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Peter Forstmoser - Schweizer Rück

Peter Forstmoser, designierter Präsident der Schweizer Rück, ist brillanter Wirtschaftsanwalt, Rechtsprofessor, Major und Entwicklungshelfer.

Veröffentlicht 31.12.1999

Peter Forstmoser ist ein Mann der Superlative. Mit 28 war er bereits Anwalt und Privatdozent, und mit 29 hatte er einen Master der Harvard University in der Tasche. Mit 56 steht der scheue, doch «einflussreichste Rechtswissenschafter» («Weltwoche») vor einem «Berufswechsel», wie er selber sagt. Im nächsten Frühjahr werden ihn die Rück-Aktionäre zu ihrem neuen Präsident wählen. Der Nachfolger von Ulrich Bremi ist nicht wie dieser (Ex-)Politiker und exzellenter Netzwerker, sondern er definiert sich in allererster Linie über Arbeit. Seine Publikationen messen sich in Laufmetern, seine Gutachten und Schiedsgerichtsakten füllen Schränke. Obwohl ihn zwei schwere Rückenoperationen zeitweise arg zurückgeworfen haben, gilt er in seiner Altersklasse als Spitzenjogger - mit Ruhepuls 50.

Seine Förderer
Seine Eltern, der Vater mit österreichischen Wurzeln und beide keineswegs wohlhabend, haben seine Ausbildung gefördert, wie sie nur konnten. An der Uni war es Professor Arthur Meyer-Hayoz; zusammen haben sie mehrere Standardwerke verfasst. Viel zu verdanken hat Forstmoser dem alten IBM-Schweiz-Chef Hans Lüthi, der ihn schon als gut 30-jährigen in den Verwaltungsrat geholt hatte. Ebenso früh wurde er von Theodor Fässler ins Aufsichtsgremium von Mikron berufen. Als langjähriger Freund gilt Ernst Basler vom gleichnamigen grossen Zürcher Ingenieurbüro; auch hier übt Forstmoser schon lange ein VR-Mandat aus. Und aktuell natürlich Ulrich Bremi. Er sei «baff» gewesen, als ihm Bremi vor wenigen Wochen seine Nachfolge bei der Rück offerierte. Nach zwei Wochen Bedenkzeit nahm er an. Welche seiner vielen Mandate er deswegen zur Verfügung stellen wird, ist noch offen. Für den CEO der Rück, Walter Kielholz, der kein Doppelmandat wie andere Wirtschaftsführer wollte, möchte er in erster Linie Sparringpartner sein. Nach bereits neun Jahren im Verwaltungsrat ist er immerhin kein Anfänger mehr.

Die Kanzlei
Seit 1972 geht der Aktienrechtler an der Zürcher Bahnhofstrasse 13 ein und aus. Hier befindet sich die Kanzlei Niederer, Kraft & Frey. Bei Forstmosers Eintritt zählte sie ein halbes Dutzend Mitarbeiter. Heute sind es über 90, davon 45 Anwälte. Die Senioren treten kaum je in der Öffentlichkeit auf. Und Fotos von ihnen haben Seltenheitswert. Die «Firma» ist für ihre Mitglieder Dreh- und Angelpunkt, was sich auch auf das Privatleben auswirkt. Gearbeitet wird praktisch Tag und Nacht; Ferien von mehr als zwei Wochen am Stück sind verpönt. Forstmosers Büro ist eine moderne Studierstube mit vielen Büchern und ausgesuchter Kunst. Was besonders auffällt: Kein Computer (der Professor ist ein Diktierspezialist), ein Stehpult aus Plexiglas sowie eine vermeintliche Eisenskulptur, die sich als zusammenlegbares Stadtvelo entpuppt (Marke «Brompton»), mit dem Forstmoser in den Rushhours den Verkehr überlistet. Er arbeitet methodisch und mit einem Pensum wie ein Leistungssportler. Das Gleiche erwartet er von seinen Mitarbeitern. Fehler toleriert er nicht. Und dennoch gilt der Professor keineswegs als Schinder; er wirkt sogar eher sanft.

Seine Rivalen
Da Forstmoser kein Machtmensch ist, findet man kaum Feinde von ihm. Scharmützel gab es mit Martin Ebner. Forstmoser hatte für die damalige SKA verhindert, dass die BZ-Bank zur «Bank in Zürich» wurde, ein Name, auf dem die Grossbank bereits die Hand hatte. Dann führte Ebners Einstieg bei Intershop zum Rauswurf von Forstmoser aus dem Verwaltungsrat, wie bei anderen auch. Zu den drei P unter den Spitzenanwälten - Peter Böckli, Peter Nobel und Peter Widmer - fal-len dem vierten P nur nette Worte ein. Weniger Freude dürfte der Rechtsprofessor Migros-Präsident Jules Kyburz mit seinen kritischen Kommentaren zur Genossenschaftsform des Grossverteilers bereitet haben. Er sieht heute bei der Migros weder die demokratische Kontrolle noch die Selbsthilfe als Genossenschaftszweck verwirklicht.

Der Entwicklungshelfer
Seit vielen Jahren spendet Forstmoser nicht nur seine Ferien, sondern beträchtliche Summen für Entwicklungshilfeprojekte in Afrika und Südamerika. Seine Stiftung Mastepe (Kürzel der Namen seiner Söhne Marco und Stefan und des eigenen) unterstützt ein Schulprojekt in Kolumbien. Die österreichische Schwester Elfriede betreut vor Ort die Anlage für 1200 Schüler. Schickten die Eltern ihre Kinder anfänglich nur widerwillig in Forstmosers Schule, kann sie sich inzwischen der Nachfrage kaum erwehren. Verstärkt hat sich aber auch der Geldfluss. Der Zürcher Anwalt konnte den ehemaligen Unternehmer und Multimillionär Heinrich Gebert gewinnen, seine Projekte zu unterstützen. Für den früheren Besitzer von Geberit konnte er auch die 220 Millionen Franken schwere Gebert Rüf Stiftung einrichten, welche den Wirtschaftsstandort und Lebensraum Schweiz stärken will.
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