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Peter Meier: Der Musterschüler

Peter Meier hat bei Kuoni Rückenwind.  PR

Peter Meier ist überraschend zum Kuoni-Chef aufgestiegen. Nun muss der ­Finanzexperte mit Hang zur Akribie zeigen, dass seine Wahl keine Notlösung war.

Von Karin Kofler
01.04.2014

Man könnte «April, April» sagen: Nach neun Monaten erfolg­loser Suche nach einem neuen CEO beförderte der Kuoni-Verwaltungsrat Mitte März Peter Meier (48), den Finanzchef und CEO ad interim, in das Amt. Und dies, obwohl Meier ein Interesse stets dementiert hatte. Warum er doch noch einwilligte, bleibt sein Geheimnis. Klar ist: Das Interregnum hat ihn auf den Geschmack gebracht. Und ganz so uneitel, wie er sich gibt, ist Meier nicht: Schon einen Tag nach seiner Ernennung zum Interims-Chef von Kuoni klebte an seinem Büro laut Quellen das Schild «CEO». Auch auf den Visitenkarten fehlte das «a.i.». Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?

Jetzt hat Meier jedenfalls die Chance zu zeigen, dass er mehr ist als der eng denkende «Finänzler». Der Reisemarkt steckt in einem fundamentalen Umbruch, der Kampf um Margen und Kunden ist beinhart. Deshalb stieg Kuoni jüngst aus verlustbringenden europäischen Reisemärkten aus. Meiers Rezept für den neuen Job: akribische Vorbereitung. Der Manager überrascht immer wieder mit seiner Sattelfestigkeit. Sein souveräner Auftritt am jährlichen Managementmeeting des Kuoni-Kaders letztes Jahr überzeugte auch Skeptiker. Auch die Zahlen für 2013 geben ihm Rückenwind: Der Konzern schreibt wieder schwarz, und der Aktienkurs kletterte in den letzten Monaten.

Die Vertrauten

Peter Meiers Weg zum CEO begann mit einer Lehre bei der Schweizerischen Volksbank. Ihn reizte der Einstieg ins Berufsleben, weshalb er nach einem kurzen Ausflug ins Gymnasium wieder zurück in die Sek in Greifensee ging und sich dort bald für ­Aktien und Obligationen interessierte. Nach der KV-Lehre folgten eine Reihe von Weiter­bildungen: die HWV, das Diplom als Controllingexperte und später der MBA an der früheren GSBA-Schule (heute Lorange Institute) in Horgen sowie in New York. Nach ­Studienabschluss reiste Meier ein Jahr lang mit seiner Frau um die Welt und suchte danach mit wenig Geld in der Tasche eine ­Anstellung. Jürg Hauser, der damalige CFO von Sulzer Chemtech, gab ihm die Chance als Controller, und so ­begann sein langer Aufstieg beim Industrieriesen Sulzer. Zu seinen ­Förderern gehört auch Fred Kindle, der ebenfalls bei Chemtech ­anfing und später Chef von Sulzer Industries bzw. Konzernchef ­wurde. Mit Kindle steht Meier auch heute noch in Kontakt. Nach verschiedenen Stationen bei Chemtech – unter anderem in den USA, wo er zwei Jahre weilte – wechselte Meier 2004 als Finanzchef zu Sulzer Metco. 2007 dann der Höhepunkt: die Beförderung zum Finanzchef und Mitglied der Konzernleitung von Sulzer. 2010 wechselte er zu Kuoni, wo er zum Aufstieg aufs oberste ­Podest ansetzte.

Die Gegner

Meier ist nicht einer, der aneckt, obwohl er zu allem eine klare Meinung hat. Deshalb sind Feinde rar. Auf die Wiener Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf, die den Angriff auf Sulzer mitverantworteten, ist er allerdings nicht gut zu sprechen. Für ihn sind das «Raider ohne nachhaltige Interessen», ­während er für Viktor Vekselberg Respekt empfinden kann, weil dieser eine ­industrielle Vision und Strategie verfolge. Beim Reiseriesen Kuoni machen dem neuen Konzernchef Leute wie Darren Huston, CEO des Internetriesen Priceline.com, zu dem auch die beliebte Plattform Booking.com gehört, das Leben schwer. Diese Online-Plattformen haben in den letzten Jahren massiv Kundschaft gewonnen, zulasten der traditionellen ­Reiseveranstalter.

Die Industrie-Connection

Peter Meier war 15 Jahre bei Sulzer. Dort sind auch seine stärksten Verbindungen. Mit Ex-Sulzer-Präsident Ulf Berg und dem damaligen CEO Ton Büchner verband ihn der spektakuläre unfreundliche Angriff des russischen Investors und heutigen Sulzer-Grossaktionärs Viktor Vekselberg und von dessen umstrittenen Wiener Mitinvestoren. «Der Fall hat mir gezeigt, dass man nicht zu hohe Erwartungen an einen Job ­haben soll, denn es kann ganz anders ­kommen», so Meier, der – kaum im Amt als CFO – Tag und Nacht im Krisenmodus arbeitete. Büchner hält viel von Meier und hat ihm nach der Ernennung zum ­Kuoni-Chef sofort gratuliert. Auch mit dem Sulzer-CEO aus den ­neunziger Jahren, Fritz Fahrni, ist Meier befreundet.

Die Kuoni-Achse

Meier ist erst seit gut drei Jahren bei Kuoni. Wirklich nah ist ihm gemäss Aussagen von Konzernkennern niemand. Sein Auftritt ist freundlich, aber distanziert, manchmal etwas besserwisserisch. Das kumpelhafte Verhältnis, das die partyfreudigen Touristiker verbindet, ist nicht sein Ding. Im VR ist er Dave Schnell, dem Präsidenten des Audit-Komitees, verbunden. «Er nimmt seinen Job sehr ernst. Das schätze ich», lobt Meier. Auch zum künftigen ­Präsidenten Heinz Karrer hat er einen guten Draht. Mit Noch-Präsident Henning Boysen kann es jeder gut. Meiers Vertrauter in der Konzernleitung dürfte Thomas Peyer, der neue CFO, werden. Mit diesem arbeitete er schon bei der Akquisition des Online-Spezialisten GTA eng zusammen. Belastet, aber professionell ist das Verhältnis zum Leiter des traditionellen Reisegeschäfts, Stefan Leser, der selbst Kandidat für den CEO-Job war und charakterlich der pure Kontrast zu Meier ist. Der stille Schaffer Rolf Schafroth, zuständig für Global Travel Services, dürfte eher auf seiner Wellenlänge funken.

Die Familie

Peter Meier trennt Berufliches und Privates strikt. Daher mag er auch nicht über seine Familie, mit der er in Winterthur lebt, reden. Mit Ehefrau Claudia, die im sozialen Bereich und somit in einer komplett anderen Welt als ihr Mann tätig ist, verbindet ihn die Leidenschaft fürs Reisen. Eben war die Familie mit Sohn und Tochter, 19 und 17 Jahre alt, in Indien. Die Tochter besucht das Gymnasium, der Sohn befindet sich in der Passerelle zu einem Hochschulstudium. Sport betreibt Meier nicht fanatisch, aber in dem Mass, wie es für die Leistungserbringung auf seinem Niveau nötig ist. Ski- und Velofahren, aber auch etwas Krafttraining verschaffen ihm Ausgleich.

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