Niemand kann Michelle Obama übersehen, wenn sie einen Raum betritt. Fast 1,80 Meter gross, durchtrainiert, beinahe herb in ihrer Attraktivität. Ein Zug «Leg dich besser nicht mit mir an» um den Mund, leidenschaftliche Intelligenz in den Augen. Sie glaubt an harte Arbeit, an ihre Familie, an sich. Anders als Barack Obama ist Michelle nicht im sonnigen Hawaii und in Indonesien aufgewachsen. Sie hat Rassismus und Diskriminierung erlebt wie viele Schwarze in den USA.

Dennoch: Es sei eine geborgene Kindheit in Chicago gewesen, die ihr die Kraft gegeben habe, Träume zu träumen und Ziele zu erreichen, die ihr niemand zugetraut hätte. Wenn sie heute von der «dringenden Notwendigkeit eines Wandels» spricht, von der «kaputten Welt», die sie so nicht ihren Kindern übergeben wolle, und von der auf Barack gesetzten Hoffnung, die Welt zu versöhnen, dann übertrumpft sie damit sogar ihren rhetorisch begabten Mann. Und wenn dieser am 20. Januar auf den Stufen des Kapitols in Washington steht und als erster schwarzer Präsident der USA den Amtseid ablegt, ist das wohl auch ihr Verdienst. Innerhalb des Obama-Teams nennt man sie nicht umsonst «The Closer». Jetzt wird sie helfen müssen, das «Produkt Obama» zu verkaufen: ihren Landsleuten und dem Rest der Welt.

DIE VERTRAUTEN
Mit Präsidententochter Caroline Kennedy und Arnold Schwarzeneggers Ehefrau Maria Shriver warb Michelle Obama um die Stimmen der amerikanischen Wählerinnen. Zur Schauspielerin Whoopi Goldberg hat sie nicht erst ein gutes Verhältnis, seit sie im Sommer in deren Talkshow «The View» auftrat. TV-Star Oprah Winfrey ist eine enge Freundin der Familie, die Multimillionärin hat mit grossen Spenden den Wahlkampf Obamas befeuert.

«Vogue»-ChefredaktorinAnna Wintour gehört ebenfalls zum Kreis der Vertrauten wie Iman, das frühere Supermodel. Mit ihrer Kommilitonin Angela Acree verbindet sie seit ihrem Studium in Princeton eine innige Freundschaft. Zwei Vertraute aus alten Tagen wurden dem Wahlkampf ihres Mannes indes fast zum Verhängnis: der radikale Pastor Jeremiah A. Wright jr., der sie und Barack einst traute und die beiden Töchter der Obamas taufte, und Antoin Rezko, von Korruptionsvorwürfen geplagter Immobilienmogul.

IHRE FEINDE
Nicht alle sind begeistert von Michelles selbstbewusster Art. Maureen Dowd, Kolumnistin der «New York Times», kritisierte ihren Wahlkampfstil als «entmannend». Den grössten Fauxpas erlaubte sie sich, als sie bei einer Wahlkampfveranstaltung sagte: «Zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben bin ich stolz auf mein Land.» Konservative Meinungsmacher wie Rush Limbaugh oder Sean Hannity heulten gequält auf und versuchen seither, ihr den Stempel einer afroamerikanischen Radikalen aufzudrücken und sie in die Nähe von Malcolm X oder Louis Farrakhan zu rücken. Verschmerzen können wird Michelle Obama indes die Kritik von Frédéric Prinz von Anhalt, dem Ehemann von Leinwandlegende Zsa Zsa Gabor. Dieser hatte die zukünftige Präsidentengattin als «Waschweib» tituliert und sie eines «Rassismus gegen Weisse» bezichtigt.

DIE KARRIERE
Nach dem Studium an der Eliteuni Princeton machte Michelle bei Professor Randall Kennedy an der Harvard University ihren Master in Jura. 1988 kehrte sie in ihre Heimatstadt Chicago zurück und arbeitete in der Anwaltskanzlei Sidley Austin, wo sie ihren späteren Mann kennen lernte. 1990 wechselte sie auf Drängen ihrer Freundin Valerie Jarrett, später Vorsitzende der Chicago Stock Exchange, ins Büro des demokratischen Bürgermeisters von Chicago, Richard Daley. Ab 2005 leitete sie als Vizepräsidentin die Universitätsklinik von Chicago. Während des Wahlkampfes erhielt sie eine intensive Schulung in öffentlichem Auftreten durch Parteiberater David Axelrod. Als First Lady wird sie ihre Rolle finden müssen – von der zupackenden Eleanor Roosevelt über die elegante Jackie Kennedy bis zur einflussreichen Hillary Clinton reicht die Palette ihrer Möglichkeiten.

DIE FAMILIE
Im Elternhaus von Michelle LaVaughn Robinson herrschten sehr einfache Verhältnisse. Vater Fraser war ein kleiner städtischer Angestellter, der trotz Erkrankung an multipler Sklerose kaum einen Tag am Arbeitsplatz fehlte. Mutter Marian kümmerte sich um den Haushalt und die Erziehung von Michelle und Bruder Craig Robinson, der seit kurzem das Basketballteam der Oregon State University trainiert. Michelle Obama und ihr Mann haben zwei Töchter, Malia Ann (10) und Natasha (7), genannt «Sasha». Ihr erster Eindruck von ihrem zukünftigen Gatten war schlecht, sie hielt ihn für «etwas streberhaft und sonderlich». Trotzdem gewährte sie ihm ein Lunch-Date. Beim Kinobesuch von Spike Lees «Do the Right Thing» kam man sich näher – was die Obamas 2004 dem Regisseur mit einem Dinner dankten.

DIE HOBBYS
Ihre Vorliebe für den Modedesigner Narciso Rodriguez und dessen exzentrische Kreationen ist spätestens seit der Wahlnacht bekannt. Ansonsten mag es Michelle in ihrem Privatleben eher unprätentiös. «Man kann sehr gute Sachen online bestellen», verriet sie dem Talkmaster Jay Leno.

Mehr Wert legt die künftige First Lady auf gesundes Essen. Jahrelang sass sie im Verwaltungsrat des Nahrungsmittelherstellers TreeHouse Foods aus Westchester, Illinois. Die Firma ist spezialisiert auf Eingemachtes und Suppen. Als Barack Obama seine Kandidatur ausrief, zog sich Michelle aus der Firma zurück.

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