Er ist der Rekordhalter: 900'000 Kunden kommen hierzulande jeden Tag in die Läden des Handelskonzerns Valora, der damit die Schweiz abdeckt wie kein anderer Detailhändler. Neben den Kiosken, zu denen seit November auch die Westschweizer Naville-­Verkaufsstellen zählen, bietet Konzernchef Michael Mueller (43) seinen Kunden auch Kaffee (Spettacolo), Brezeln (Brezel­könig), Lebensmittel (Avec) oder Bücher (Press & Books) an. Neu will er in Zusammenarbeit mit der Glarner Kantonalbank sogar Kleinkredite an die vielen Verkaufsstellen bringen.

Doch noch sind die Investoren skeptisch. Zu viele Kehrtwendungen gab es in den letzten Jahren. Die Aktie dümpelt vor sich hin und liegt heute mehr als zwanzig Prozent unter dem Wert von 2005. Der Verkauf der Division Trade, der Vertrieb von ­Markenartikeln, harzt und brachte dem Konzern aufgrund von Wertberichtigungen einen happigen Halbjahresverlust.

Mueller, der als Projektmanager (Bain, Jelmoli) und Investment Banker (Goldman Sachs) erfolgreich war, muss dafür sorgen, dass der angekündigte Wandel vom Handelskonglomerat zum fokussierten Detailhändler umgesetzt wird. Mit grosser Energie treibt er die Digitalisierung voran und hat dazu eigens das Valora Lab ­gegründet, das alle digitalen Kanäle des Geschäfts bündeln soll. Nur die Anleger müssen noch daran glauben.

Die Freunde

Entscheidende Person für den Aufstieg Muellers an die Valora-Spitze war der heutige VR-Präsident Rolando Benedick. Er hatte nach dem abrupten Abgang des deutschen Valora-Chefs Thomas Vollmoeller 2012 das Doppelmandant übernommen und anschliessend Mueller als Finanzchef geholt. Vor eineinhalb Jahren setzte er Mueller als CEO ein. Bei den grossen Managementtagungen wie etwa Ende August in Berlin, als die 70 Top-Kader des Handelskonzerns zusammenkamen, war ­Benedick zwar noch präsent, doch die Strategie wird jetzt von Mueller geprägt.

Sein wichtigster Partner dabei ist Finanzchef Tobias Knechtle. Das Duo harmoniert bestens: Knechtle ist ebenfalls 43 Jahre alt und hat wie Mueller in jungen Jahren bei einer Beratung – in diesem Fall ­Boston Consulting Group – gearbeitet. Muellers Verbindung zu Valora entstand über seine vorherige Tätigkeit: Er leitete für den deutschen ­Investor Georg von Opel die Jelmoli Holding, bei der von Opel Gross­­aktionär war. Der Spross der Autodynastie hatte auch in Valora investiert.

Unterstützung aus dem Valora-Verwaltungsrat bekommt Mueller von Intersport-Schweiz-Chef Franz ­Julen, mit dem er ein enges ­Verhältnis pflegt. Eng sind auch die Bande zu SBB-Chef Andreas ­Meyer – Valora zählt zu den grössten Mietern der SBB. Was Mueller nicht davon abhält, dem Bahnchef auch mal Paroli zu bieten: Dass die SBB selbst Kaffee und Sandwiches verkauft, kritisiert er öffentlich.

Das vollständige Machtnetz lesen Sie in der aktuellen «BILANZ» (Ausgabe 18), erhältlich am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

Anzeige