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Machtnetz von Ivan Glasenberg: Der scheue Dealer

Ivan Glasenberg.

Handeln liegt Ivan Glasenberg im Blut. Sein Meisterstück: die Verschmelzung von Glencore und Xstrata zu einem der weltweit grössten Rohstoffkonzerne.

Von Stefan Lüscher
30.08.2013

Innert drei Jahrzehnten vom Kohledealer in Südafrika zum Chef des weltgrössten Rohstoffhändlers – welch eine Karriere. Und vor wenigen Monaten krönte Ivan Glasenberg sein Werk mit der Übernahme von Xstrata. Die daraus entstandene Glencore Xstrata ist ein Koloss: 190 000 Leute in über 50 Ländern fördern, transportieren und vermarkten Metalle, Mineralien, Energieprodukte sowie Nahrungsmittel und setzten letztes Jahr 236 Milliarden Dollar um. Damit ist die von Baar ZG heraus geleitete Firma der grösste Konzern der Schweiz. Vor zwei Jahren führte der 56-Jährige den Rohstoffhändler an die Börse und machte den Hauptaktionär zum Multimilliardär – sich selbst.

Mit dem Börsengang ist die Firmengruppe erst recht in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Und da prasselt eine ­geballte Ladung an Kritik über Glencore Xstrata. Politiker, NGOs, Drittweltorganisationen und Journalisten schiessen sich zunehmend auf den Konzern ein. Ivan Glasenberg steht den Vorwürfen etwas hilflos gegenüber. Der öffentlichkeitsscheue Südafrikaner, seit gut zwei Jahren im Besitz des roten Passes, würde am liebsten weiterhin hinter ­geschlossenen Jalousien seine Deals machen. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Die Verbündeten

Vor einem Jahr stand die Fusion von Glencore mit Xstrata auf der Kippe. Scheich Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani, der als Premier von Katar das Emirat als Xstrata-Hauptaktionär vertrat, war mit dem Gebot unzufrieden. Im letzten Moment wurden der Scheich und Ivan Glasenberg zu einem geheimen Mitternachts-Meeting im Londoner Luxushotel Claridge’s geladen. Als Mentor trat der einstige britische Premierminister Tony Blairauf. Nach dreistündiger Diskussion erhöhte Glasenberg das Angebot und ­sicherte sich dafür die Alleinherrschaft im neuen Konzern. Blair soll für ­seinen Kürzesteinsatz eine Million Dollar kassiert haben.

Als einen seiner wichtigsten Verbündeten bezeichnet Glasenberg den einstigen «Winterthur»-Chef Leonhard Fischer, der mit im Verwaltungsrat sitzt. Dieser wird präsidiert von Tony Hayward. Doch der Brite, der als CEO von BP bei der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon durch Arroganz auffiel, muss wohl bald seinen Stuhl räumen. Mit Brady Dougan,dem Chefbanker der Credit Suisse, hat sich aus geschäftlicher auch eine ­private Beziehung entwickelt; die beiden Alphatiere rennen oft um die Wette. Mehr als nur Geschäftspartner sind die russischen Rohstofflieferanten Oleg Deripaskaund Wladimir Potanin.Mit Viktor Vekselbergverkehrt Glasenberg auf freundschaflicher Ebene, man trifft sich des Öfteren in ­Zürich. Viel hält Glasenberg von Bundesrat Didier Burkhalter;der ­Aussenminister konnte ihn dazu bewegen, einer Initiative gegen ­Menschenrechtsverletzungen beizutreten.

Die Gegner

Die Einverleibung von Xstrata hat Glasenberg einige Feinde eingetragen. Der einstige Xstrata-CEO Mick Davis war auch beim neuen Konzern als Chef gesetzt. Doch nach den Querelen um die Fusion musste Davis das Feld räumen – ruhig gestellt mit einem millionenschweren Abgangsgeschenk. Trevor Reid, Ex-Finanzchef bei Xstrata, war im neuen Unternehmen als oberster Kassenwart vorgesehen; auch er musste sein Pult räumen. Schlecht erging es ebenso Sir John Bond; 81 Prozent der Aktionäre votierten gegen ihn als neuen Präsidenten. Diese Abfuhr konnte nur mit den Stimmen von Glasenberg und weiteren Glencore-Managern zustande kommen. Bereichsleiter von Xstrata wie Charlie Sartain (Kupfer), Ian Pearce (Nickel) oder Loutjie Smit (Metalllegierungen) gingen von selbst. Als Feindbild gilt Glasenberg bei Exponenten von NGOs, so bei Antonio Hautle, Direktor Fastenopfer, oder bei Beat Dietschy, Geschäftsführer von Brot für alle.

Die Konkurrenten

An Konkurrenz mangelt es Glencore Xstrata nicht. Ein ganzes Stück grösser als die Baarer ist die von Ian Taylor geleitete Vitol. Der weltgrösste Energiehändler mit Sitz in Genf erzielte 2012 einen Umsatz von 303 Milliarden Dollar. Innert weniger Jahre zum mächtigen Player hochgeschossen ist Trafigura. Der Rohstoffkonzern wurde von ehemaligen Glencore-Händlern gegründet, darunter Claude Dauphin, heute CEO und Präsident. Dieser Tage balgen sich die beiden Konkurrenten vor Gericht um Anwaltskosten. Gerüchte, wonach Glasenberg an Noble interessiert sei, entpuppten sich als falsch; Firmengründer Richard Elman steht weiterhin an der Spitze des Rohstoffkonzerns aus Hongkong. Glasenberg werden immer wieder Unternehmen zum Kauf angeboten. Beispielsweise von Margarita Louis-Dreyfus, Strippenzieherin hinter dem gleichnamigen Rohstoffhandelshaus. Die beiden trafen sich im Januar 2011 zum Nachtessen im Zürcher Trendrestaurant Blaue Ente. Glasenberg jedoch wollte nicht zukaufen; zu diesem Zeitpunkt hatte er längst Xstrata ins Auge gefasst.

Die Karriere

Einst sah es danach aus, als ob der 1957 in Johannesburg in eine jüdische Familie hineingeborene Ivan Glasenberg eine Karriere als Wirtschaftsprüfer einschlagen würde. Während seines Studiums ­arbeitete er für die Buchprüfungsfirma Nexia Levitt Kirson. Der damalige Geschäftsführer Len Furman war voll des Lobes über den Studenten. Zu der Zeit begann Glasenberg auch mit dem Training als Geher, er schaffte es zum mehrfachen Landesmeister und konnte nur wegen des Boykotts gegen Südafrika nicht an den Olympischen Spielen von 1984 teilnehmen.

Als 27-Jähriger stieg er in Südafrika bei Marc Rich & Co. als Junior Trader im Kohlehandel ein. Rasch wurde sein Talent als Händler entdeckt; es folgten Stationen in Australien, Hongkong, Peking. 1991 holte ihn Firmengründer Marc Rich in die Zentral­schweiz und setzte ihn als Chef ins Kohledepartement. Nach dem Ausscheiden Richs wurde das Unternehmen in Glencore umbenannt. Der neue starke Mann, Willy Strothotte, nahm Glasenberg unter seine Fittiche. Als der Deutsche sich 2002 aufs Präsidium zurückzog, hievte er seinen Zögling auf den Stuhl des CEO.

Die Familie

Für Konzertbesuche oder Ähnliches habe er keine Zeit. Wenn er von Reisen oder spätabends aus dem Büro nach Hause kommt, will er ausspannen. Dazu hat er sich üppigen Platz geschaffen; die Villa Gehrimoos an Rüschliker Hanglage bietet 1300 Quadratmeter Geschossfläche. Fast jeden Morgen rennt er einige Kilometer. Und am Sonntag schwingt sich der 56-Jährige aufs Rennrad und spult mit bis zu 15 Freunden gut 100 Kilometer ab. Ehefrau Elena ist seit 20 Jahren Lehrerin. Tochter Fran Merran (24) hat vor kurzem in den USA den Master in Corporate Social Responsibility erhalten. Sohn Gil absolviert, ebenfalls in Amerika, einen Business ­Degree in Musikmanagement. Nebenbei versucht sich der 19-Jährige als DJ.

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