Ein Spitzenbeamter an der Spitze des Think Tanks der Wirtschaftselite? Die Wahl von Peter Grünenfelder (48) zum Direktor von Avenir Suisse mag auf den ersten Blick überraschen. Doch bei näherer Betrachtung ergibt sie durchaus Sinn: Er hat in den letzten zwölf Jahren gezeigt, dass es möglich ist, aus dem biederen Aargau einen zukunftsorientierten Kanton zu formen, der sich heute als innovativer Wirtschafts- und Forschungs­standort und international gut vernetzter Partner präsentiert.

In Zeiten, da alle Parteien von links bis rechts gerne von Rahmen­bedingungen reden, sich aber im politischen Alltag in Detail­fragen verlieren, ist die Nachfrage nach einem Strategen mit Initiative für lang angelegte Reformpläne gross. Und vielleicht ist Grünenfelder, der die Mühlen der Verwaltung und der Politik nur zu gut kennt, tatsächlich der richtige Mann, um in die Fussstapfen von Thomas Held und Gerhard Schwarz zu treten.

Grünenfelder, FDP-Mitglied, aber vor allem ein überzeugter Liberaler, soll dafür sorgen, dass Avenir Suisse künftig nicht nur Reformvorschläge präsentiert, sondern auch zeigt, wie man sie umsetzen kann. «Small but smart», heisst seine Devise, wenn es um den Staat geht. Denn der Staat spiele eine wichtige Rolle und könne viele positive Impulse setzen, aber eben nur, wenn er intelligent sei und nicht zu gross werde.

Die Mitstreiter

Avenir-Suisse-Präsident Andreas Schmid, der auch die Strategie­gremien des Flughafens Zürich und der Gategroup leitet, ist angetan von Peter Grünenfelders «Fähigkeiten als Modernisierer» und seinem «liberalen Reformelan». Überzeugt hat Grünenfelder auch den Nominationsausschuss: den Ex-McKinsey-Schweiz-Chef Thomas Knecht sowie die Präsidenten von Swiss Re, der Waadtländer KB und Clariant, Walter Kielholz, Olivier Steimer und Rudolf Wehrli.

Mit Joël Mesot, dem Direktor des Paul Scherrer Instituts, Daniel Heller, langjährigem Aargauer FDP-Fraktionschef, und dem Regierungssprecher Peter Buri kämpft Grünenfelder, den Aargau als innovativen Standort zu positionieren; mit Landammann Urs Hofmann (SP) und Alt-Bundesrat Joseph ­Deiss (CVP), der heute Alstom Schweiz präsidiert, dafür, dass Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlagert werden – und das mit Erfolg: Alstom-Besitzer General Electric hält am Standort Aargau fest.

Mit dem obersten Kantonsinteressenvertreter Jean-Michel Cina (CVP) und dem Präsidenten der Finanzdirektoren, Peter Hegglin (CVP), verbindet Grünenfelder die Überzeugung, dass der föderalistische Wettbewerb Zentralisierungen vorzuziehen ist. Mit Peter Grütter, dem einstigen Generalsekretär im Finanzdepartement unter Kaspar Villiger, sitzt er im Vorstand der Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften, mit Professor Kuno Schedler doziert er über moderne Staatslenkung an der HSG. Zudem ist Grünenfelder Mitglied im Geschäftsleitenden Ausschuss des HSG-Instituts für Public Governance, dem auch Franz Jaeger angehört.

Die Gegenspieler

Wenig Freude hat Grünenfelder an der per Ende Jahr abtretenden Bundeskanzlerin Corina Casanova, hat sie doch kürzlich den neun Kantonen des Consor­tiums Vote électronique mit bundesrätlichem Segen die Bewilligung verweigert, bei den eidgenössischen Wahlen vom 18. Oktober elektronisch abstimmen zu lassen. Einer der leidtragenden Kantone ist hierbei Grünenfelders Aargau.

Nicht gut zu sprechen ist der Staatsschreiber, welcher den Aargau als innovativen Wirtschaftsstandort positionieren will, zudem auf den Ecopop-Verein um Andreas Thommen. Als reformfreudiger Verwaltungsmanager stiess Grünenfelder auch immer wieder auf den Widerstand der bewahrenden Kräfte: Unzufrieden mit den von ihm stark mitgeprägten Aargauer Spar­paketen waren vorab Bauern und Gewerkschafter. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis er als Avenir-Suisse-Direktor mit Bauern­verbands-Präsident Markus Ritter (CVP) oder dessen Geschäftsführer Jacques Bourgeois (FDP) über den Anspruch der Bauern auf Subventionen streiten wird. Absehbar sind Differenzen mit dem Gewerkschaftsbundspräsidenten Paul Rechsteiner (SP).

Das vollständige Machtnetz lesen Sie in der aktuellen «BILANZ», erhältlich am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

Anzeige
Anzeige