Streng liberal betrachtet ist sein Vorstoss für ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen eine Sünde. Doch der Präventivmediziner Gutzwiller hat den Nerv der Zeit getroffen, Kanton um ­Kanton folgt seinem Kurs, auch in Bern kam die Vorlage – ­etwas zerzaust – durch die Räte.

In den Reihen der Freisinnigen gilt der Zürcher Ständerat als fähiger Kandidat bei der nächsten Vakanz der Freisinnigen im Bundesrat. Gesellschaftspolitisch progressiv, eckt Gutz­willer bei bürgerlichen Kollegen zwar immer wieder an, etwa mit seiner Haltung in der Drogenpolitik. Klar in Analyse und ­Argumentation, stets korrekt im Umgang und von enormem Arbeitseifer: In Sachfragen ist er nur schwer zu schlagen. Der gebürtige Basler gilt als Meister der Vermittlung und Mann der Kompromisse. Er schmiedet Allianzen über alle Parteigrenzen hinweg und ist politisch so wendig, dass es schon fast wieder zum Problem wird. Vor lauter Kompromissen ­habe er gar keine Prinzipien mehr, monieren seine Gegner.

Mit der Wirtschaft ist er so gut vernetzt wie sonst kaum ein Politiker. Gutzwiller jongliert unzählige Mandate – mühelos. Auch hier hat er einen breiten Horizont. Eigentlich ein Mann der Pharmaindustrie, ist der 60-Jährige auch in Bankenkreisen bestens vernetzt.

Die Wirt­­schafts­connection

Eingeführt von seinem Freund Urs Lauffer (siehe «Die Mitstreiter» rechts), hat sich Gutzwiller ein breites Wirtschaftsnetzwerk aufgebaut. So kam er nicht nur zur Bank Hofmann, später Clariden Leu, sondern auch zu Mandaten bei der Zürcher Rahn AG (Spezialitätenchemie) und in der Zofinger Pharmafirma Siegfried. Gutzwiller sitzt ebenso im VR der Axa Winterthur. Bei den Wirtschafts-Altherren Fritz Gerber und Rainer E. Gut geniesst er Sympathie. Gut berief ihn in den pres­tigereichen CS-Beirat, der mittlerweile aufgelöst worden ist, Gerber in seine Stiftung zur Förderung begabter junger Menschen. Auch zu Pharmagrössen der jüngeren Generation hat der Mediziner Kontakt, zu Daniel Vasella oder zum Roche-Präsidenten Franz Humer. Der frühere UBS-CEO Peter Wuffli, ein ­engagierter Freisinniger, wollte Gutzwiller einst zur Übernahme des FDP-Präsidiums bewegen. Mit Peter Eckert, Ex-Finanzchef der «Zürich» und heute Präsident der Clariden Leu, versteht sich Gutzwiller bestens. Man kennt sich aus der Stiftung Vita Parcours, die der Mediziner präsidiert und die jahrelang von der «Zürich» ­unterstützt wurde. Gutzwiller sitzt im VR der Privatklinikgruppe Hirslanden und beim Krankenversicherer Sanitas, um nur einige seiner Gesundheitsmandate zu nennen. Mit Venturetec-Unternehmer ­Peter Friedli verbindet ihn die Faszination für Amerika. Gutzwiller ist VR-Mitglied von Friedlis Biotech-Firma Osiris Therapeutics.

Die Widersacher

Er ist kein Mann der bösen Worte. Doch gerade sein Harmoniebedürfnis ist manchem suspekt. Im konservativen FDP-Flügel wirft man ihm ordnungspolitische Pirouetten vor, weil er das Parallel­import-Verbot stützt. «Nur wenn es um den Schutz des geistigen Eigentums geht», versichert er. Gesellschaftspolitisch liegt er bürgerlichen Kollegen oft zu links: lieber ein «Sozi» als ein «Gutzi», heisst es. Parteikollegen wie Filippo Leutenegger, Georges Theiler oder Philippe ­Müller ärgern sich immer wieder. Auch seine «Bevormundungs»-Vorstösse à la Rauchverbot nerven im rechten Lager, etwa Vertreter der IG Freiheit wie Peter ­Spuhler oder Gregor Rutz. Den Linken ist seine Nähe zur Pharmaindustrie verdächtig. Mit Gesundheitspolitikerinnen wie Simonetta Sommaruga oder Jacqueline Fehr kreuzt er in Sach­fragen oft die Klingen – bringt aber auch gemeinsame Vorstösse durch. Gar keine Freunde hat Gutzwiller beim Verband GastroSuisse, namentlich Vizepräsident Ernst Bachmann läuft Sturm gegen das Rauchverbot. Im Rennen um einen Bundesratssitz würde innerhalb der FDP wohl die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-­Sutter zur Konkurrentin oder aber Economiesuisse-Präsident Gerold ­Büh­rer, der vom rechten Flügel der Partei portiert wird.

Die Mitstreiter

Politischer Weggefährte und persönlicher Freund ist der Zürcher Kantonsrat und Kommunikationsberater Urs Lauffer. Als Gutzwiller 1989 aus der Westschweiz zuzog, politisierten beide in derselben FDP-Sektion im Zürcher Kreis 2. Mit dem Chef des Bundesamtes für Gesundheit, Thomas Zeltner, verbinde ihn die «professionelle Grundphilosophie», wie Gutzwiller sagt. Beide haben die gleiche Schule durchlaufen und in Harvard ein «Public Health»-Studium absolviert. Mit seinen Vorstössen in der Präventivmedizin ist er zu einer starken Stütze des BAG-Direktors geworden. Innenminister Pascal Couchepin hat sich mit Gutzwiller schon verstanden, als dieser noch im Parlament sass. Kopfmensch und FDP-Präsident Fulvio Pelli harmoniert mit dem Sachpolitiker und früheren Fraktions-Chef. Auch das Verhältnis zu den Ostschweizer Parteikolleginnen Erika Forster und Marianne Kleiner ist gut.

Das Privatleben

Ehefrau Sylvie arbeitete früher beim Schweizer Fernsehen für Kurt Aeschbacher. Das Ehepaar pflegt einen grossen Freundeskreis und besucht gerne gesellschaftliche Anlässe vom Madonna-Konzert bis zum Zürcher Opernball. Zum engeren Umfeld zählen der designierte Swiss-Life-Präsident Rolf Dörig, Unique-Präsident Andreas Schmid und Walter Kielholz. Gutzwiller schätzt den ­CS-Präsidenten als Mann mit vielseitigen Interessen, insbesondere im Bereich Kunst und Politik.

Die Hobbys

Der Präventivmediziner ist Sportfreak, nicht einfach aus Über­zeugung, sondern aus Freude. Dreimal die Woche und am Wochenende besucht er für Kraft- und Ausdauertraining das Zürcher In-Studio Holmes Place. Dort sieht man ihn auch auch im Gruppentraining. Eine Vorliebe hat der umtriebige Politiker für «Kickpower», eine Art Kickboxing ohne Gegner – «mental super und gut zum Abbau von Aggressionen», empfiehlt er. Je nach Saison betreibt er Winter- oder Wassersport. Felix Gutzwiller liest gern, ­keine Fachbücher, sondern die neusten belletristischen Werke. Ansonsten mag er es urban: Ausgang, Kino, Essen mit Freunden, am liebsten natürlich in rauchfreien Beizen.

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