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Machtnetz von Roger Federer: Spiel, Satz und Sieg

Bild: Jürgen Hasenkopf / EQ Images

Er mag zwar nur noch die Nummer drei im Tenniszirkus sein; beim Verdienen aber ist Roger Federer die Nummer eins – und bleibt es auch auf Jahre hinaus.

Von Stefan Lüscher
14.06.2011

Er hat in seiner bisherigen Karriere so ziemlich alle Rekorde im Tennis gebrochen. Der Glanzpunkt: 16 Grand-Slam-Titel, zwei mehr als Pete Sampras. Im August feiert Roger Federer seinen 30. Geburtstag, ein stolzes Alter im Spitzentennis. Doch jüngst an den French Open, wo er sich erst im Final ­geschlagen geben musste, hat der Schweizer bewiesen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört; er ist fit, spielt ein körperschonendes Tennis und greift Ende Juni in Wimbledon wieder an. «Wenn Federer keine grössere Verletzung erleidet, kann er noch bis ins Alter von 34 oder 35 Jahren auf dem aktuellen Top-Niveau spielen», sagt René Stauffer, Sportjournalist und Federer-Biograf.

Damit werden für einige Zeit auch weitere Millionen in ­Federers Schatulle fliessen. Allein an Preisgeldern kassierte der 29-Jährige bisher 63 Millionen Dollar. Dazu kommen weit über 100 Millionen aus Werbe- und Sponsorverträgen. 2010 hat Federer gemäss «Sports Illustrated» 62 Millionen Dollar verdient. Auch wenn er künftig weniger einstreicht, kann er sein Bankkonto bis zu einem Rückzug locker um weitere 200 Millionen äufnen. Federer mag zwar im ATP-Ranking die Nummer drei sein. Unter den bestverdienenden Tennisstars bleibt er an der Spitze. Rafael Nadal, die Nummer eins, hat 2010 mit 27 Millionen nicht einmal halb so viel verdient.

Die Freunde

Von klein auf drehte sich Roger Federers Leben um Tennis. So kam es, dass fast alle seine Freunde ebenfalls ein Racket schwingen. Kumpel aus alten Tagen sind Yves Allegro und Michael Lammer. Mit ihnen hat er im Tenniszentrum in Biel gewohnt. Auch ein Freund aus der Jugendzeit ist Marco Chiudinelli; die beiden haben Tennis wie auch Fussball und Videospiele miteinander gespielt. Ihre Eltern wurden ebenfalls Freunde, als die Chiudinellis nach Münchenstein BL in die Nachbarschaft der Federers zogen. Zu Federers engsten Bezugspersonen zählt Reto Staubli, langjähriger Trainingspartner und einstiger Schweizer Meister.

In engem Kontakt steht der Schweizer zu seinem ehemaligen Idol Pete Sampras; er schlug den Amerikaner 2001 im Achtelfinal in Wimbledon, seither sind sie Freunde. Sie veranstalten Schaukämpfe und tauschen via SMS Fotos ihrer Kinder aus. Zur Entourage gehört Severin Lüthi, Captain des Davis-Cup-Teams. In Federers VIP-Loge lässt sich gerne die Prominenz blicken, so Brad Pitt, George ­Clooney oder Gwen Stefani. Zur guten Freundin geworden ist Anna Wintour; die Chefin der US-«Vogue» lädt das Ehepaar Federer zu Modeschauen ein und berät den Tennisspieler in Stilfragen. Seit dem Sexskandal abgekühlt ist dagegen Federers Beziehung zum Golfcrack Tiger Woods.

Die Familie

Das Unternehmen Federer ist eine Familienfirma. Etwas ausgeklinkt vom Tagesgeschäft hat sich Ehefrau Mirka Federer-Vavrinec; sie kümmert sich vor allem um die Zwillingstöchter Charlene Riva und Myla Rose, ­koordiniert aber immer noch Termine. Mutter Lynette Federer hilft bei der 2003 ins Leben gerufenen Roger Federer Foundation mit – CEO ist Janine Händel – und erledigt die Fanpost. Vater Robert Federer ist ebenfalls aktiv in der Stiftung, ­daneben betätigt er sich im ­Sportbereich. Im Hintergrund hält sich dagegen die ältere Schwester, Diana Federer, eine Krankenschwester.

Die Gegner

Roger Federer gilt unter Tennisspielern als «Nice Guy mit Killerinstinkt» («The Times»). Einzig Pat Cash, australischer Wimbledonsieger von 1987, heute TV-Kommentator und Kolumnenschreiber, giftelt seit Jahren. Aktuell nicht gut zu sprechen auf den Schweizer ist Halle-Turnierdirektor Ralf Weber; Federer hat kurzfristig seinen Auftritt in Deutschland abgesagt, obwohl er dort seit Jahren das Zugpferd ist.

Sonst findet Federer seine Widersacher auf dem Platz. Sein grösster Gegenspieler ist Rafael Nadal; gegen ihn hat er am meisten Spiele verloren. Dennoch sind die beiden Freunde, sie veranstalten Schaukämpfe und lassen die Gewinne ihren Stiftungen zukommen. Zunehmend stärker wird Novak Djokovic; er stand lange Jahre im Schatten von Federer, weshalb er nicht allzu gut auf den Basler zu sprechen ist. Roger Federer hat gegen drei Generationen von Tennisspielern gekämpft. Zur älteren Generation zählt Andre Agassi. Einer der grossen ­Rivalen war Andy Roddick. Auch am Argentinier David Nalbandian hat sich Federer lange die Zähne ausgebissen.

Die Wirtschafts-Connection

Lange galt Federer, obgleich höchst erfolgreich, international als wenig attraktiver Werbeträger. Sogar den Grossbanken war die damalige Nummer eins jahrelang keinen Franken wert. Zwar führt sich CS-Chef Brady Dougan heute so auf, als ob Federer schon seit langem das Aushängeschild seines Instituts wäre; das Geldhaus allerdings zahlt für PR-Dienste des Tennisstars erst seit 2009. Der Durchbruch gelang Federer, als 2005 Tony Godsick von IMG die Vermarktung übernahm. Von Cleveland aus hat er seither dicke Werbeverträge an Land gezogen. Millionen wert ist Federers Saubermann-Image Emanuel Probst, Chef der Kaffeemaschinenfirma Jura, Ernst Tanner vom Schokoladekonzern Lindt & Sprüngli, Rolex-Chef Riccardo Marini oder Bob McDonald, Boss von Procter & Gamble und damit auch von Gillette. Der Königs-Coup aber gelang Godsick 2008, als er mit Phil Knight, dem Gründer des Sportartikelherstellers Nike, einen angeblich 130 Millionen Dollar schweren Ausrüstervertrag abschloss.

Die Karriere

Mit drei Jahren begann Klein Roger, Tennis zu spielen. Kaum acht geworden, wurde er von Adolf Kacovsky und Peter Carter trainiert. Mit 16 Jahren verliess Federer die Schule und konzentrierte sich aufs Tennis. Sein Début in der Profitour gab er 1998 in Gstaad. Zwei Jahre später wurde der Schwede Peter Lundgren als neuer Trainer verpflichtet. Dennoch verstrichen drei Saisons, bis Federer 2003 in Wimbledon seinen ersten Grand-Slam-Sieg, gegen Mark Philippoussis, feiern konnte. Monate später wurde Lundgren durch Tony Roche ­ersetzt. 2004 setzte sich der Schweizer an die Weltranglistenspitze, die er bis August 2008 nicht mehr abgab. Den letzten Grand-Slam-Titel holte er sich in Australien Anfang 2010. Eine Schlüsselfigur in seiner Karriere ist Pierre Paganini; der Westschweizer betreut Federer seit über zehn Jahren als Fitnesstrainer.

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