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Machtnetz von Zeno Staub: Stiller Krampfer

Auf den designierten Vontobel-CEO Zeno Staub wartet viel Arbeit: Er soll dem Private Banking wieder zu altem Glanz verhelfen.

Von Stefan Lüscher
28.01.2011
Im Dezember hat sich der Vontobel-Verwaltungsrat für Zeno Staub als neuen CEO entschieden. Der 41-Jährige, intern als zwar eher stiller, dafür hochintelligenter Krampfer beschrieben, wird im Mai die Nachfolge von Herbert Scheidt antreten, der sich dann auf den Sitz des Präsidenten zurückzieht. «In einem systematischen und sehr gründlichen Auswahlverfahren hat er auch im Vergleich mit externen Kandidaten klar überzeugt», hiess es. Staubs Wahl war keine Überraschung. Seit seinem Antritt bei Vontobel im Jahr 2001 hat der HSG-Ökonom fast alle Schlüsselpositionen durchlaufen, vom Finanzchef über den Leiter des Investment Banking bis zum Chef des Asset Managements. Einzig das Private Banking kennt er nur von aussen. Ein Manko ist auch seine fehlende Auslanderfahrung. Wäre Staub nicht zum CEO gekürt worden, hätte er Vontobel wohl den Rücken gekehrt. Dabei kann das Geldhaus die starke Hand eines Allrounders durchaus brauchen. Die Gewinnqualität ist wenig berauschend; der grösste Ertragsanteil stammt aus dem Investment Banking. Das Private Banking dagegen präsentiert sich etwas kraftlos. Doch gerade dieser Zweig wird in den nächsten Jahren stark geprägt von regulatorischen und wirtschaftlichen Veränderungen. Ob der designierte CEO hier ansetzen will, lässt er offen. Die Freunde Die enge Freundschaft zwischen Zeno Staub und Burkhard Varnholt reicht bis in alte HSG-Zeiten zurück. Varnholt hatte damals eine Stelle als Assistent, und Staub verfasste seine Doktorarbeit. Längst ist Varnholt ebenfalls ins Banking eingestiegen; der 42-Jährige gebürtige Deutsche ist heute Chief Investment Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der Basler Privatbank Sarasin. Eine weitere Beziehung reicht in die damalige Zeit zurück, nämlich jene zu Staubs Doktorvater, Professor Heinz Zimmermann. Bei Zimmermann, der damals noch einen Lehrstuhl an der Hochschule St.  Gallen hatte, promovierte Staub zum Thema «Management komplexer Zinsrisiken mit derivativen Instrumenten – Eine Anwendung des Value-at-Risk-Konzeptes». Eine Dissertation übrigens, die schon mehrmals lobend erwähnt wurde, so von Konrad Hummler, Teilhaber der Bank Wegelin. Dagegen verbindet Zeno Staub und Bjørn Johansson die Liebe zum runden Leder, genauer zum Zürcher Kickersclub GC. Headhunter Johansson hat im Jahr 2004 den Griffith-Club gegründet, den Gönnerverein des Fussballclubs GC. Und Staub, ein begeisterter GC-Fan, ist Mitglied der ersten Stunde. Die Gegner «Zeno Straub ist einer, den muss man einfach gernhaben», schwärmt Bjørn Johansson. Dennoch hat der Vontobel-Mann nicht nur Freunde. Dem frisch gekürten CEO wohl kaum allzu freundlich gesinnt ist Roger Studer; der Leiter des Investment Banking bei Vontobel habe sich, so heisst es aus dem Institut, ebenfalls um den obersten Führungsposten beworben, letztlich aber den Kürzeren gezogen. Studer jedoch, der sich einige Chancen ausgerechnet habe, gilt als sehr ehrgeizig. Einer der schärfsten Rivalen aus den Reihen der Mitbewerber vom Finanzplatz Zürich ist Boris ­Collardi, Chef der Bank Julius Bär. Zunehmend Druck spürt Staub auch von ­Jacques de Saussure, Senior-Teilhaber bei Pictet, sowie von Patrick Odier, Senior Partner bei LODH; beide Genfer Privatbanken sind deutlich grösser als Vontobel – und erfolgreicher im Private Banking. Die Banken-Connection Während des Studiums an der HSG hat Zeno Staub mehrmals bei der St.  Galler Privatbank Wegelin gearbeitet. Viel profitiert habe er dabei von Konrad Hummler, einem der Teilhaber. Durch ihn lernte er das Banking schätzen. Die beiden sind Freunde geblieben. Einen guten Draht unterhält Staub zu Bruno Gehrig, Verwaltungsrat bei UBS und Roche sowie Präsident der Swiss. Bei ihm schrieb er einst seine Diplomarbeit zum Thema ­«Eigenmittelvorschriften auf Marktrisiken». Innerhalb der eigenen Bank kann Staub auf solide Rückendeckung zählen. Mit ­Herbert Scheidt arbeitet er seit acht Jahren ohne Reibungsverluste zusammen. Der ­designierte Präsident Scheidt habe sich für Staub starkgemacht. Auch bei Hans ­Vontobel scheint er gut anzukommen; denn ohne das Plazet des Grand Old Man, ­dessen ­Familie die Mehrheit hält, geschieht im Hause nichts von Belang. Ein wichtiger Teil von Staubs Seilschaft ist Felix Lenhard, Leiter Operations; die beiden kennen sich aus den Tagen der von Staub mitgegründeten Firma Almafin. Die Karriere Nach dem Wirtschaftsstudium an der HSG und dem Doktorat ging Zeno Staub unter die Jungunternehmer. Zusammen mit Stefan Jaeger, Sohn des Politikers Franz Jaeger, gründete er 1994 die Informatikfirma Almafin. Als sich Jaeger zunehmend für Beratung, Staub dagegen für Softwareentwicklung begeisterte, wurde die Firma aufgeteilt. 2000 verkaufte Staub sein Unternehmen an die BZ Informatik. Unter dem Präsidenten Martin Ebner arbeitete er einige Monate mit. 2001 begann Staubs Karriere bei der Bank Vontobel als Leiter der Stabsstelle des Finanzchefs. 2003 wurde er zum Finanzchef befördert und nahm in der Gruppenleitung Einsitz. Drei Jahre später übernahm Staub das Investment Banking, seit 2008 ist er Leiter Asset Management. Die Familie Zeno Staub ist mit Vera Kupper (43) verheiratet. Seine Frau hat ebenfalls Wirtschaftswissenschaften studiert, allerdings in ­Zürich, und für ihre Dissertation über ­Asset Liability Management für Privatin­vestoren den Doktorhut erhalten. Bis vor kurzem arbeitete sie bei der Pensionskasse der Stadt Zürich als stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsleitung und Anlagechefin. Kupper will nun stärker in die Politik einsteigen; sie kandidiert bei den Wahlen vom April für die CVP als Zürcher Kantonsrätin. Die ­Familie komplettieren zwei Töchter im Alter von neun und elf Jahren. Zeno Staub kocht in seiner Freizeit gerne. Sonst liest er Wälzer über die Weltgeschichte; er hätte sich durchaus vorstellen können, statt Ökonomie Geschichte zu studieren.
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