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Mario Bonorand - Migros

Der Sprung an die Spitze der Migros-Verwaltung blieb Globus-Sanierer Mario Bonorand zwar verwehrt. Doch der ehrgeizige Solist ohne Hausmacht könnte auch künftig für Betrieb innerhalb der Migros sorgen.

Veröffentlicht 31.12.1999

Er gilt als ungeduldiges, undiplomatisches, unnahbares und manchmal auch ungehobeltes Raubein: Mario Bonorand (57), Chef des von der Migros vor drei Jahren für 700 Millionen Franken erworbenen Globus-Konzerns, wird nicht unbedingt als angenehmer Zeitgenosse empfunden. Seinen Leistungsausweis freilich kann ihm keiner nehmen. Nur drei Jahre nach dem von ihm vorangetriebenen Globus-Deal schreiben die Warenhäuser statt tiefroten wieder pechschwarze Zahlen und sollen in der ersten Hälfte nächsten Jahres zusammen mit der Möbelkette Interio an die Börse zurückkehren. Bonorand, ein Meister im Kostendrücken, schaffte das kleine Wunder praktisch im Alleingang; an dem Beizug von Unternehmensberatern, die er abgrundtief verachtet, hat er schon gar nie gedacht. Wie immer und überall setzte der Workaholic sich seine eigenen Ziele und verfolgte sie mit kompromissloser Verbissenheit. Bezeichnenderweise zählt der Globus-Chef innerhalb des Migros-Konzerns nicht zur Fraktion der Golfer, sondern verausgabt sich lieber bis aufs Letzte beim Joggen.

Die paar Vertrauten
Spitze Zungen lästern, Mario Bonorand habe innerhalb der Migros zwei Förderer gehabt: den Pierre und den Arnold. Und Arnold, der Konzernheilige, schätze seinen einstigen Berater Bonorand nicht zuletzt als seinen Datenträger, den er dem Topmanagement, von dem er wenig hält, jeweils um die Ohren schlagen könne. Mittlerweile ist die Beziehung wohl abgeflaut. Denn Arnold war gegen den Globus-Deal und hievte indirekt auch Claude Hauser in den Chefsessel der Migros-Verwaltung, auf den Bonorand aspirierte. Aber Bonorand-Freunde lassen sich ohnehin kaum eruieren. Immerhin: Mit Rechtsanwalt und Globus-VR Peter Nobel versteht er sich ebenso leidlich wie mit Thomas Kern, Chef der Globus-Möbeltochter Interio. Im Welschland sind einige Migros-Manager zudem beeindruckt von Bonorands Zahlen. Und der Tourismus-Guru Jost Krippendorf war einst von der Arbeitswut seines Assistenten ebenso angetan wie danach der frühere SBG-Chef Robert Holzach, dessen Referent Bonorand vor seinem Wechsel zur Migros war.

Die Distanzierten
Jene, die Bonorands Feinde sein könnten, betonen, es nicht zu sein. Vielmehr sind sie auf Distanz gegangen. Einer von ihnen ist Bruno Franzen. Für dessen Interhome berappte Bonorand 1989 als Hotelplan-Chef 60 Millionen, um sie der Migros-Reisetochter einzuverleiben. Weshalb es dann zum Zerwürfnis kam, weiss Franzen nicht genau. Und es interessiert ihn auch nicht mehr. Ebenfalls abgehakt hat Marcel Zumbühl die Zeit mit Bonorand. Unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung der Globus-Tiefpreiswarenhäuser ABM führten zur Trennung; bei Karl Schweris Waro-Kette fühlt Zumbühl sich heute wohl. Kein Bedauern über die Trennung von Bonorand verspürt auch Hans Peter Mahler, Ex-Chef der Globus-Bürowarentochter Office World.

Die Rebellen
Vor 20 Jahren setzte Pierre Arnold Bonorand an die Spitze von Hotelplan. Unter seiner Führung produzierte die serbelnde Reisetochter zwar den wohl grössten Devisenverlust in der Migros-Geschichte, doch Bonorand brachte Hotelplan auch wieder in Form. Noch besser gemacht hätte es vermutlich bloss Bruno Tanner. Bonorand aber hielt von den visionären Ideen seines Managers ebenso wenig wie dieser vom Führungsstil des neuen Chefs. Es kam zum Bruch, und Tanner wurde zum Wunderknaben der Reisebranche, der es als höchster Schweizer Touristiker gar in die Vorstandsetage des deutschen Giganten TUI brachte. Gegen den Widerstand von Jules Kyburz, der Marcel Zumbühl favorisierte, wurde Bonorand 1992 Chef der Migros Zürich. Die Hahnenkämpfe, die er sich mit seinem Vorgänger, dem später als Marketingchef gestrauchelten Hermann Hasen, lieferte, bleiben so unvergesslich wie die Auseinandersetzungen mit Ex-Finanzchef Beat Kaufmann.

Die Abwartenden
Offen ist derzeit, welche Rolle Bonorand künftig bei Hotelplan spielt. Denkbar ist, dass er als Nachfolger von Eugen Hunziker, der während seiner Zeit als Migros-Konzernchef mit Bonorand eine funktionierende Zweckgemeinschaft gebildet hatte, das VR-Präsidium übernimmt. Oder dass er an Stelle der neuen Migros-Marketingchefin Gisèle Girgis-Musy Delegierter der Reisetochter wird. Fest steht, dass Hunziker und Hotelplan-Chef Claus M. Niederer derzeit so etwas wie ein Dream-Team bilden. Turnaround-Manager Niederer, ein Mann mit exzellenten menschlichen Führungsqualitäten, hatte einst die darniederliegende Erdöltochter Migrol zum Blühen gebracht. Dass er auch mit Hotelplan, der vor seinem Amtsantritt fast in die roten Zahlen gerutscht war, Jahr für Jahr Rekordergebnisse ausweist, hat ihm höchste Akzeptanz verschafft. Ihm jemanden beizustellen, der ihm womöglich noch dreinredet, könnte fatale Folgen haben.

Die Machtspieler
Bonorand, ein klarer Verfechter des marktwirtschaftlichen Prinzips, der die Migros-Strukturen häufig als Wachstums- und Expansionshindernisse geisselt, wäre nach dem überraschenden Rücktritt von Jules Kyburz gern dessen Nachfolger als Präsident der Verwaltung geworden. Dass daraus nichts wurde, hat ihn in den Augen vieler resignieren lassen. Andere glauben zu wissen, dass er jetzt erst recht ein letztes grosses Ziel verfolgt: Peter Everts als Konzernchef abzulösen. Das freilich dürfte ihm ebenfalls nicht gelingen; eine Nicht-Wiederwahl von Everts käme jedenfalls einem Erdbeben gleich. Bonorand soll über Everts deshalb erbost sein, weil dieser ihm das Finanzministerium auf eine eher stillose Weise entzogen habe. Ein Migros-Topmanager bezeichnet dies schlicht als Unsinn: Die Posten als Migros-Finanzchef und Globus-Konzernchef hätten sich auf Dauer schlicht nicht vereinbaren lassen.

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