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Machtnetz von Bernhard Heusler: Der Daig-Mann

Bernhard Heusler

FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler macht am liebsten auf Understatement –und trifft damit den Stil der lokalen Geldgeber.

Von Iso Ambühl
21.02.2012

Basel gegen Bayern, Bayern gegen Basel: Trotz der Spiele gegen den deutschen Serienmeister bleibt FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler (48) gelassen. Gerade in erfolgreichen Zeiten dürfe der FCB seine Bodenhaftung nicht verlieren, lautet seine Devise. Solches Understatement hat in Basel Tradition und entspricht dem Gusto der Familien aus dem Daig. Vor sechs ­Wochen hat Anwalt Heusler just eine von deren prominenten Vertreterinnen, Mäzenin Gigi Oeri, im FCB-Präsidium abgelöst. Die finanzielle Absicherung ist damit weg. Oeri beschränkt ihre Unterstützung auf den Nachwuchs-Campus des FC Basel. Dank ­potenten Sponsoren wie Novartis oder Basler Kantonalbank, vor allem aber dank den nationalen und internationalen Erfolgen 2010 und 2011 steht der FC Basel 1893 noch lange nicht in finanzieller Schieflage.

Auch für die nahe Zukunft ist ausgesorgt: Das Erreichen der Achtelfinals der Champions League bringt den Baslern Sondereinnahmen von fünf Millionen Franken. Dazu kommt der nicht budgetierte Transfer von Xherdan Shaqiri zum FC Bayern München, der weitere 15 Millionen in die Kasse spült. Das Jahr 2012 ist also bereits im Februar wirtschaftlich gesichert. Davon können Clubs wie Grasshoppers Zürich nur träumen. Auch längerfristig traut man Heusler zu, dass er Kurs halten kann.

Die Freunde

Der FCB-Präsident pflegt einen Kreis alter Freunde, den er nicht mit seinem öffentlichen Leben als Clubpräsident vermischt. Lange währt die Freundschaft mit Jürg Wagner, VR-Präsident des Basler Immobilienunternehmens Spiegel Wagner Partner. Der Baselbieter Fleischhändler Walter Schneider (Grauwiler Fleisch, Euxinus AG) ist ihm als Unternehmer ein Vorbild. Seit Unizeiten ist Heusler freundschaftlich verbunden mit René Kamm, CEO der Messe Schweiz. Mit ­Jacques Herzog, Architekt des Stadions St.-Jakob-Park, verbindet ihn mehr als die Liebe zum FCB, genauso wie mit dem Unternehmer Alfred Wyss, einem Freund aus dem Lions Club Basel. In diesem Club verkehrt ein anderer Bekannter: Rolando Benedick, VR-Präsident von Valora und langjähriger Manor-Chef. Gut bekannt ist Heusler mit Franz Julen (CEO Intersport), mit den Basler Regierungsräten und FCB-Fans Carlo Conti (CVP) und Christoph Eymann (LDP) sowie mit Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild, mit dem er im Vorstand der Genossenschaft St.-Jakob-Park sitzt.

Die Gegner

Heusler ist überzeugt, dass sich mit offener Kommunikation unnötige Konflikte vermeiden lassen. Natürlich sind die beiden anderen Schweizer Grossklubs, der FC Zürich und Young Boys Bern, Gegner auf dem Spielfeld. Deren Chefs, FCZ-Präsident Ancillo Canepa und YB-CEO Ilja Kaenzig, sieht Heusler aber «eher als bereichernde Mitstreiter in Sachen Schweizer Fussball». Immerhin lassen sich beim Thema Gewalt auf Sportplätzen Differenzen feststellen. So wehrt sich Heusler gegen eine pauschale Kriminalisierung von Fans oder ­gegen jede Art von Sippenhaft, wie sie vom Präsidenten der Zürcher Grasshoppers, Roland Leutwiler, vorgeschlagen wurde. Heusler glaubt an das «Basler Dialog-Modell», das eine intensive Zusammenarbeit zwischen Club, Regierungen, Polizei und Fans vorsieht. Wenig abgewinnen konnte der Basler Anwalt den Eskapaden von FC-Sion-Präsident Christian Constantin. Wegen dessen Renitenz drohte der Weltfussballverband Fifa dem Schweizer Verband mit der Suspendierung – damit wäre Heusler mit seinem FC Basel aus der Champions League verbannt worden.

Die Funktionärs-Welt

Der Basler sitzt seit ein paar Wochen im Komitee der Swiss Football League, wo er auf Ancillo Canepa (FC Zürich), ­Walter Stierli (FC Luzern) und Ilja Kaenzig (Young Boys) trifft. Zudem steht er in gutem Kontakt mit Karl-Heinz ­Rummenigge (Präsident FC Bayern) und Ebru Köksal (Geschäftsführerin der türkischen Süper Lig), die im Vorstand der European Club Association (ECA) sitzen.

Funktionär des Fussballs wurde Heusler eher zufällig. Schuld waren die Wirren nach einem geplatzten Transfer von Hakan Yakin nach Paris. Der FCB brauchte juristische Hilfe. Heusler überzeugte die Verantwortlichen um Gigi Oeri und Finanzchef Mathieu Jaus. National bekannt wurde er als FCB-Kommunikator in der Aufarbeitung der «Schande von Basel», nachdem am 13. Mai 2006 das Meisterschaftsfinale zwischen dem FCB und dem FC Zürich in wilde Schlägereien der Fans ausgeartet war. Drei Jahre später wurde er operativer FCB-Chef. Letztlich verantwortlich war er für delikate Personalentscheide, wie die riskanten Verpflichtungen von Trainer ­Thorsten Fink und Stürmer Alex Frei sowie die Wahl von ­Fink-Ersatz Heiko Vogel.

Die Karriere

Heuslers Einstieg in die Juristerei lag nahe, weil sein Vater in diesem Fach promoviert hatte. Als Berater des jungen Heusler fungierte Peter Gloor, heute ­einer der Doyens der Basler ­Anwälte. Für seinen einstigen Assistenten und Doktoranden ist der frühere Baselbieter FDP-Ständerat und Professor René ­Rhinow noch heute des Lobes voll. Heusler, der sein Studium 1988 summa cum laude abschloss, sei ein kompetenter Jurist mit viel Einfühlungsvermögen und Sinn für Kollegialität. Nach Abschluss seiner preisgekrönten Dissertation zog Heusler mit seiner Frau in die USA, wo er ein Zusatzstudium an der University of California Davis absolvierte und für eine New Yorker Kanzlei tätig war. Eine Familie wollten die Heuslers aber lieber in Basel gründen, wohin sie 1995 zurückkehrten. Anwalt Peter Mosimann holte Heusler als Wirtschafts­anwalt zur Kanzlei Wenger Plattner, wo er seit 2000 als Partner wirkt. Heusler sitzt heute neben seinem Mandat für den FC Basel in verschiedenen VR – von der börsenkotierten Valora über Basler KMU bis zur Betreibergesellschaft eines Irish Pub in Basel. Im sozialen Bereich präsidiert er die Stiftung für kranke Kinder in Basel.

Die Familie

Der gebürtige Basler wohnt in Binningen BL, wo er aufgewachsen ist. Sein Vater, Daniel Heusler, war Personalchef bei Ciba-Geigy. Sohn Bernhard wuchs zusammen mit den Geschwistern Markus,Lukas und Katrin auf. Bereits in jungen Jahren war er FCB-Fan. Er spielte bei den E-Junioren des SC Binningen. Mit seiner Frau ­Ariane Heusler-Widmer (45), einer diplomierten Hotelfachfrau, teilt er die familiär geerbte Leidenschaft für den Fussball. Sie ­arbeitet seit ­einem Jahr in Teilzeit im FCB-Fanshop mit. Das Ehepaar hat zwei Kinder: Delia (15) und Tom (13). Neben Fussball, anderen ­Ballsportarten und Skifahren zählt das ­Laufen zu Heuslers sportlichen Vorlieben. Wegen ­einer Verletzung und eines ­Trainingsdefizits nimmt er aber an keinen Wettläufen mehr teil.

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