Von der KV-Stiftin zum «Gesicht des Jahres» zum international gefragten Topmodel und zur Unternehmerin – die Karriere von Nadja Schildknecht ist wechselvoll. Entsprang ihr Erfolg einst ihrer Schönheit, basiert er heute auf hartnäckiger Arbeit. 2005 gründete die damals 32-jährige Zürcherin mit Karl Spoerri die Spoundation Motion Picture, die das Zurich Film Festival (ZFF) veranstaltet. Erklärtes Ziel: junge Talente entdecken, fördern und mit Cracks aus dem Filmgeschäft zusammenbringen.

Daraus geworden ist eines der wichtigsten Nachwuchsfestivals Europas mit eindrücklicher Entwicklung nur schon bei den Besucherzahlen: 8000 waren es 2005, über 40 000 sollen es dieses Jahr sein. Schildknecht managt als Co-Direktorin die kommerziellen Belange des Events. Sie akquiriert und pflegt Sponsoren – Audi, Credit Suisse, USM und Co. steuern rund 80 Prozent des Fünf-Millionen-Budgets bei –, leitet das Marketing, die Finanzen und ist PR-Chefin.

Aus dem Duo Schildknecht/Spoerri entstand ein KMU mit 11 Angestellten und 15 Freelancern, aus dem Topmodel eine Geschäftsfrau und aus dem bescheidenen ZFF ein Ereignis, das in Sachen Glamour und Publizität hierzulande in die erste Liga aufgestiegen ist: 2011 mit 200 Regisseuren, 80 Sponsoren, über 80 Filmen, 54 Apéros, 10 Partys, 4 grossen Galas.

Die Freunde

Aller Anfang ist schwer – Nadja Schildknecht kann ein Lied davon singen: Stolpersteine, Skeptiker, Neider. Aber nicht nur: Stefan ­Sager und Philippe Täschler, Lenker der Kitag-Gruppe, haben ihr als Erste ein Kino zur Verfügung gestellt. Bei der Sponsorensuche war Alexander Schärer, CEO von USM, von Anfang an dabei. Auch Ernesto Larghi, Markenchef von Hauptsponsor Audi Schweiz, war rasch überzeugt. Zu den Early Supporters gehört Werber Frank ­Bodin. Mit ihm hat sich Schildknecht in Werbefragen beraten; dieses Jahr hat sie ihn gar mit der ZFF-Werbekampagne betraut. Wichtig, aber stets im Hintergrund: der Zürcher Unternehmer Thomas Sterchi, seit 2009 Festival-Teilhaber. In der Donor-Stiftung – mit Filmcrack This Brunner als Präsident und illustren Mitgliedern wie Carolina Müller-Möhl und Dieter Meier – kommt das Geld herein, mit dem die Filmschaffenden nach Zürich eingeladen werden.

Die Konkurrenten

Anfänglich rümpften viele die Nase ob des Models mit KV-Abschluss, das sich als Managerin produziert. Selbst die Stadtoberen von Zürich waren skeptisch. Umso mehr ­geniesst Schildknecht heute den Stimmungswandel. Ihr Triumph: Erstmals wird das Festivalzentrum im Herzen Zürichs aufgebaut, auf dem Sechseläutenplatz, wie sie es sich seit Jahren wünschte. Und: Sie hat geschafft, dass der Schlussabend des ZFF heuer im honorablen Zürcher Opernhaus über die Bühne geht.

Das Zurich Film Festival tritt im Kampf um Stars, Premieren, Besucher und den Nachwuchs gegen etablierte Events an. Das Zürcher Schaffen war dem einstigen Direktor des Filmfestivals Locarno, Marco Solari, ein Dorn im Auge und ist es auch dem jetzigen, Olivier Père: Nachwuchsförderung wird nun jedenfalls auch im Tessin wieder grossgeschrieben. Auf neue Talente hat es explizit auch Diana Iljine, seit diesem Sommer Chefin des Filmfests München, abgesehen.

Die Stars

Das Zurich Film Festival lockt jedes Jahr mit grossen Namen: Stephen Frears, Danny DeVito, Morgan Freeman, Oliver Stone, Sylvester Stallone, Milos Forman. Die Prominenz ihrerseits wird angelockt mit Trophäen wie dem «Tribute»-Award für Lebenswerke und dem «Goldenen Auge» für starken Nachwuchs. Die Granden im Filmgeschäft bescheren dem Event einen Grossandrang der nationalen und internationalen Medien. Für mit Abstand am meisten Publicity sorgte Roman Polanski, der vorletztes Jahr bei seiner Ankunft in Zürich verhaftet wurde. Dieses Jahr sind der zweifache Oscar-Preisträger Sean Penn und Starregisseur Paul Haggis ­angekündigt. Wie ihre Vorgänger werden sie in sogenannten Master Classes dem Nachwuchs Red und Antwort stehen.

Die Familie

Schildknecht wuchs in Langnau am Albis auf. Die wenige freie Zeit, die sie habe, verbringe sie am liebsten mit ihrer Familie. Sie ist die ­Lebenspartnerin von Urs Rohner, seit diesem Jahr VR-Präsident der Credit Suisse und als solcher durch die Attacken der US-Steuerbehörden aufs Härteste gefordert. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, der wochentags von seiner Grossmutter und einer Nanny betreut wird.

Der Junior, Leon, Jahrgang 2008, ist nicht nur Teil von Schildknechts Leben, sondern auch kleiner Teilhaber an ihrem Unternehmen: Er ist als solcher seit 2009 im Handelsregister eingetragen.

Die Karriere

Bereits als Model gründete sie ihre eigene PR-Agentur. Später moderierte sie bei den Privatsendern MTV und 3+ («Supermodels»). Nun ist sie full-time für das Filmfestival unterwegs.

Mit Karl Spoerri, «dem Wichtigsten von ­allen», fing alles an: 2004 holte er das ­Digitalfilmfestival Onedotzero von London nach Zürich und veranstaltete es zusammen mit ihr; daraus entstand das ZFF. Mit dem Festival sind auch Spoerri und Schildknecht gross geworden – jeder auf seinem Gebiet. Spoerri ist für das Filmprogramm und die geladenen Regisseure verantwortlich, ­alles andere managt Schildknecht.

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