Wieder einmal ist Martin Ebner mit dem Putsch bei Handyhändler Mobilezone ein Coup gelungen. Vergleichsweise bescheiden zwar, gegenüber früheren Angriffen beim Rückversicherer Converium oder einst bei «Winterthur», ABB oder UBS. Auch das Beziehungsnetz hat sich verändert. Bei den nach dem Zusammenbruch der BZ Gruppe verbliebenen Weggefährten gibt es gewichtige Abgänge zu vermelden, etwa den altersbedingten Rückzug von Kurt Schiltknecht oder den Austritt des Neffen und einstigen Kronprinzen Manuel Ebner. Hingegen stehen Ebners private Beteiligungsgesellschaft Patinex und die BZ Bank trotz Finanzkrise-Blessuren heute finanziell um einiges gesünder da als vor sieben Jahren die verschuldete BZ Gruppe. «Keine Fremdfinanzierung mehr», lautete seit dem Neustart die Devise, wie der langjährige BZ-Teilhaber Ralph Stadler betont. Mit Ausnahme der Fluggesellschaft Helvetic erweisen sich die Kernbeteiligungen wie die Immobilien­gesellschaft Intershop oder der Rückversicherer Scor als stabil und ertragsreich – ebenso nun Mobilezone. Das Umfeld für weitere Überraschungen ist jedenfalls günstig für den von Mitstreitern als clever, kompetent und im persönlichen Umgang angenehm geschilderten, von Widersachern dagegen als beinahe schon autistisch beschriebenen Financier.

DIE VERBÜNDETEN
Zum Taktieren gehört das Paktieren. Und darin hat es Martin Ebner zur Meisterschaft gebracht. Etwa als er Scor-Chef Denis Kessler die Schweizer Konkurrentin Converium in die Arme trieb oder als er mit Sergio Marchionne die Fusion von Alusuisse mit Alcoa voranbrachte. Unterstützung erhält Ebner dazu immer wieder von gewichtigen Pensionskassenmanagern, wie einst von Jürg Maurer, Ex-Chef bei der Vorsorgeeinrichtung von Rieter, oder neu von Herbert Brändli von der Sammelstiftung Profond. Ein guter Draht besteht sodann zu Professor ­Erwin Heri, der aus Martin Ebners ehemaliger Finanzboutique OZ die Valartis Bank formte. Der frühere Finanzchef der «Winterthur» war Student von Professor Kurt Schiltknecht, Ebners Intimus. Urs Fischer, Ex-Chef von Sunrise und Ascom, ist soeben von Ebner beim Handyhändler Mobilezone auf den Präsidentenstuhl gehievt worden. Ein gewichtiger Investor ist Ebner schliesslich bei der Berner BV Group, der Beteiligungsfirma von Ypsomed-Chef Willy Michel.

DIE GEGENSPIELER
An Kontrahenten mangelt es Ebner nicht. Als eigentliche Gegner würden sich aber, mit Ausnahme früherer UBS-Chefs wie Nikolaus Senn oder Robert Studer, die wenigsten bezeichnen. Die meisten zollen dem blitzgescheiten Financier ihren Respekt: Ruedi Baer, der soeben von Ebner abgewählte Verwaltungsrat und Gründer des Handyhändlers Mobilezone, ebenso wie Markus Dennler, Ex-Präsident von Rückversicherer Converium, die Ebner mit Scor verkuppelte. Dennler assistierte schon Robert Jeker beim Kampf ­gegen Ebners Attacke auf die Bank Leu vor zwanzig Jahren. ­Abgeblitzt ist Ebner unter anderem bei der schwedischen Investor AB von Marcus und Jacob Wallenberg. Kritiker von Ebners Auffassung des Shareholder Value finden sich ausserhalb seines Wirkungsfeldes, etwa im Wirtschaftsestablishment bei ­Johann Schneider-Ammann (FDP) oder gar in den Reihen der SVP, etwa bei Nationalrat Hans­ Kaufmann. Distanziert hat sich auch der ­Mitgründer der BZ Bank, Andreas Reinhart.

DIE WEGGEFÄRTEN
Zwei Namen sind untrennbar mit Martin Ebner verbunden: Kurt Schiltknecht und Alt-Bundesrat Christoph Blocher. Mit Blochers sind Ebners seit Schul- und Studienzeiten befreundet. Rosmarie Ebner ist Patin von Blochers Sohn Markus. Bis heute zählen Blochers in Finanzfragen auf Ebners Rat, ebenso wie Autoimporteur Walter Frey. Am gleichen Strick wie Ebner zieht SP-Mitglied Schilt­knecht seit Ende der achtziger Jahre, als dieser die Bank Leu präsidierte, die Ebner unter seine Fittiche nehmen wollte. Weiter konnte Ebner auf den Ex-Chef der Zürcher Kantonalbank, Hans Vögeli, zählen. Wichtige Verbündete stammten aus der Bankgesellschaft und dem Bankverein wie der vor einem Jahr verstorbene Bernhard Flotron. Ein treuer Freund und Mitstreiter war schliesslich der ebenfalls verstorbene Schwede Johan Björkman.

DIE FAMILIE
25 Jahre BZ Bank und 65 Jahre Martin Ebner: Diese Geburtstage gibt es 2010 zu feiern, ­jenen der Bank am Martinstag im November, jenen des Gründers im August. Der Sohn eines Lithografen wuchs im beschaulichen Hurden SZ mit drei Geschwistern auf. Schon in der Schulzeit lernte er seine Frau Rosmarie kennen. Das kinderlose Paar pflegt gute Beziehungen zum weit verzweigten Netz von Verwandten, einst treue Investoren in Ebners Visions-Gesellschaften. Vor drei Jahren trat Neffe Manuel Ebner in die BZ Bank ein, um dereinst Nachfolger seines Onkels zu werden. Während der zweite Neffe Markus Ebner noch immer bei der Bank arbeitet, hat Manuel soeben zum Hedge Fund Rose & Sky Investments gewechselt.

DIE KARRIERESCHMIEDE
Zu den langjährigen Weggefährten, die auch in den Krisenjahren zu Ebner hielten, gehört Ralph Stadler, seit 1993 Teilhaber der BZ Bank. Viele andere haben in Zürich und Wilen ihre Sporen abverdient und das Gelernte dann in eigenen Finanzboutiquen umgesetzt. So gründete der verstorbene Ernst Müller-Möhl zusammen mit Martin Bisang 1992 die Bank am Bellevue. Philippe Bubb, Sohn des einstigen Zschokke-Chefs Christian Bubb, versuchte sich nach seiner Zeit bei der BZ Gruppe für den Hedge Fund Focus Capital bei Schweizer Firmen in Ebners Rolle. «Ich habe viel gelernt bei Martin Ebner», liess er sich vor dem Kurssturz seiner Beteiligungen in der «NZZ am Sonntag» zitieren.

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