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Machtnetz 
Peter Nobel: Der Anwalt

Peter Nobel: Selbst Anwälte ­suchen seinen Rat, wenn sie selbst unter Druck stehen.  Keystone

Er ist Doyen der Wirtschaftsanwälte, ein Schöngeist und galanter Kommuni­kator. Peter Nobel ist schon da, wenn andere erst Witterung aufnehmen.

Von Leo Müller
10.06.2014

Mit dem Militärvelo radelt der Herr Professor gemütlich der Limmat entlang. Man könnte denken, er brauche seine Zeit, bis die Dinge in Schwung kommen. Doch seine Kollegen und Mitbewerber in der Anwältezunft müssen immer wieder frustriert eingestehen: Peter Nobel ist schon da. Es gibt kaum einen namhaften Rechtsfall, in dem er nicht auf der einen oder anderen Seite als Rechtsberater an den Strippen zieht. Mal liefert er entscheidende Gutachten, mal berät er die Juristen in den Rechtsdiensten der Konzerne, mal verhandelt er diskret im Hintergrund oder operiert als Schiedsrichter. Ob im Skandalfall um den ehemaligen Notenbankpräsidenten Philipp Hildebrand, für den beratungsbedürftigen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, in den kniffligen Fällen von Datendiebstahl bei Geld­instituten, beim Abwickeln der Bank Wegelin oder im US-Steuerfall der Credit Suisse – Nobel ist dabei. Und selbst Anwälte ­suchen seinen Rat, wenn sie selbst unter Druck stehen.

Der Rechtsprofessor, Jahrgang 1945, ist emeritiert, aber noch immer müssen die Studenten mit seinen Standardwerken büffeln. «Die Bücher haben mir viel gebracht», sagt er. «Wenn man ein Thema zur Buchreife bringt, dann ist man auch firm darin.» Friedrich Dürrenmatt malte einst ein Porträt mit Nobels Charakterkopf. Der schlichte Titel: Der Wirtschaftsanwalt.

Die Freunde

Peter Nobels Netzwerk in Finanzwelt und Konzernen, Wissenschaft und Kunst ist unüberschaubar. Aktuell hat die Verbindung mit Urs Rohner, dem VR-Präsidenten der Credit Suisse, und Romeo Cerutti, dem geplagten Chefjuristen der CS, eine besondere Bedeutung. Die beiden Bankjuristen haben es gerade nicht leicht, und Nobel hilft ­ihnen aus dem Hintergrund. Nicht nur mit fachlichem, sondern auch mit freundschaftlichem Rat. Freundschaften wie diese überraschen nicht, schliesslich passen sie in das Netzwerk des juristischen Kraftwerks, das in seinem Advokaturbüro an der Zürcher Dufourstrasse viel Energie produziert.

Seine Energie-Tankstelle ist der Akademische Sportverband ­Zürich (ASVZ) mit den Anlagen beim Zoo. Dort lernte er Herbert ­Keller kennen und schätzen, Medizinprofessor und Neurologe an der Klinik Hirslanden. «Er ist mein medizinisches Gewissen», sagt Nobel.

Ein enger Freund ist der Steuerrechtsprofessor Robert Wald­burger, wie Nobel ein Hochenergie-Jurist, der ihm zum 60. Geburtstag eine Festschrift widmete. Ebenso Thomas Held, Ex-Chef des Think Tanks Avenir Suisse, und Michael Ringier, dessen Medienhaus er den Start ins Anwaltsleben verdankt. Mit dem Verleger verbindet ihn das Interesse für die bildende Kunst. Seine Sammlerleidenschaft: Plakat- und Pressekunst.

Die Gegner

Nobel ist ein Marktführer in seinem Gewerbe, daher ist der Kollegen-Neid nicht fern. Seine Konkurrenten verweisen natürlich auf Streitfälle, die er verloren hat. Das kommt vor, auch Staranwälte können hin und wieder scheitern. Doch veritable Schlammschlachten mit fiesen PR-Tricks und verdeckten Operationen über die Medien musste er nie durchstehen. Jedenfalls begegnet er ­seinem Konkurrenten Hans Caspar von der Crone an der Universität ­Zürich mit Respekt. Etwas ruppiger verliefen hingegen die akademischen Revierkämpfe an der Universität St. Gallen, als er dort mit Robert Waldburger den verknüpften Studiengang in Law and Economics aufbaute. Gegner Rainer Schweizer, ein Völker- und Staatsrechtler, fürchtete, dass die Disziplin zur Hilfswissenschaft für die Ökonomie verkomme. Nur ein Nobel-Gegner rächte sich auf öffentlicher Bühne: Intendant Christoph Marthaler präsentierte den Anwalt 2003 als böse Karikatur in seinem Stück «Groundings», einer Groteske über die Wirtschaftswelt. Marthaler hatte sich zuvor mit Nobel angelegt, als dieser noch als VR-Präsident des Schauspielhauses waltete.

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