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Peter Küpfer - Profi-Verwaltungsrat

Ins Herz vieler Unternehmen hat Peter Küpfer schon während seiner Zeit als Revisor geblickt. Jetzt tut er es auf höherem Niveau - als Profi-Verwaltungsrat.

Veröffentlicht 31.12.1999

Unglaublich, wie effizient ich geworden bin», sagt Peter Küpfer locker. Überfordert? «Keine Spur.» Mit 14 Verwaltungsratsmandaten eigentlich kaum vorstellbar. Wie also schafft das der diplomierte Bücherexperte? «Endlich kann ich mich aufs Wichtigste konzentrieren, brauche mich nicht wie früher um alle möglichen Tagesgeschäfte zu kümmern.» Sogar fünf Wochen Ferien pro Jahr seien möglich. Es scheint, dass der 54jährige gebürtige Basler den Traumjob gefunden hat. Obwohl seine bisherige Karriere auch nicht ohne war: Von 1973 bis 1984 Direktionsmitglied der Treuhandgesellschaft Revisuisse. Von 1984 bis 1996 im Dienste der Credit-Suisse-Gruppe, unter anderem als Chief Financial Officer bei der CS First Boston, als Mitglied der Geschäftsleitung bei der CS Holding und zuletzt als Chef der zur CS gehörenden Bank Leu. Seit Anfang 1997 ist Küpfer als selbständiger Unternehmensberater und Profiverwaltungsrat tätig.

Seine grossen VR-Mandate
Ein vielseitiger Stratege sei Küpfer, sagen viele aus seiner Umgebung. Da er praktisch in jeder Branche mit einem Mandat präsent ist, muss er das auch sein. Herrscht dort auch noch Action, ist das für ihn ein zusätzliches Zückerchen. Sei das beim Sanierungsfall Toni, wo Küpfer auf Peter Arbenz trifft, ebenfalls Profi-VR. Sei das bei Swiss Steel, die auch noch nicht über dem Berg ist, oder bei Swisscom, die kurz vor ihrem Going public steht. Bei der Kosumgüterholding Valora wird Küpfer nächstes Jahr Nachfolger von VR-Präsident Georg Krneta. Langeweile kommt auch nicht bei Oerlikon-Bührle unter der Führung von VR-Präsident Willy Kissling auf, einem Mandat, das Küpfer seinem Bekannten, dem Roche-Finanzchef Henri B. Meier, verdankt. Spannend wird etwa die geplante Verselbständigung von Bally, wo Küpfer zusammen mit Bruno Widmer, Präsident von Advico Young & Rubicam, einsitzt. Weitere Mandate hat Küpfer bei der umstrittenen High-Tech-Firma Esec, unter anderem mit Saurer-CEO Heinrich Fischer, und bei Netstal, bei der sich der Staub, aufgewirbelt durch das Hickhack zwischen Aktionärin Mannesmann und der alten VR-Crew, noch nicht ganz gelegt hat. Mit weiteren Sitzen bei Shell Schweiz, Büro Fürrer und der Karl-Steiner Holding sowie zwei Mandaten auf der Warteliste hat Küpfer, wie er selbst sagt, «jetzt genug». Bravo!

Seine Geschäftsfreunde
Auch er gehört zum wachsenden Kreis von Managern über 50, die sich ihre Zeit zwischen operativer Führung und Ruhestand als professioneller Verwaltungsrat verkürzen: Robert A. Jeker, während zehn Jahren (bis 1993) Präsident der SKA-Generaldirektion. Jeker hat Küpfer in den Verwaltungsrat der Swiss Steel geholt, den er selber präsidiert. Sehr gute Beziehungen pflegt Küpfer zu Marcel Queloz, Büro-Fürrer-Chef. Dem einstigen Primarschulkameraden hat Küpfer sein erstes VR-Mandat in dessen Firma zu verdanken. Zu seinen engen Geschäftsfreunden zählt Küpfer auch Peter Nobel, mit dem er gemeinsam im Bührle-VR sitzt.

Der Ex-Statthalter Guts
Lange Zeit galt Küpfer als Intimus und Statthalter von CS-Präsident Rainer E. Gut. 1984 holte ihn dieser in die CS, wo er schnell einmal zum inneren Führungszirkel gehörte. Und das, obwohl er einer der wenigen war, die dem Boss zu widersprechen wagten. So zweifelte Küpfer an der weltweit eingeleiteten Expansionsstrategie Guts, was ihn letztlich dazu brachte, seinen Posten als Bank-Leu-Chef zu räumen. «Jetzt ist aber Gras darüber gewachsen», sagt Küpfer heute. 1999 wird er auch wieder zwei VR-Mandate bei Banken annehmen. Bis jetzt hatte er solche wegen seiner Bankvergangenheit abgelehnt.

Seine Bank-Connection
12 Jahre war Küpfer in der obersten Führungsebene der CS dabei. Seine Gefährten damals waren Joe Ackermann, jetzt Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, und Hans Geiger, heute Professor an der Uni Zürich. Beide sind immer noch gute Geschäftsfreunde von ihm. Im Gegensatz zum Nachfolger hat Küpfer zu seinem Vorgänger bei der Bank Leu, Roland Rasi, kaum noch Kontakt, obwohl er mit ihm im gleichen Quartier aufwuchs. Von seiner Bankenzeit kennt Küpfer auch Heinz Wuffli, vor Rainer E. Gut CS-Chef und Vater von UBS-Finanzchef Peter Wuffli. Wuffli verschaffte Küpfer ein VR-Mandat bei Shell Schweiz. Jörg Neef, Ex-Pressechef bei der CS First Boston und jetzt Partner Rasis in einer Beratungsfirma, erinnert sich noch gut an Küpfer: «Ein durch und durch kompetenter Mann, der auf viel Lebensqualität achtet.»

Sein privater Kreis
Obwohl er sich mit seiner Frau Susanne ohne weiteres in sein Ferienhaus auf Sardinien zurückziehen könnte, zieht es Küpfer vor, am Puls der Wirtschaft zu bleiben, und das «noch mindestens für zehn Jahre». Peter Küpfer, 1944 in Basel geboren, ist der älteste von vier Brüdern. Hans Rudolf sitzt in der Geschäftsleitung der Bank- und Wirtschafsberatungsfirma Experta-BIL in Basel. Albert und Stefan sind als Ärzte im Tessin und in der Ostschweiz tätig. Mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Simone, 22, und Andrea, 19, lebt Küpfer heute in Zollikon. Neben Marcel Queloz ist auch Reto Donatsch, den Küpfer als seinen Nachfolger an die Spitze der Bank Leu portiert hat, mehr als nur Geschäftsfreund. Sonst aber versucht der leidenschaftliche Velofahrer, Geschäft und Privates rigoros zu trennen.

 

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