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Machtnetz 
Michael Pieper: Der Zupacker

Franke Chef: Michael Pieper baut seinen Einfluss aus.  Keystone

Michael Pieper baut seine Industrie-Beteiligungen weiter aus und übernimmt von Edgar Oehler 22 Prozent der Anteile an der AFG Arbonia-Forster-Holding. Die Börse reagierte euphorisch.

Von Ruedi Arnold
09.12.2014

Der Mann ist nicht zu bremsen. Sein Unternehmen Franke ist Weltmarktführer in Küchensystemen und ganz vorn dabei bei Kaffeeautomaten und Spülbecken. Daneben hat Michael Pieper in Teakholzplantagen, Immobilien sowie ein Engadiner Res­taurant investiert, und er hält bedeutende Anteile an Rieter, Forbo, Feintool, Adval Tech und Autoneum. Und nun also auch am Bauausrüster AFG Arbonia-Forster-Holding.

Der Hauptaktionär und Ex-CVP-Nationalrat Edgar Oehler (72), der die Firma vor bald 30 Jahren übernommen hat, tritt ab. Ihm trauten die Investoren offenbar nicht mehr zu, den Konzern profitabel in die Zukunft zu führen. Jedenfalls stieg die Aktie nach der Ankündigung, dass Pieper einsteige, um 20 Prozent. Fünf bis acht Jahre gebe Pieper der AFG Zeit für nachhaltigen Erfolg, sagte er in einem Interview. «Heute Gewinn, morgen Verlust, das ist mir egal», betonte er schon vor Jahren. Er sehe Beteiligungen als Generationenwerk. Diese sind in Piepers Artemis gebündelt. Und da «läuft das Geschäft rund», schrieb BILANZ im letzten Heft, als sie Piepers Vermögen auf 3,5 bis 4 Milliarden Franken bezifferte.

Die Freunde

Mit Peter Spuhler, dem früheren SVP-Nationalrat und Besitzer von Stadler Rail, versteht sich Michael Pieper hervorragend. Beide sind am Textilmaschinenhersteller und Autozulieferer Rieter beteiligt; Pieper hält heute 11,5 Prozent der Aktien. Es waren auch diese ­beiden, die beim Börsengang des Autozulieferers Autoneum investierten, als das Unternehmen aus Rieter herausgelöst wurde. 20,3 Prozent der Aktien sind heute in Piepers Besitz. Und schliesslich sind die beiden Unternehmer auch Besitzer des Restaurants Talvo in Champfèr. Sie haben das berühmteste Restaurant im Engadin von Brigitte und Roland Jöhri gekauft.

Moritz Suter kannte Pieper schon als Gründungmitglied von Crossair und arbeitete immer wieder mit diesem zusammen. Pieper investierte, als Suter 2004 die Charterfluggesellschaft Hello gründete, die 2012 nach den Wirren des Arabischen Frühlings in Konkurs ging. Mit Suter sitzt Pieper heute noch im Verwaltungsrat der Berenberg Bank (Schweiz).

Mit Ypsomed-Präsident Willy Michel ist er im Verwaltungsrat von Adval Tech. Beide sind am Unternehmen, das Komponenten an die Automobilindustrie liefert, beteiligt, Pieper mit 21,2 Prozent. In den VR von Hero in Lenzburg holte ihn Arend Oetker, Cousin des Konzernchefs der Oetker-Gruppe, Richard Oetker. Der hatte den Schweizer Konservenhersteller 1995 erst seiner Schwartau-Gruppe einverleibt, bevor er diese durch Hero übernehmen liess.

Die Gegenspieler

Wer wie Michael Pieper ein Imperium an Industriebeteiligungen aufbaut, schafft sich nicht nur Freunde. Das musste der Unternehmer erfahren, als er 2011 durch ein öffentliches Kaufangebot die Aktienmehrheit der für das Feinschneiden von Metallteilen bekannten Feintool in Lyss BE übernahm. Deren Gründer Fritz Bösch hatte allzu lange zugesehen, wie das Unternehmen stagnierte und in den USA unglücklich operierte. Eigentlich sei Bösch ein Supertyp gewesen, sagte Pieper später, aber er hätte einen fähigen Manager einsetzen müssen. So habe es nur zwei Möglichkeiten gegeben: «Entweder Bösch oder ich.»

Gegner schaffte sich Pieper auch bei der Übernahme des Mischkonzerns Forbo 2005. Der Verwaltungsrat des Bauausstatters hätte die britische CVC Capital Partners ­bevorzugt, allen voran der Wirtschaftsanwalt Rolf Watter und Anton Bucher, heute mit seiner Holding Abbestate ein grosser ­Immobilienunternehmer. Forbo-Verwaltungsrat Pieper trat zurück, kaufte sogleich eine Aktienmehrheit, Watter und Bucher traten aus dem VR zurück. Weniger Glück hatte Pieper, als er den Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach übernehmen wollte. Die Familienaktionäre, vertreten durch Oliver Thum, zogen den Investor Viktor Vekselberg vor, obwohl der weniger geboten hatte.

Mehr über Michael Pieper lesen Sie in der aktuellen «BILANZ», erhältlich am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

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