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Machtnetz von Joseph Jimenez: Der neue Koch

Mit dem neuen CEO Joseph Jimenez übernehmen bei Novartis die Anglo-Amerikaner und die Markenexperten die Macht.

Von Stefan Barmettler
29.01.2010

Am Schluss narrte Novartis-Chef Daniel Vasella alle, Freunde wie Feinde. Eigentlich hatte man lange Zeit erwartet, dass er das Doppelmandat bis ins nächste Jahr behalten würde. Doch es kam anders. Mit Joseph Jimenez jr. bestellte Vasella nun einen CEO, der erst seit drei Jahren in der Branche ist.

Der Sinneswandel dürfte viel mit dem Druck zu tun haben, der sich in den letzten Jahren über Basel aufbaute. ­Vasella stand unter dem Dauerbeschuss aufmüpfiger Aktionäre, die sich an seinem 40-Millionen-Franken-Salär und an seiner Machtfülle stiessen. Bei der letzten Generalversammlung scharte Ethos-Direktor Dominique Biedermann noch 31 Prozent der Stimmen hinter sich, dieses Mal hätten es mehr sein können. Ausserdem drohte schon die nächste Flanke: Die Stiftung Ethos strebte ein Verbot des Doppelmandats CEO und Präsident per 2011 an.

Mit dem 51-jährigen Amerikaner hat Vasella einen Nachfolger ausgewählt, der in der Nahrungsmittelindustrie gross geworden ist. Was ihm alle Beobachter attestieren: Er gilt als ausgewiesener Marketingexperte und als jemand mit einem scharfen Auge für überflüssige Produktionsausgaben. Und er weiss sich durchzusetzen: Im Novartis-Headquarter übernehmen die Anglo-Amerikaner das Ruder.

Die Vertrauten

Die Mentoren von Joe Jimenez heissen ­Daniel Vasella und Percy Barnevik. Vasella übergibt Jimenez nun das Amt des CEO, der ­ehemalige ABB-Chef Barnevik lockte ihn in die Pharmaindustrie. Der Schwede war bis 2004 VR-Präsident von AstraZeneca. Er holte Heinz-Topmanager Jimenez zu sich in den VR, weil er dessen Fähigkeiten im Kosumgütermarketing und sein Faible für Marken schätzte.

Bei AstraZeneca lernte er den Briten Jonathan (Jon) Symonds kennen, damals Finanzchef des Pharmaunternehmens und ausgewiesener Spezialist für Mergers. Symonds wirkte als Schlüsselfigur bei der Fusion der schwedischen Astra mit der britischen Zeneca.

2007 verliess Symonds den Pharmakonzern und wechselte zu Goldman Sachs, die Novartis immer wieder bei Milliardendeals beriet. Nach dem Abstecher ins Investment Banking wechselte Symonds 2009 zu Novartis, wo er nun neu Finanzchef wird. In Basel traf er seinen alten AstraZeneca-Weggefährten Jimenez wieder, der nun sein Chef wird. Bald wird das angriffige Duo Jimenez/Symonds den nächsten Merger ins Auge fassen. Stets dabei, wenn Novartis zukauft: Wirtschaftsanwalt Rolf Watter von Bär & Karrer.

Die Feinde

Thomas Ebelings Abstieg hängt eng mit dem Aufstieg von Jimenez zusammen. Der ehemalige Pepsi-Manager Ebeling leitete sieben Jahre lang die zentrale Novartis-Pharmasparte und schien in der Pole Position für die Vasella-Nachfolge. Doch im Herbst 2007 kam es zum Downgrade: Ebeling wurde in die Division Consumer Health abgeschoben, Jimenez übernahm die Paradedivision. Der ausgebremste Deutsche verliess später das Unternehmen und heuerte 2009 beim deutschen Privatsender ProSiebenSat.1 an.

Auf der Strecke blieb auch Vasellas langjähriger Vertrauter Jörg Reinhardt. Vor zwei Jahren war er noch zum Chief Operating Officer und damit zur Nummer zwei gekürt worden. Mit Jimenez’ Ernennung scheidet der vermeintliche Kronprinz aus.

Die Karriere

Jimenez startete seine Karriere 1984 beim Nahrungs- und Putzmittelhersteller Clorox in Oakland, Kalifornien. Zuerst arbeitete er in der Salatsaucen-Division, später stieg er zum Marketingchef auf. Dann wechselte er zu Hunt-Wesson, einem Foodhersteller ebenfalls mit Sitz im Sun State. Dort war er für Marken wie Swiss Miss, Peter Pan Peanut Butter und Redenbacher’s Popcorn zuständig.

1998 wechselte er nach Pittsburgh zum Ketchup-Hersteller Heinz. Von 2002 bis 2006 leitete er das Europa-Geschäft. Wohl zur ­Freude von Teresa Heinz, eingeheiratet in die Gründerfamilie und Gross­erbin. Die Philanthropin ist verheiratet mit dem demokratischen ­Senator John Kerry aus Massachusetts, der erfolglos für das Präsidentenamt kandidierte.

Die Blackstone-Connection

Der Nahrungsmittelexperte war nach seinem Heinz-Engagement bei Blackstone tätig. Die Private-Equity-Firma von Stephen Schwarzman kaufte 2007 für 2,2 Milliarden Dollar Pinnacle Food, einen Hersteller von gefrorener Fertigkost aus New Jersey. Gemeinsam mit ­Roger Deromedi, ehemaligem CEO von Kraft Foods, und Blackstone-Partner Prakash A. Melwani übernahm Jimenez das Zepter bei Pinnacle. Bis heute sitzt er im Verwaltungsrat der Firma.

Aussergewöhnlich war sein Engagement beim Schmuck- und ­Diamantenhändler Blue Nile. Gemäss SEC-Dokumenten bestand eine Abmachung mit Novartis, wonach Jimenez kein Honorar beziehen durfte. Die Kompensation wurde direkt an die Firma überwiesen. Im August 2008 trat Jimenez aus der Diamantenfirma aus.

Die Familie

Der Manager mit italienisch-spanischen Wurzeln wuchs in Kalifornien auf. Er studierte an der Eliteuniversität Stanford und schloss 1982 mit einem MA ab. 1984 absolvierte er einen MBA-Lehrgang in Berkeley bei San Francisco. In Stanford führte er das Schwimmteam Cardinal als Captain an. So motivierte er seine Mitschwimmer: «Der einzige Weg, um hier rauszukommen, ist durchzukommen.» Noch heute fällt es dem Novartis-Chef schwer, einen Bogen um einen (geheizten) Pool zu machen. Reinspringen mag er heute aber nur noch «for fun».

Der Sportbegeisterte ist mit Denise ­Jimenez verheiratet, gemeinsam haben sie drei Kinder. Die beiden Söhne sollen Gefallen am FC Basel finden.

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