowie in einem umgebauten Greyhound-Bus, der auf dem Areal von «Frau Gerolds Garten» in ­Zürich West steht.

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