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Machtnetz von Rudolf Matter: Der Konvergenz-Mann

Der neue SRF-Superdirektor Rudolf Matter gilt als stiller Schaffer. Nun muss er zuerst einmal fusionieren – und dann sparen.

Von Marc Kowalsky
02.07.2010

«Ruedi ist eigentlich fröhlicher, als er rüberkommt», sagt ein Weggefährte über den zukünftigen Superdirektor der fusionierten Radio- und Fernsehanstalt SRF. In der Tat gilt Rudolf Matter als stiller Schaffer: sachlich, analytisch stark, pragmatisch, gradlinig. Doch es ist auffällig, wie wenig auch jene über ihn wissen, die seine Wahl begrüssen – und das sind die meisten in der Fernseh- und Politszene. Wofür er politisch oder journalistisch steht, ist unklar, denn Matter gilt als eigenwillig, schwer fassbar und unnahbar. «Fast autistische Züge» attestiert ihm gar ein ehemaliger Arbeitskollege. Das ist für den ­divendurchsetzten Fernsehbetrieb doch untypisch.

Seit dem letzten Jahr steuert Matter, zusammen mit ­Hans­ruedi Schoch, Chefredaktor SF, das Konvergenzprojekt zur Zusammenlegung von Radio- und Fernsehstrukturen in der Deutschschweiz, was ihn für den Job prädestinierte. Die Umsetzung der Fusion im ganzen Land wird seine erste ­Priorität im neuen Job sein, daneben, in Zusammenarbeit mit dem neuen Generaldirektor Roger de Weck, das Erreichen von schwarzen Zahlen. Der 56-jährige Baselbieter wird sie sich ­zusammensparen müssen: Den Wunsch nach einer Erhöhung der Radio- und Fernsehgebühren hat der Bundesrat gerade erst abgelehnt.

Die Freunde

An der Zürcher Uni lernte der Geschichtsstudent Rudolf Matter den späteren DKSH-Chef Adrian Keller und dessen Schwester Anne ­Keller, Präsidentin des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft, kennen. Mit ihr und ihrem Mann Werner Dubach, dem ehemaligen Besitzer der Brauerei Eichhof in Luzern, ist er bis heute befreundet. Zum Freundeskreis gehören auch Ronnie Bernheim, Besitzer von Mondaine Watch, der abtretende Avenir-Suisse-Chef Thomas Held sowie der Schweizer «Weinpapst» Philipp ­Schwander. Sein kulturelles Interesse verbindet Matter mit dem Intendanten des KKL, Michael Haefliger, und dem Filmregisseur Christian von Castelberg, einem seiner engsten Vertrauten. In seiner Zeit in Berlin lernte Matter Charles Blankart schätzen, VWL-Professor an der Humboldt-Universität und Bruder von Ex-Staatssekretär Franz Blankart. Für ein derart politisches Amt ist Matter bemerkenswert wenig vernetzt in Bern. Bei gelegentlichen Zugfahrten mit Moritz Leuenberger beschränkt sich der Austausch auf eine kurze Sendekritik. Immerhin: Mit SVP-Nationalrat Caspar Baader ging Matter ebenso ins Gymnasium wie mit Adrian Ballmer (FDP), Finanzdirektor des Kantons Baselland. SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer war Arbeitskollegin bei der «National-Zeitung».

Die Weggefährten

In seiner ersten SRG-Zeit produzierte Matter die Vorabendsendung «Karussell» und arbeitete dort zusammen mit Moderator Kurt Aeschbacher, dem Unternehmer Branco Weiss sowie dem Werber und zukünftigen Berater Kaspar Loeb. Später, bei Cash TV, traf er auf Peter Bamert, den heutigen Denner-Chef, sowie auf Ingrid Deltenre, die spätere DRS-Direktorin und heutige Chefin der European Broadcasting Union in Genf. Mit seinem zukünftigen Vorgesetzten, SRG-Generaldirektor Roger de Weck, ging Matter bereits zu gemeinsamen Berliner Zeiten gelegentlich zum Abendessen, ebenso mit Privatfernseh­pionier Roger Schawinski, der damals Sat1-Chef war. In seiner Funktion als NTV-Redaktionsleiter war Matter auch für die Börsenberichterstattung zuständig. Aus dieser Zeit stammt sein bis heute guter Draht zu Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse. Auch den NTV-Besitzer und CNN-Gründer Ted Turner bekam er gelegentlich zu Gesicht.

Die Widersacher

Als der damalige Fernsehdirektor Peter Schellenberg die Absetzung von «Karussell» beschloss, machten sich Matter und sein Redaktionsteam in Satirebeiträgen darüber lustig. Das Verhältnis der beiden war daraufhin für Jahre angespannt. Filippo Leutenegger war einst Konkurrent, als Matter mit Cash TV gegen dessen Sendung «Netto» antrat, und wieder im Rennen um den Job des Superdirektors. Nun sind Fernsehdirektor Ueli Haldimann und Radio­direktor Iso Rechsteiner seine grössten Problemfälle: Beide bewarben sich um die Stelle. Durch die Fusion werden ihre Positionen überflüssig. «Ich hoffe, dass die Unterlegenen im Hause bleiben», sagt Matter. «Sie sind gestandene Journalisten, die ich lieber bei uns weiss als woanders.»

Die McKinsey-Zeit

Anfang der neunziger Jahre bewarb sich Matter für eine Stelle bei McKinsey und wurde vom damaligen Schweiz-Chef (und späteren CS-Boss) Lukas Mühlemann engagiert. Fortan kümmerte er sich in verschiedenen Projekten um die Kommunikation und die Öffentlichkeitsarbeit von McKinsey. In dieser Zeit arbeitete Matter auch mit dem späteren UBS-Chef Peter Wuffli zusammen. Dabei verdiente er sich rasch den Respekt der Beraterkollegen. Sein Gastspiel bei McKinsey dauerte kaum ein Jahr. Dennoch: «Er hat Spuren hinterlassen», sagt ein Partner. Mit dem langjährigen Schweiz-Chef Thomas Knecht steht er bis heute in Kontakt. Die McKinsey-Alumni trifft er regelmässig zum Abendessen.

Die Familie

Rudolf Matter gehört zum Basler Matter-Clan. Thomas Matter, Gründer der Swissfirst Bank, ist ein Coucousin. Der «Robin Hood des Aargaus», Bernhard Matter, der 1854 als Letzter im Kanton geköpft wurde, ist sein Urururgrossonkel. Seine Frau Claudia lernte er beim European Business Channel kennen. Gemeinsam haben sie drei kleine Kinder: die Tochter Sophia sowie die Zwillinge Louisa und Ruben. Matter hat sich als ausgezeichneter Hobbykoch einen Namen gemacht: Nach dem Abgang bei der SRG 1988 arbeitete er sogar eine Sommersaison lang als zweiter Koch in einem Restaurant in Pany GR, das in dieser Zeit seine Punktezahl im «Gault Millau» von 13 auf 14 ausbauen konnte.

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