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Machtnetz von Jürg Bucher: Der doppelte Bucher

60 Prozent Post-Konzernchef, 40 Prozent PostFinance-Chef: An Jürg Bucher kommt in Bern keiner vorbei.

Von Stefan Barmettler
12.02.2010

Es war ein Aufstieg der kurioseren Art: Letztes Jahr noch hatte PostFinance-Chef Jürg Bucher einen Protestbrief gegen Post-Präsident Claude Béglé mitunterschrieben. Und im Dezember machte Béglé, mittlerweile breitester Kritik ausgesetzt, ausgerechnet seinen internen Kritiker zum Post-Konzernchef. Vorgänger Michel Kunz war im Machtkampf mit Béglé zermürbt worden.

Bucher, Mr. PostFinance und zusätzlich neuer Mr. Post, will bis zur definitiven Umwandlung der PostFinance in eine ­Aktiengesellschaft das Doppelmandat weiterführen. Bis 2011 also wird er sich diese Doppelbelastung (Aufteilung in 60 und 40 Prozent) antun. Bucher ist intern unangefochten und lässt sich, das hat er bei der PostFinance bewiesen, nur sehr ungern dreinreden. Er wird zweifellos wieder Ruhe in die Reihen bringen, doch bleibt er ein Übergangschef. In drei Jahren geht er in Pension. Oder aber er rückt in den Post-VR auf.

Mit Post-Präsident Peter Hasler wird er bestens harmonieren. Hasler ist Novize im Geschäft, Bucher kennt den Laden aus dem Effeff. Den Konzernleitungsmitgliedern passt, dass er für eine dezentrale Post-Struktur eintritt, die Kulturunterschiede in den Geschäftsfeldern zulässt. Als PostFinance-Chef sieht sich Bucher ohnehin eher als Banker denn als Pöstler.

Die Freunde

Der langjährige PostFinance-Chef Bucher ist in der Schweizer ­Finanzwelt gut verankert. Mit dem Nationalbank-Direktionsmitglied Thomas Jordan pflegt er seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis, mit SNB-Präsident Philipp Hildebrand war er schon in der PostFinance-Arena an einem Hockeyspiel. Bekannt ist er mit Andreas Waespi, Chef der Bank Coop, und mit Hans Rudolf Matter, Chef der Basler Kantonalbank. Gemeinsam hat man die Retail-Banking-Konferenzen BAI Retail in den USA besucht.

Mit Finma-Präsident Eugen Haltiner, früher bei der UBS für das Schweizer Privatkundengeschäft zuständig, baute Bucher vor acht Jahren eine Kooperation im Kreditbereich auf. Letztes Jahr wechselte PostFinance von der UBS zur Valiant-Gruppe, die vom alten Bekannten Kurt Streit geführt wird. Mit HSG-Professor ­Peter Gomez, Präsident der Schweizer Börse, hat Jürg Bucher Kaderweiterbildungskurse in der PostFinance organisiert.

Die Feinde

Auch Feinde sagen, mit Bucher lasse sich bestens streiten. Nachtragend sei er nicht, aus der Ruhe bringen lässt sich der Berner kaum. Oft kreuzte er die Klingen mit Pierin Vincenz, dem Chef der Raiffeisengruppe. Bucher kämpfte (vergeblich) für eine Banklizenz, Vincenz, der eine zusätzliche Konkurrenz durch die Post-Bank befürchtete, hielt dagegen. Noch lauter war der Streit mit den Gewerkschaften 2005. Christian Levrat, damals Präsident der Gewerkschaft Kommunikation, warf Bucher vor, er habe sich als Stiftungsrat nicht an die Direktiven der Post-Pensionskasse – sie ist Nestlé-Grossaktionärin – gehalten. Die PK hatte seinerzeit Widerstand gegen Peter Brabecks Doppelmandat (Präsident und CEO) beschlossen. Bucher aber liess an der Nestlé-GV für den doppelten Brabeck stimmen. Er habe sich vom Brabeck-Intimus Rainer E. Gut einseifen lassen, lautete der Vorwurf. Der Konflikt wurde beseitigt, indem man das ­Reglement der Post-PK präzisierte und Stiftungsrat Bucher seinen Rücktritt aus der PK gab.

Der Sport

Bucher war, bis zu seiner Hüftoperation vor fünf Jahren, sehr multisportiv. Anfänglich spielte er Eishockey, dann forcierte er den Orientierungslauf. In dieser Disziplin brachte er es bis ins Nationalkader. Im Laufsport lernte er die Nationalrätinnen Ruth Humbel (CVP) und Evi Allemann (SP) kennen. Heute ist er oft mit dem Mountainbike unterwegs. Zur Sport-Entourage gehört seit langem FDP-Politiker Johann Schneider-Ammann. Auch mit Parteikollege Ruedi Noser versteht er sich.

PostFinance und Bucher persönlich sind eng mit dem SC Bern verbandelt. PostFinance ist Haupt­sponsor, das Stadion trägt den Namen der Post-Tochter. Bucher ist Präsident des Executive Club des SCB, einer Supportervereinigung von Wirtschaftsleuten. Zum 25-Mann-Zirkel gehören Urs Berger, Chef der Mobiliar, und Hans-Ulrich Müller von der CS. Buchers Jugendliebe war der HC Davos.

Die Karriere

Der neue Post-Chef studierte an der Uni Bern Betriebs- und Volkswirtschaft. Bei Professor Walter Müller lernte er auch Ulrich Gygi kennen, der ­damals Assistent war. Gygi verkehrte mit Benedikt Weibel (ehemals SBB) und Peter Siegenthaler (Finanzverwaltung). Im Gegensatz zu diesen SP-Ökonomen war Bucher stets dem Freisinn zugetan. Nach dem Studium heuerte er als Journalist bei den Berner «Tages-Nachrichten» an (heute «Berner Zeitung»). 1976 wechselte er ins Finanzwesen der Post, wo er zum Konzernentwickler aufstieg. Seine Stunde schlug, als er unter PTT-Chef Dieter Syz die Konzernaufspaltung in Swisscom und Post mitplanen durfte. Ab 2003 baute er PostFinance zur Cashcow im Konzern auf, was ihm intern eine grosse Machtfülle bescherte. Seit Jahren kümmert sich Bucher um KMU, was er auch am Swiss Economic Forum tut, wo er mit den Initianten Stefan Linder und Peter Stähli bekannt ist.

Die Familie

Lehrersohn Bucher machte geografisch keine grossen Sprünge: Er wuchs zwischen Bern und Thun auf, wo er heute noch lebt. Seine Frau Erika betreibt am Wohnort ein Physiotherapiestudio. Als Post-­Kader arbeitet Bucher 60 bis 65 Stunden pro Woche, zur Arbeit fährt er im Auto. Der familiäre Fuhrpark umfasst einen Mini Cooper und einen schnittigen Alfa 159 Q4. Demnächst steigt der Post-Chef auf einen eleganten Lexus mit Hybrid um.

Abends ist Bucher gelegentlich kulturell unterwegs. Er hat ein Saisonabo des Stadttheaters Bern und ist Mitglied beim Berner Jazz-Club Marians. Ab und zu ­besucht er Auftritte des Jugend-Sinfonie-Orchesters, das PostFinance sponsert.

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