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Machtnetz von Ueli Haldimann: Der Unscheinbare

Im SRG-Personalchaos ist Ueli Haldimann ein sicherer Wert. Bewährt er sich als Interims-TV-Chef, hat er gute Chancen, oben zu bleiben.

Von Susanne Mühlemann
03.07.2009

Beim letzten Streich in seiner Ära hat SRG-Generaldirektor ­Armin Walpen Schiffbruch erlitten. Sein Verwaltungsrat schickte die Pläne zur Zusammenführung von Radio und Fernsehen zur Überarbeitung zurück. Und Walpen pochte auf personelle Entscheide, bevor das Profil des neuen «Superdirektors» für Radio und TV klar definiert war. Der scheidende Radiodirektor Walter Rüegg hat den Job deshalb abgelehnt. Dann hat auch Kandidatin und TV-Direktorin Ingrid Deltenre entnervt das Handtuch geworfen. Walpen brachte einen raschen Entscheid zu ihren Gunsten nicht durch. Das personelle Chaos ist perfekt. SRG-Chef wie TV-Chefin treten ab.

Im Rennen um den Job des Superdirektors für Radio und TV ist wieder alles offen, und TV-Chefredaktor Ueli Haldimann (55) ist in die Pole Position gerutscht. Der Stellvertreter Deltenres ist als Interims-TV-Chef gesetzt. Macht er seine Sache gut, dann ist er valabler Kandidat für die neue Position. Sein Manko: Der grosse Auftritt liegt ihm nicht, und als Manager muss er sich erst beweisen. Doch der erfahrene Journalist ist mit dem Unternehmen und dem Metier vertraut, publizistisch eine Referenz und strategisch nicht zu unterschätzen. Den Posten als TV-Chefredaktor hält sich Haldimann jedenfalls warm. Seine Rückkehr sei nicht unmöglich, liess er in einem Schreiben an die SF-Mitarbeitenden durchblicken.

Job-Gerangel

Erster Konkurrent im Gerangel um den Superdirektoren-Job ist ­Radio-Chefredaktor Ruedi Matter. Der langjährige Wirtschafts-chef beim deutschen N-TV und ehemalige Ringier-Mann bringt breite Erfahrung in allen Medienbereichen mit. Kritisiert wird er als etwas zu gewiefter Verkäufer in eigener Sache. Der designierte Radio-Chef Iso Rechsteiner hegt offenbar keine Ambitionen auf den Job. Dafür liebäugelt FDP-Nationalrat und Ex-TV-Chefredaktor Filippo Leutenegger neben dem Amt des Superdirektors auch mit der Nachfolge von SRG-Chef Armin Walpen. Insider meinen, er verbaue sich durch den Lärm um seine Kandidatur gleich selber den Weg. Unklar im derzeitigen personellen Kuddelmuddel ist, ob Walpen bei der Besetzung des Superdirektors noch mitmischt oder erst Walpens Nachfolger. Haldimann hat klargemacht, dass er keinerlei Absichten auf den frei werdenden Posten Walpens hegt. Aussichtsreicher Kandidat als SRG-Chef ist Bakom-Direktor Martin Dumermuth. Der Jurist ist profunder Kenner der Materie, öffentliches Profil hat er jedoch nicht. Auch Axpo-Chef Heinz Karrer wird als Nachfolger Walpens gehandelt. Fraglich ist, ob er sein lukratives Wirtschaftsmandat und den Kampf für ein neues AKW aufgeben möchte. Gute Chancen hat der welsche TV-Direktor Gilles Marchand, fachlich top und als Romand auch politisch opportun. Allerdings ist Marchand als Radio- und TV-Chef Romandie vorgesehen.

Seine Widersacher

Über seine Sturheit in beruflichen Streitfragen schütteln selbst beste Kollegen den Kopf – etwa im Fall um den Schönheitschirurgen Peter Meyer-Fürst und eine versteckte «Kassensturz»-Kamera. Die Affäre um ein Falschzitat von Christoph Blocher («Holocaust-Opfer sind ja tot – die gibt es nicht mehr») hat Haldimann den Job als «SonntagsZeitungs»-Chefredaktor gekostet. Er glaubte seinem Redaktor und verteidigte dessen Version so beharrlich, bis Verleger Hans Heinrich Coninx den Rausschmiss anordnete. Blocher hat Haldimann die Affäre nicht nachgetragen und ihm später sein Bedauern über die Folgen ausgesprochen. Das Verhältnis zur SVP aber bleibt gestört. Die Parlamentarier Toni Brunner, Maximilian Reimann und Ulrich Giezendanner machen mobil gegen den Aufstieg des «Ultralinken» Haldimann. In der Zeit bei Tamedia musste sich Haldimann bei Hans Vontobel entschuldigen, die «SonntagsZeitung» hatte dem Bankier Stasi-Aktivitäten angedichtet.

Sein Netzwerk

Zum ehemaligen WG-Genossen Peter Bodenmann hat Haldimann kaum Kontakt. Der Ruf des Altlinken hängt ihm so hartnäckig an wie der des introvertierten Einzelgängers. Dabei arbeitet Haldimann konsequent daran, ihn abzulegen. Er kontaktiert längst über Parteigrenzen hinweg, etwa die CVP-Vertreter Urs Schwaller oder ­Kathy Riklin. Auch an seinem Wirtschaftsnetzwerk hat Haldimann gearbeitet. Regelmässig lud er Wirtschaftsführer zu informellen Diskussionsrunden mit dem TV-Team. So hatte man etwa Daniel Vasella oder Marcel Ospel zu Gast. Einen guten Draht hat Haldimann zu CS-Präsident Walter Kielholz. Mit Peter Kurer pflegte er in dessen Zeit als UBS-Präsident Kontakt und bewog ihn zu TV-Auftritten, etwa am World Economic Forum. Als Moderator ist Haldimann nicht begnadet, die Auftritte in WEF-Diskussionsrunden bleiben als verunglückt in Erinnerung.

Seine Förderer

Beruflicher Wegbereiter der ersten Stunde war der ehemalige TV-Chefredaktor Peter Studer. In seiner Zeit als «Tagi»-Chef versorgte Studer den jungen Journalisten Haldimann mit Aufträgen. Jürg Wildberger machte Haldimann in der Startphase des TV-Erfolgsformats «10vor10» zu seinem Stellvertreter. Der frühere TV-Direktor Peter Schellenberg hielt grosse Stücke auf Haldimann und holte ihn nach dem Rausschmiss bei Tamedia als Newskoordinator zum Fernsehen zurück. Das gute Verhältnis zur scheidenden Chefin Ingrid Deltenre basierte auf gegenseitigem ­Respekt, ein Zweckbündnis zwischen Managerin und Programmprofi, in dem jeder wusste, was er am anderen hatte.

Sein Privatleben

Als Snowboarder der ersten Stunde steht Haldimann immer noch gern auf dem Brett. Am liebsten in Arosa, wo er ein Ferienhaus besitzt. Er verbringt auch im Sommer viel Zeit in den Bergen und geht zudem gerne auf Rucksackreisen. Im vergangenen Herbst etwa war er mit seiner Tochter in Indien.1981 heiratet er eine Französin, in der Zwischenzeit hat sich das Paar getrennt. Das Verhältnis zu den gemeinsamen Kindern, 26 und 24 Jahre alt, bleibt eng. Seit acht Jahren ist Haldimann mit der Kauffrau Prisca Aklin liiert.

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