1. Home
  2. People
  3. Machtnetz von Heinz Karrer: Der Ambitionierte

 
Machtnetz von Heinz Karrer: Der Ambitionierte

Heinz Karrer.

Der neue Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer muss in seinem neuen Amt ­eine happige Lohneinbusse hinnehmen. Darben wird er gleichwohl nicht.

Von Ueli Kneubühler
20.08.2013

Mitte Juli verreiste Axpo-Chef Heinz Karrer (54) in die Ferien. Kurz zuvor hatte er ein wichtiges Gespräch geführt, eines, das seine berufliche Zukunft neu definieren sollte. Rolf Soiron klopfte in der zweiten Juliwoche an. Soiron leitete die Kommission, die einen Nachfolger für den scheidenden Economie­suisse-Präsidenten Rudolf Wehrli finden sollte. Karrer sagte nach anfänglichem Zögern zu. Ein Jahr nach Wehrli wählt ­Economiesuisse Ende August damit erneut einen Präsidenten.

An Karrer, der sich als Axpo-Chef eine Lohnobergrenze verordnete, liegt es, Economiesuisse einen ­bescheideneren Auftritt zu verpassen – und Transparenz zu verschaffen. Der Verband schweigt sich über Vergütungen von Präsident und ­Direktor aus. «Wenn Unternehmen bezüglich der Spitzengehälter transparent sein müssen, dann wird sich der Spitzenverband dem auch nicht entziehen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Karrer das anders sieht», sagt Soiron. Karrer verdient bei Axpo 904 000 Franken. Rund 250 000 Franken soll er für sein 50-Prozent-Pensum bei Economiesuisse erhalten. Darben muss er aber nicht. Sein Vizepräsidium bei Kuoni ist mit 240 000 Franken dotiert, das VR-Mandat bei der Raiffeisen-Tochter Notenstein bringt weitere 75 000 Franken ein. Waren bei Axpo nur zwei zusätzliche Mandate erlaubt, kommt nun noch das eine oder andere dazu.

Die Freunde

Karrer spielte 53-mal für das Schweizer Handball-Nationalteam. Aus dieser Zeit ist er eng verbunden mit Kommunikationsberater Daniel Eckmann, Ex-Torhüter beim BSV Bern. Karrer selbst lief für Pfadi Winterthur und St. Otmar St. Gallen auf. Eine Herzensangelegenheit sind ihm die Berge. Zuletzt war der Sportkletterer am Grimsel unterwegs. Früher, ab und zu auch heute noch begleitet ihn Art Furrer. Seit vielen Jahren klettert er mit dem Ex-Skirennfahrer Gusti Oehrli. Eng sind die Bande immer noch zur alten Swisscom-Garde. Die einstigen CEOs Tony Reis und Jens Alder sowie Ex-Fixnet-Chef Adrian Bult und den ehemaligen Strategiechef und heutigen Sunrise-Präsidenten Dominik Koechlin trifft er alle paar Monate. Dem früheren SBB-Chef Benedikt Weibel widmete er eine Empfehlung für dessen Buch «Von der Schublade ins Hirn». Professionell ist das Verhältnis in der Energieindustrie. Mit Kurt Rohrbach hat er zwar ab und an Differenzen, etwa bei der Subventionierung von Pumpspeicherstrom, persönlich versteht er sich mit dem Präsidenten des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen und Ex-BKW-CEO aber gut. Sympathisch ist ihm auch Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin, deren scharfe Denke er schätzt. Die Liebe zu den Bergen teilt er mit Axpo-Präsident Robert Lombardini. Der Bündner ist wie Karrer ein Sportfan. Wichtig im ­politisierten Energieumfeld sind seine Lobbyisten Martin Saxer, Thomas Porchet und sein Mann in Brüssel, Eberhard Röhm.

Die Gegenspieler

Keine Freunde mehr in diesem Leben werden Karrer und der frühere SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner. Als Karrer 2009 vor einem Strom-Blackout warnte, meinte Rechsteiner: «Es würde mich auch nicht überraschen, wenn die Axpo vor der Volksabstimmung über ein neues AKW noch Stromausfälle ‹organisiert›, um den Leuten Angst zu machen.» Aneinander geriet er in seiner Zeit als Ringier-Schweiz-Chef mit Chefpublizist Frank A. Meyer, der den früheren Intersport-Manager Karrer als «Skiverkäufer» abkanzelte. Im freundschaftlichen Konkurrenzverhältnis steht er mit BKW-Chefin Suzanne Thoma und Alpiq-Präsident Hans Schweickardt. Swissolar-Präsident Roger Nordmann kritisierte Karrers Wahl zum Economiesuisse-Präsidenten. Karrer verkörpere «die gefährlichen alten Energien im Quadrat». Gehandelt als Economiesuisse-Präsident wurden auch Unternehmer Peter Spuhler und Adecco-Präsident Rolf Dörig, die Karrer aber beide sehr schätzt. Mit Kaspar Schuler (Greenpeace) und Jürg Burri (Energiestiftung) sowie Bastien Girod (Grüne) und Christian Levrat (SP) erwachsen ihm energiepolitische Gegenspieler.

Die Polit-Connection

Der parteilose Karrer kennt die politischen Prozesse und Entscheidungsträger vor allem von seinem Job bei Axpo. Allen voran Energieministerin Doris Leuthard. Die beiden kreuzten zwar ab und an die Klingen, sie sassen aber zusammen im VR der Axpo-Tochter EGL. Die Bundesräte Ueli Maurer und Eveline ­Widmer-Schlumpf kennt Karrer aus deren früheren Ämtern. Professionell und manchmal hart war der Kontakt mit Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, mit Leuthards Generalsekretär Walter Thurnherr, Bruno Oberle, Direktor des ­Bundesamts für Umwelt, und Staatssekretär Yves ­Rossier (bilaterales Abkommen). Gut versteht er sich mit den Parteipräsidenten Toni Brunner (SVP) und Martin Landolt (BDP) sowie mit vielen Regierungsräten der Nordostschweizer Kantone, denen die Axpo gehört.

Die Familie

Karrer ist durch und durch auf die Berge eingestellt. Ob auf Hoch­gebirgstouren, beim Sportklettern oder auf Skitouren: Die Berge sind Karrers Rückzugsgebiet, hier erholt er sich. Bislang hat er mehr als 40 Viertausender bestiegen. Im Winter geht es ab in die Ferienwohnung in Mürren BE. Und wenn es keinen Schnee hat, geht er öfters mit seiner Frau Sonja Karrer joggen. Sie ist Lehrerin und ­Vizepräsidentin bei der Dargebotenen Hand. Karrer, der früher Spitzenhandballer war und es gar an die Olympischen Spiele nach Los Angeles schaffte, wuchs in Winterthur auf als Sohn eines Pöstlers. Heute wohnt die Familie Karrer mit drei erwachsenen Söhnen in Münsingen BE. ­Einer studiert Betriebswirtschaft, ein anderer Filmwissenschaften, und der Jüngste besucht die Handelsschule.

Die Karriere

Karrer lehrte bei der Bankgesellschaft, holte dann die Matura nach und begann mit dem Studium der Nationalökonomie. Danach übernahm er das Zepter beim Verband der Schweizer Sportartikel­industrie. Der damalige Intersport-­Direktor Adolf Ogi holte ihn zum Sportfachhändler und machte ihn nach seiner Wahl in den Bundesrat zum Intersport-Chef. Der Ex-Ringier-CEO Oscar Frei holte Karrer 1995 ins ­Medienbusiness, bevor er auf Werben von Ex-Swisscom-Chef Tony Reis 1998 in die Telekombranche wechselte. Nach einer Auszeit vermittelte ihn Headhunter und Handball-Mann Fredy Isler (ex Spencer Stuart) zur Axpo. Über David Schnell, Ex-Swisscom-Finanzchef, fand Karrer 2007 in den ­Kuoni-VR, seit 2012 sitzt er mit Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im Verwaltungsrat der Raiffeisen-Tochter Notenstein. Kuoni wird 2015 einen neuen Präsidenten wählen. Karrer gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Präsident Henning Boysen. Treibende Kräfte für das Economiesuisse-Präsidium waren Holcim-Präsident Rolf Soiron und Arbeitgeberverbands-Präsident Valentin Vogt.

Anzeige